Russische Linien

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Mit der Russischen Biene ist in der Imkerei meist die Russische (Primorsky-)Linie gemeint, die aus der Region Primorje im Russischen Fernen Osten stammt und in den USA auf Varroaresistenz ausgelesen wurde. Diese Biene ist keine eigene Unterart, sondern eine Linie, die aus einer lange mit der Varroa zusammenlebenden Population entwickelt wurde. Sie ist bekannt für eine langsamere Milbenvermehrung, sparsame Überwinterung und eine eng an die Tracht gekoppelte Bruterzeugung; dafür neigt sie zum Schwärmen.

Ist die Russische Biene eine Rasse?

Der Name „Russische Biene“ kann verwirren, denn in Russland gibt es nicht die eine Bienenrasse. In diesem riesigen Land leben sehr unterschiedliche Bienen:

  • Mittelrussische Biene: Populationen der Dunklen Europäischen Biene (A. m. mellifera) im russischen Waldgürtel; sehr gut an kalte, lange Winter angepasst. Die Bursjan-Wildbiene im Südural ist ein geschütztes Beispiel dafür.
  • Bienen kaukasischer Herkunft: Die grauen Gebirgsbienen des Nordkaukasus (A. m. caucasia); in sowjetischer Zeit wurden sie weiträumig verbreitet.
  • Bienen des Fernen Ostens (Primorje): Populationen, die im 19. Jahrhundert mit Siedlern in die Region kamen und aus einer Mischung europäischer Bienen unterschiedlicher Herkunft entstanden.

Wenn in der internationalen Imkerei von der „Russian bee“ (Russischen Biene) die Rede ist, ist meist die aus dieser letzten Gruppe ausgelesene Linie gemeint. Diese Seite beschreibt hauptsächlich diese Linie.

Honigbiene sammelt Pollen an einer gelben Krokusblüte
In der russischen Region Krasnodar fotografierte Honigbiene an einer Krokusblüte im zeitigen Frühjahr. Linie und Unterart der abgebildeten Biene sind nicht bestätigt. Foto: Юрий Данилевский (Yuriy Danilevsky) / Wikimedia Commons · CC BY 4.0
Honigbiene sucht an der Unterseite einer Weißkleeblüte nach Nektar
In der sibirischen Region Irkutsk fotografierte Honigbiene. In den Gebieten Russlands mit langen, harten Wintern ist sparsame Überwinterung die wichtigste Eigenschaft einer Biene. Foto: Roman A. Lagazyuk (Роман А. Лагазюк) / Wikimedia Commons · CC BY 4.0

Wie entstand die Russische (Primorsky-)Biene?

Die Region Primorje an der russischen Pazifikküste überschneidet sich mit dem Verbreitungsgebiet der Östlichen Honigbiene (Apis cerana), des ursprünglichen Wirts der Varroamilbe. In dieser Region, wo die Milbe vermutlich als eine der ersten auf die Westliche Honigbiene übergesprungen ist, leben Bienen europäischer Herkunft schon viel länger mit der Varroa zusammen als die Bienen in Europa.

Das Bienenzuchtlabor des US-Landwirtschaftsministeriums in Baton Rouge holte 1997 Königinnen aus Primorje, in der Annahme, dass diese lange gemeinsame Geschichte durch natürliche Selektion Resistenz hervorgebracht haben könnte. Nach Quarantäne und Versuchen auf einer Insel wurde die Linie auf Varroaresistenz ausgelesen und später an Königinnenzüchter in den USA abgegeben. Die Reinheit der Linie wird heute von Züchtervereinigungen erhalten.

Die Varroaresistenz der Russischen Biene

In kontrollierten Feldversuchen zeigte sich, dass die Varroazahl in Primorsky-Völkern deutlich langsamer anstieg als in Vergleichsvölkern. Diese Resistenz beruht nicht auf einem einzelnen Merkmal, sondern auf mehreren zusammenwirkenden Mechanismen:

  • Putzverhalten (Grooming): Die Bienen entfernen Milben von ihrem Körper und beschädigen sie.
  • Hygieneverhalten: Sie öffnen von Milben befallene Brutzellen und räumen sie aus.
  • Unterdrückte Milbenvermehrung: Der Anteil der Milben, die sich in verdeckelten Zellen vermehren können, ist gering.
  • Trachtabhängige Bruterzeugung: Wenn die Tracht ausbleibt, nimmt die Brut ab – und damit auch die Brutmenge, in der sich die Milbe vermehren kann.

Außerdem wird berichtet, dass die Russische Biene auch gegen die Tracheenmilbe widerstandsfähig ist.

Bedenken Sie: Die Russische Biene ist varroaresistent, nicht immun. Behandlungen ohne Milbenzählung ganz einzustellen, kann zum Völkerverlust führen; liegt die Zählung über der Schadschwelle, greifen Sie mit einem zugelassenen Mittel ein.
Varroa auf mit der Entdeckelungsgabel gezogenen Drohnenpuppen
Varroa auf Puppen, die mit der Entdeckelungsgabel aus verdeckelter Drohnenbrut gezogen wurden. Gleich welche Linie: Die Kontrolle der Drohnenbrut und regelmäßige Milbenzählungen sind der Weg, die Milbenbelastung eines Volkes zu überwachen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Weitere Eigenschaften der Russischen Biene

  • Sparsame Überwinterung: Sie geht mit kleiner Traube in den Winter und verbraucht wenig Vorrat; an kalte Regionen angepasst.
  • Eng an die Tracht gekoppelte Entwicklung: Ohne Pollen- und Nektareintrag erhöht sie die Bruterzeugung kaum; setzt die Tracht ein, wächst sie schnell.
  • Ständige Weiselzellen: Die Völker neigen dazu, die ganze Saison über Weiselzellen zu halten, meist im oberen Teil der Waben. Diese Zellen bedeuten nicht immer Schwarmvorbereitung; beginnt aber das Schwärmen, ist das Volk vorbereitet.
  • Schwarmneigung: Höher als bei italienischen Linien; bei reichlicher Tracht kann sie rasch in Schwarmstimmung kommen.
  • Temperament: Je nach Linie verschieden; es wird berichtet, dass sie etwas stechfreudiger sein kann als italienische Linien.
Verdeckelte Schwarmzelle am Wabenrand
Eine verdeckelte Weiselzelle auf der Wabe. Da Völker der Russischen Biene die ganze Saison über Weiselzellen halten können, bedeutet eine Zelle nicht immer Schwarm; die Kontrollabstände sollten aber verkürzt werden. Foto: blumenbiene / Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Russische Biene, Italienerin und Carnica im Vergleich

MerkmalRussische (Primorsky-)LinieItalienische BieneCarnica
HerkunftZuchtlinie, Russischer Ferner OstenUnterart, ItalienUnterart, Alpen und Balkan
VarroazuwachsLangsamerSchnellMittel
WinterverbrauchGeringHochGering
FrühjahrsentwicklungTrachtabhängig, dann schnellFrüh und stetigSchnell
SchwarmneigungHochMittelHoch

Hinweise zur Arbeit mit der Russischen Biene

  1. Weiselzellen richtig deuten: Einzelne Zellen im oberen Bereich können normal sein; viele Zellen am unteren Wabenrand und Platzmangel bedeuten Schwarmvorbereitung.
  2. In der Schwarmzeit häufig kontrollieren: Alle sieben Tage nachsehen, erweitern, bevor Platzmangel entsteht, und bei Bedarf Ableger bilden.
  3. Im Frühjahr auf die Tracht warten: Das Volk wächst nicht vor dem Einsetzen der Tracht; wenn Sie eine frühe Tracht nutzen wollen, unterstützen Sie es durch Füttern.
  4. Milbenzählungen fortsetzen: Die Resistenz schwankt je nach Linie und Paarung; entscheiden Sie nach dem Zählergebnis.
  5. Auf kontrollierte Paarung achten: Bei freier Paarung paaren sich die Töchter mit örtlichen Drohnen, und die Resistenz kann mit der Zeit nachlassen.

Wird die Russische Biene in der Türkei gehalten?

Die Russische (Primorsky-)Linie ist in der Türkei nicht verbreitet, und die Einfuhr lebender Bienen oder Königinnen ist genehmigungspflichtig. In Artvin und Ardahan, dem Genzentrum der Kaukasischen Biene, ist das Einbringen von Bienen aus anderen Gebieten vollständig verboten. Der realistischste Weg zu Varroaresistenz in der Türkei ist, innerhalb heimischer Anatolischer und Kaukasischer Völker jene mit geringem Milbenzuwachs und starkem Hygieneverhalten auszulesen und daraus Königinnen zu ziehen. Die Geschichte der Russischen Biene ist insofern wertvoll, als sie zeigt, dass natürliche Selektion in Populationen, die lange mit der Milbe gelebt haben, die Resistenz stärken kann.

Häufige Fragen

Kommt die Russische Biene ohne Varroabehandlung aus?

Der Milbenzuwachs ist langsamer, aber dass sie ganz ohne Behandlung überlebt, ist nicht garantiert. Es sollten regelmäßig Milben gezählt und bei Überschreiten der Schadschwelle eingegriffen werden.

Ist die Russische Biene winterhart?

Ja, mit ihrer kleinen Wintertraube und dem geringen Verbrauch ist sie an kalte Winter angepasst. Trotzdem sollte sie mit ausreichend Vorrat in den Winter gehen.

Warum hat die Russische Biene ständig Weiselzellen?

Das ist eine erbliche Eigenschaft dieser Linie; die Völker neigen dazu, die ganze Saison über Reservezellen zu halten. Anzahl und Lage der Zellen helfen, eine Schwarmvorbereitung zu erkennen.

Sind Russische und Kaukasische Biene dasselbe?

Nein. Die Kaukasische Biene ist eine eigene Unterart; die Russische (Primorsky-)Biene ist dagegen eine Linie, die aus einer Population gemischter Herkunft im Russischen Fernen Osten ausgelesen wurde.

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