Langsames Bienenparalyse-Virus

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⚠️ Wichtiger Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen nur der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Für eine sichere Diagnose wenden Sie sich unbedingt an einen Tierarzt oder lassen Sie Proben in einem zugelassenen Labor untersuchen. Verwenden Sie nur zugelassene Arzneimittel gemäß Packungsbeilage und gesetzlichen Wartezeiten. Bei Verdacht auf eine anzeigepflichtige Seuche informieren Sie das zuständige Veterinäramt.

Das Langsame Bienenparalyse-Virus (SBPV) verursacht bei erwachsenen Bienen kurz vor dem Tod eine Lähmung der Vorderbeine und wird am Bienenstand nur selten bemerkt. Für sich allein verläuft es meist stumm; in Völkern mit hoher Varroabelastung kann es zu Völkerverlusten beitragen. Ein Heilmittel gibt es nicht; der Weg zum Schutz ist, den Varroabefall niedrig zu halten.

Was ist SBPV?

SBPV wurde erstmals in den 1970er-Jahren in England bei Laborarbeiten beschrieben. Es gehört zur selben Virusfamilie wie das Flügeldeformationsvirus und das Sackbrutvirus. Das „langsam“ im Namen rührt daher, dass es die Biene bei experimenteller Infektion später tötet als das Akute Bienenparalyse-Virus; es bedeutet nicht, dass die Krankheit im Volk langsam oder mild verläuft.

Obwohl das Virus in vielen Teilen der Welt nachgewiesen wurde, kommt es in den meisten Ländern selten vor. Am häufigsten wurde es im Zusammenhang mit der Varroa in Studien aus England beschrieben. Auch bei Hummeln wurde es nachgewiesen.

Wie wird es übertragen?

  • Über die Varroa: Der wichtigste Weg. Die Milbe überträgt das Virus direkt in die Hämolymphe der Biene und hebt die Viruslast auf ein krankmachendes Niveau.
  • Innerhalb des Volkes: Es zirkuliert auf niedrigem Niveau über Futteraustausch und engen Kontakt; in dieser Form verursacht es meist keine Symptome.
  • Zwischen Völkern: Es kann durch Räuberei, Verfliegen sowie das Umhängen von Waben und Bienen verschleppt werden.
Eine Biene mit Varroamilbe auf dem Rücken zwischen Bienen auf der Wabe
Arbeiterin mit einer Varroamilbe auf dem Rücken (links Mitte). Der eigentliche Faktor, der SBPV auf ein krankmachendes Niveau bringt, ist die Milbe. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Nahaufnahme zahlreicher rotbrauner Varroamilben auf einer Windel
Auf die Windel gefallene Varroamilben. Die regelmäßige Zählung der Milben ist das wirksamste Mittel, das der Imker gegen dieses Virus in der Hand hat. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Woran erkennt man es?

Am Bienenstand gibt es kein für SBPV spezifisches, sicher erkennbares Bild. Nach Laborbeobachtungen entwickelt sich bei kranken Bienen ein bis zwei Tage vor dem Tod eine Lähmung der ersten beiden Beinpaare (Vorder- und Mittelbeine); die Biene kann nicht laufen, krabbelt und stirbt.

Was im Volk zu sehen sein kann, überschneidet sich mit den anderen Paralyseviren:

  • Flugunfähige Bienen, die ihre Beine nicht gebrauchen können und krabbeln
  • Zunehmende Zahl toter Bienen vor dem Flugloch und auf dem Boden
  • Hohe Varroabelastung und ihre Spuren: durchlöcherte Zelldeckel, lückenhaftes Brutnest, Bienen mit deformierten Flügeln
  • Unerklärliche Schwächung des Volkes

Keines dieser Symptome ist spezifisch für SBPV; die Diagnose am Volk lautet höchstens „Verdacht auf ein Paralysevirus“.

Abgrenzung zu ähnlichen Erscheinungen

BefundUnterscheidungsmerkmal
Langsame Bienenparalyse (SBPV)Lähmung der Vorderbeine vor dem Tod; im Feld nicht von anderen Paralyseviren zu unterscheiden
Akute Paralyseviren (ABPV, KBV, IAPV)Zittern und rasches Sterben; Behaarung und Flügel normal; hoher Varroabefall
Chronische BienenparalyseHaarlose, glänzend schwarze Bienen; Zittern, aufgeblähter Hinterleib
FlügeldeformationsvirusJungbienen mit verkrüppelten, unterentwickelten Flügeln
VergiftungPlötzliches Massensterben in mehreren Völkern gleichzeitig; Krämpfe, Rüssel ausgestreckt
Junge Biene mit verkrüppelten Flügeln auf verdeckelter Brut
Das Bild bei dieser Biene mit verkrüppelten Flügeln ist das Flügeldeformationsvirus. Im selben Volk kann auch SBPV vorkommen; hinter beiden steht in der Regel eine hohe Varroabelastung. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie wird es am Volk bestätigt?

  • Bei einem Volk mit Lähmungserscheinungen zuerst eine Varroazählung durchführen: Puderzucker- oder Alkoholwaschmethode oder Gemülldiagnose-Windel.
  • Im Brutnest nach Varroaspuren suchen; verdeckelte Drohnenbrut öffnen und die Puppen ansehen.
  • Die Virusart lässt sich nur im Labor per PCR bestimmen. Bei schweren oder unerklärlichen Verlusten frisch tote und lebende kranke Bienen in einem verschlossenen Behälter einsenden.

Was ist zu tun?

Gegen SBPV gibt es kein Mittel. Die Maßnahmen sind dieselben wie bei den anderen varroabedingten Viren:

  1. Die Varroa reduzieren. Ein zugelassenes Präparat (aus der Gruppe Oxalsäure, Ameisensäure, Thymol oder Amitraz) gemäß Kennzeichnung und ohne Überschneidung mit der Honigernte einsetzen; Präparat und Dosierung der Packungsbeilage entnehmen oder beim Tierarzt erfragen.
  2. Das Volk unterstützen. Futter- und Pollenmangel ausgleichen.
  3. Sehr schwache Völker vereinigen; zuvor den Varroabefall reduzieren.
  4. Die Ausbreitung begrenzen. Keine Waben und Bienen aus dem kranken Volk umhängen, Räuberei verhindern.
  5. Bei Bedarf die Königin erneuern.
Kranke Bienen einzeln auszusondern oder zu „isolieren“ ist weder praktikabel noch wirksam. Wirksam ist die Kontrolle der Milbe, die das Virus überträgt, und der Übertragung zwischen den Völkern.

Vorbeugung

  • Den Varroabefall vom Frühjahr bis zum Herbst regelmäßig messen; vor allem niedrig halten, bevor die Winterbienen heranwachsen.
  • Keine Völker und Königinnen aus unbekannter Herkunft kaufen.
  • Die Ausrüstung sauber halten, alte Waben regelmäßig erneuern.
  • Die Völker stark und gut versorgt halten.
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