Hygienetest

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Der Hygienetest ist ein einfacher Feldtest, der die erbliche Abwehrkraft eines Bienenvolkes gegen Krankheiten bestimmt, indem er misst, wie schnell das Volk abgetötete verdeckelte Brut findet und aus den Zellen ausräumt. Die verbreitetsten Formen sind der Nadeltest und der Gefriertest. Völker mit hoher Ausräumrate sind widerstandsfähiger gegen Kalkbrut und Faulbrut; deshalb ist das Hygieneverhalten einer der wertvollsten Indikatoren in der Zucht.

Was ist Hygieneverhalten?

Hygieneverhalten bedeutet, dass junge Arbeiterinnen tote, kranke oder parasitierte Brut in verdeckelten Zellen am Geruch erkennen, den Zelldeckel öffnen und die Brut hinauswerfen. Es besteht aus zwei Schritten: zuerst das Entdeckeln, dann das Ausräumen der Brut. In manchen Völkern ist der erste Schritt stark, der zweite schwach ausgeprägt; der Test misst beide zusammen.

Dieses Verhalten ist erblich. Das wurde in den 1960er-Jahren in klassischen Arbeiten an gegenüber der Amerikanischen Faulbrut resistenten und anfälligen Linien gezeigt; seit den 1990er-Jahren wurden Linien entwickelt, die allein nach diesem Merkmal ausgelesen wurden. Es spricht gut auf Selektion an; innerhalb weniger Generationen sind deutliche Fortschritte möglich.

Arbeiterinnen tragen aus Zellen entfernte weiße Puppen
Arbeiterinnen tragen Puppen weg, die sie aus den Zellen entfernt haben. Ein hygienisches Volk öffnet auch die im Test abgetötete Brut auf dieselbe Weise und wirft sie hinaus. Foto: Nick Pitsas, CSIRO / Wikimedia Commons · CC BY 3.0

Gegen welche Krankheiten sind hygienische Völker im Vorteil?

  • Kalkbrut (Ascosphaera apis): Da erkrankte Larven ausgeräumt werden, bevor sich Pilzsporen bilden, kann sich die Krankheit nicht ausbreiten. Hier zeigt sich der Nutzen des Hygieneverhaltens am deutlichsten.
  • Amerikanische Faulbrut (Paenibacillus larvae): Das frühe Ausräumen toter Larven senkt die Sporenzahl und erhöht die Widerstandskraft; das heißt aber nicht, dass es die Krankheit verhindert. Diese Seuche ist anzeigepflichtig; isolieren Sie bei Verdacht die Beute und melden Sie den Fall dem zuständigen Veterinäramt.
  • Varroa (Varroa destructor): Ein Teil der Zellen, in denen sich Milben vermehrt haben, wird geöffnet und ausgeräumt; die Milbenvermehrung verlangsamt sich teilweise. Die varroaspezifische Form ist das auf der Seite „Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge“ beschriebene VSH-Verhalten.
Weiße Kalkbrutmumien in den Zellen
Bei der Kalkbrut werden die Larven zu harten, weißen Mumien. Hygienische Völker räumen diese Larven aus, bevor sie mumifizieren. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Viele auf den Beutenboden geworfene Kalkbrutmumien
Mumien, die sich auf dem Beutenboden sammeln, zeigen, dass die Bienen kranke Brut hinauswerfen; ein natürlicher Hinweis auf Hygieneverhalten. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Mit welchen Methoden wird der Hygienetest durchgeführt?

MethodeDurchführungVorteilNachteil
NadeltestVerdeckelte Zellen werden mit einer feinen Nadel angestochen und die Puppe darin abgetötetBillig, keine Ausrüstung nötigAngestochene Brut wird leichter gefunden; trennt Unterschiede zwischen Völkern weniger scharf
Gefrieren mit FlüssigstickstoffFlüssigstickstoff wird in ein auf die verdeckelte Brut gesetztes Rohr gegossenDie standardisierteste Methode, in der Forschung verwendetFlüssigstickstoff ist schwer zu beschaffen und zu transportieren, erfordert Sicherheitsvorkehrungen
Gefrieren im TiefkühlerEin Stück Wabe mit verdeckelter Brut wird ausgeschnitten, im Tiefkühler gelagert und wieder eingesetztKein Flüssigstickstoff nötigDie Wabe muss geschnitten werden; das Ausbessern der Ränder kann die Auszählung erschweren

Welche Methode Sie auch wählen: Verwenden Sie bei allen Völkern dieselbe Methode und dieselbe Zeitspanne. Ergebnisse verschiedener Methoden sind nicht miteinander vergleichbar.

Wie führt man den Nadeltest Schritt für Schritt durch?

  1. Geeignete Wabe wählen: Nehmen Sie eine Wabe mit dichter, gleichmäßiger, verdeckelter Arbeiterinnenbrut im Puppenstadium. Die Deckel sollten hell und flach, nicht dunkel sein.
  2. Fläche markieren: Wählen Sie ein Quadrat von 10 × 10 Zellen (100 Zellen) oder eine kleinere Fläche. Stecken Sie farbige Nadeln an die Ecken oder beschriften Sie den Oberträger; fotografieren Sie die Fläche.
  3. Brut abtöten: Stechen Sie mit einer feinen Insektennadel jede verdeckelte Zelle durch den Deckel bis zum Boden an. Zählen Sie leere oder offene Zellen nicht mit, sondern notieren Sie sie.
  4. Wabe zurückhängen: Hängen Sie die Wabe an dieselbe Stelle und in derselben Ausrichtung zurück.
  5. Nach 24 Stunden zählen: Zählen Sie die vollständig ausgeräumten Zellen. Geöffnete, aber noch gefüllte Zellen notieren Sie gesondert.
  6. Anteil berechnen: Teilen Sie die Zahl der ausgeräumten Zellen durch die Zahl der abgetöteten Zellen und multiplizieren Sie mit 100.
Für den Test geeignete große, dichte Fläche verdeckelter Arbeiterinnenbrut
Für den Test wird eine große Fläche verdeckelter Brut im Puppenstadium gewählt. Zellen, die schon zu Beginn leer sind, werden gezählt und von der Berechnung abgezogen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie führt man den Gefriertest durch?

Bei der Flüssigstickstoffmethode wird ein an beiden Enden offenes Metall- oder Kunststoffrohr leicht in die verdeckelte Brutfläche gedrückt, und die verdeckelten Zellen darin werden gezählt. Flüssigstickstoff wird in das Rohr gegossen, man wartet, bis die Brut gefroren ist, entfernt das Rohr und hängt die Wabe zurück in die Beute. Bei der Arbeit mit Flüssigstickstoff sind Schutzbrille und Handschuhe Pflicht; es wird ein spezielles Transportgefäß benötigt.

Bei der Tiefkühlmethode wird ein rechteckiges Stück aus der Brutwabe ausgeschnitten, über Nacht im Tiefkühler gelagert, dann wieder an seinen Platz im Rähmchen eingesetzt und ins Volk gegeben. Gezählt wird wie beim Nadeltest.

Wie interpretiert man das Ergebnis?

Beim Gefriertest gilt folgendes verbreitetes Kriterium: Ein Volk, das 95 % oder mehr der abgetöteten Brut in 48 Stunden ausräumt, gilt als hygienisch. Züchter mit strengerer Auslese verlangen denselben Anteil in 24 Stunden. Beim Nadeltest fallen die Anteile meist höher aus, weil die Brut leichter gefunden wird; hier ist es sinnvoller, die Völker untereinander zu vergleichen als einen festen Schwellenwert anzulegen.

Ausgeräumt in 24 Stunden (Nadeltest)Bewertung
95 % und mehrSehr gut; Kandidat für die Zucht
80–94 %Gut; zusammen mit anderen Merkmalen beurteilen
unter 80 %Schwach; eine Umweiselung kann erwogen werden

Die Grenzen in dieser Tabelle sind Richtwerte; verwenden Sie sie, um die Völker an Ihrem eigenen Stand in eine Rangfolge zu bringen.

Rechenbeispiel: Eine Fläche von 100 Zellen wurde markiert, 4 davon waren von Anfang an leer; es wurden also 96 Brutzellen abgetötet. Nach 24 Stunden sind 90 Zellen vollständig ausgeräumt, 3 Zellen geöffnet, aber nicht geleert. Die Ausräumrate beträgt 90 ÷ 96 × 100 ≈ 94 %. Geöffnete, aber nicht geleerte Zellen gehen nicht in diese Rechnung ein, sondern werden gesondert notiert; sie zeigen den Unterschied zwischen Entdeckeln und Ausräumen.

Worauf sollte man beim Test achten?

  • Mindestens zweimal testen: Lassen Sie zwischen zwei Tests eine Woche oder mehr verstreichen; bilden Sie den Mittelwert beider Ergebnisse.
  • In einer starken Phase testen: Testen Sie, wenn Nektartracht herrscht und die Völker stark sind; in einer Trachtlücke sinken die Ergebnisse.
  • Alle Völker an denselben Tagen testen: So wirken sich Wetter- und Trachtunterschiede auf alle gleich aus.
  • Eine neue Königin nicht sofort testen: Die Arbeiterinnen müssen Töchter der neuen Königin sein; testen Sie frühestens 6–8 Wochen nach Beginn der Eiablage.
  • Schwache Völker nicht zu Unrecht ausmerzen: Ein bienenarmes Volk räumt langsamer aus; das ist ein Problem der Stärke, nicht der Genetik.
Braune Varroamilben auf einer weißen Puppe in einer geöffneten Zelle
Auch Puppen, auf denen sich Milben vermehrt haben, sind ein Ziel hygienischer Bienen. Das Hygieneverhalten ersetzt jedoch nicht die Varroabekämpfung; die Milbenzählung muss weitergehen. Foto: Denis Anderson, CSIRO / Wikimedia Commons · CC BY 3.0
Hygieneverhalten verhindert Krankheiten nicht vollständig, es senkt das Risiko. Auch bei Völkern mit hoher Ausräumrate müssen regelmäßig Milben gezählt und die Brut kontrolliert werden.

Wie nutzt man das Testergebnis in der Zucht?

Völker, die in beiden Tests hoch abschneiden, werden zu Zuchtkandidaten, sofern auch andere Merkmale wie Sanftmut und Überwinterung auf annehmbarem Niveau liegen. Ziehen Sie aus diesen Völkern Königinnen nach und geben Sie ihnen Drohnenwaben; so verbessert sich auch der Drohnenpool der Region. Weiseln Sie Völker mit niedrigen Werten mit Königinnen aus der ausgewählten Linie um. Wiederholen Sie denselben Test in der neuen Generation, um den Fortschritt zu verfolgen.

Häufige Fragen

Zu welcher Jahreszeit führt man den Hygienetest durch?

Wenn die Völker stark sind, viel verdeckelte Brut haben und Nektartracht herrscht; in gemäßigten Regionen meist im Spätfrühling und Frühsommer.

Nadeltest oder Gefriertest?

Für einen kleinen Bienenstand genügt der Nadeltest. Der Gefriertest trennt besser und wird für Vergleiche zwischen Programmen bevorzugt.

Schadet der Test dem Volk?

Nein. Einige Dutzend bis etwa hundert abgetötete Puppen sind für ein starkes Volk ein unbedeutender Verlust.

Braucht ein hygienisches Volk keine Varroabehandlung?

Es kann eine brauchen. Hygieneverhalten verlangsamt den Milbenzuwachs, reicht in den meisten Völkern aber allein nicht aus; entscheiden Sie nach der Milbenzählung.

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