Stockmeissel und Handwerkzeug

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Der Stockmeißel (Beutenmeißel, Beutenhebel, Imkerspachtel) ist ein flaches Imkerwerkzeug aus Stahl, mit dem man durch Propolis verklebte Zargen und Rähmchen voneinander löst und Wachs sowie Propolis abkratzt. Wie schnell eine Durchsicht geht und wie viele Waben brechen und Bienen zerdrückt werden, hängt stark davon ab, ob dieses Werkzeug richtig gewählt und richtig benutzt wird. Da es von Beute zu Beute wandert, ist seine Reinigung auch ein Teil der Volksgesundheit.

Wozu dient der Stockmeißel?

Bienen verschließen kleine Spalten in der Beute mit Propolis und verkleben die Ohren der Rähmchen und die Fugen zwischen den Zargen. Im Laufe der Saison werden Deckel, Absperrgitter, Zargen und Rähmchen nahezu zu einem Stück. Sie mit der Hand auseinanderzureißen, bricht Rähmchen, zerreißt Waben und zerdrückt Bienen.

Der Stockmeißel wirkt wie ein kleiner Hebel: Er setzt die Kraft kontrolliert ein und löst die verklebte Fläche, ohne sie zu erschüttern. Eine zerdrückte Biene ist nicht nur ein Verlust; das von ihr freigesetzte Alarmpheromon versetzt das Volk in Verteidigungsbereitschaft und erschwert den Rest der Durchsicht. Eine ruhige Durchsicht beginnt mit dem richtigen Werkzeug.

Seine Hauptaufgaben sind:

  • Zargen trennen: Die Propolisverbindung zwischen Deckel, Innendeckel und Zargen aufbrechen.
  • Rähmchen lockern und heben: Die Rähmchenohren seitlich lösen und das Rähmchen nach oben ziehen.
  • Abkratzen: Wachs, Verbindungsbau und Propolis von Oberträgern, Bodenbrett und Zargenrändern entfernen.
  • Kleine Reparaturen: Nägel, Reißzwecken oder Draht herausziehen, Abstandhalter der Rähmchen versetzen.
Imker hebt mit dem Stockmeißel in einer Hand eine Brutwabe
Bei der Durchsicht legt man den Stockmeißel nie aus der Hand: Während eine Hand das Rähmchen hält, ist der Meißel in der anderen bereit, das nächste Rähmchen zu lockern. Foto: National Agricultural Technology Institute / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Welche Arten von Stockmeißeln gibt es?

Gerader (Standard-)Stockmeißel

Der verbreitetste Typ. Ein flacher Stahlstab, dessen eines Ende scharf und gerade zum Kratzen ist, während das andere etwa im rechten Winkel abgebogen ist. Im Schaft befindet sich oft ein Loch zum Nägelziehen. Er eignet sich gut zum Trennen von Zargen und zum Abkratzen großer Flächen; dank seiner einfachen Bauweise hält er jahrelang.

Stockmeißel mit J-Haken

An einem Ende sitzt ein J-förmiger Haken. Der Haken stützt sich auf den Oberträger des Nachbarrähmchens und greift unter das Ohr des zu hebenden Rähmchens; drückt man den Griff nach unten, hebt sich das Rähmchen sauber an. In stark verkitteten Beuten erleichtert er das Ziehen festsitzender Rähmchen gegenüber dem geraden Typ deutlich.

Gerader Stockmeißel mit orangefarbenem Griff
Gerader Stockmeißel: ein Ende flach und scharf zum Kratzen, das andere abgewinkelt; ein farbiger Griff lässt das Werkzeug schnell wiederfinden, wenn es herunterfällt. Foto: Wikimedia Commons / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Langer Stockmeißel mit Hakenende
Stockmeißel mit einem Hakenende und einem flachen Klingenende; der Haken dient zum Heben der Rähmchen, das gerade Ende zum Kratzen. Foto: Psychedilly Circus / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Kombinierte und spezielle Typen

Manche Modelle vereinen gerades Ende, J-Haken und Rähmchenheber in einem Körper. Außerdem gibt es langstielige Schaber für das Bodenbrett und kleine Meißel mit schmaler Spitze für enge Stellen. Für Imker, die mit einem einzigen Werkzeug arbeiten wollen, ist der kombinierte Typ praktisch; bei viel Kratzarbeit lässt sich der gerade Typ bequemer handhaben.

Wabenzange

Sie zählt nicht zu den Stockmeißeln, ergänzt ihn aber: Sie fasst das Rähmchen an beiden Seiten und hebt es gerade nach oben. Bei schweren Honigwaben und für Imker mit begrenzter Handkraft ist sie nützlich. Die Zange lockert das Rähmchen nicht; zuerst müssen die Ohren mit dem Stockmeißel gelöst werden. Einzelheiten finden Sie auf der Seite „Rähmchenhalter“.

Worauf achtet man bei der Wahl eines Stockmeißels?

EigenschaftWarum wichtig?Empfehlung
MaterialRost, Haltbarkeit, DesinfektionEdelstahl ist leicht zu reinigen; gehärteter Kohlenstoffstahl bleibt gut scharf, muss aber trocken gehalten werden.
StärkeNachgeben und BruchDick genug, um sich beim Hebeln nicht zu verbiegen, mit einer Spitze, die dünn genug ist, um zwischen die Rähmchen zu passen.
LängeHebelkraft und MitnehmenDie meisten Stockmeißel sind 20–30 cm lang; ein langes Werkzeug bringt mehr Kraft, lässt sich aber schlechter in der Tasche tragen.
Form der SpitzeFür welche Arbeit geeignetBei stark verkitteten Beuten J-Haken; bei überwiegender Kratzarbeit ein breites gerades Ende.
FarbeVerlustgefahrEin leuchtend farbiger Griff (gelb, orange, rot) ist im Gras leicht zu finden.

Meißel aus sehr dünnem Blech sind billig, verbiegen sich aber unter Belastung. Ein verbogenes Werkzeug taugt nicht mehr als Hebel und kann abrutschen und die Wabe beschädigen.

Wie benutzt man den Stockmeißel?

  1. Vorbereitung: Geben Sie etwas Rauch ins Flugloch und warten Sie einige Sekunden. Halten Sie den Meißel in der behandschuhten Hand, mit den Fingern umfasst; legen Sie ihn während der Durchsicht nicht ab.
  2. Deckel und Zargen trennen: Setzen Sie den Meißel nicht an der Ecke, sondern nahe der Mitte der Kante in die Fuge. Leicht drücken und anheben, dann an der gegenüberliegenden Kante wiederholen. Hebeln an der Ecke spaltet das Holz.
  3. Das Randrähmchen ziehen: Lösen Sie zuerst das Rähmchen, das der Wand am nächsten ist und meist Honig enthält oder leer ist. Stecken Sie den Meißel zwischen zwei Rähmchen und drehen Sie ihn leicht; lösen Sie beide Ohren.
  4. Gerade nach oben ziehen: Ziehen Sie das Rähmchen senkrecht heraus, ohne es zu kippen; schräges Ziehen streift an der Nachbarwabe und zerdrückt Bienen (darunter kann auch die Königin sein).
  5. Kratzen zum Schluss: Kratzen Sie Verbindungsbau und Propolis auf den Oberträgern erst am Ende der Durchsicht ab, unmittelbar bevor die Beute geschlossen wird. Schütten Sie das Abgekratzte nicht auf den Boden, sondern sammeln Sie es in einem Gefäß mit Deckel. Heruntergefallenes Wachs und Honig ziehen Räuber und Schädlinge an.
Mit einem Stockmeißel mit J-Haken wird ein Rähmchen mit Bienen gehoben
Der Haken des J-Meißels stützt sich auf das Nachbarrähmchen; drückt man den Griff nach unten, hebt sich das festsitzende Rähmchen, ohne zu rucken. Foto: rickpilot_2000 / Wikimedia Commons · CC BY 2.0
Führen Sie den Meißel niemals mit schnellen, harten Bewegungen über Oberträger, auf denen viele Bienen sitzen. Langsame, kurze Bewegungen verringern sowohl das Zerdrücken von Bienen als auch Stiche.
Behandschuhte Hand kratzt mit dem Stockmeißel Propolis vom Zargenrand
Propolis, das sich an den Innenkanten der Zarge ansammelt, wird mit dem geraden Ende des Meißels abgekratzt; das Abgekratzte kann gesammelt und als Wachs oder Propolis verwertet werden. Foto: fishermansdaughter on flick / Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Wie reinigt und desinfiziert man den Stockmeißel?

Da der Stockmeißel in jede Beute kommt, ist er einer der wichtigen Wege, auf denen ansteckende Krankheiten von Beute zu Beute übertragen werden. Honig-, Wachs- und Propolisreste auf seiner Oberfläche können Keime wie die Erreger der Faulbrut tragen. Deshalb sollte die Reinigung zur Gewohnheit werden.

  • Mechanische Reinigung: Kratzen Sie zuerst anhaftendes Wachs und Propolis ab. Eine Fläche unter einer Schmutzschicht kann keine Methode desinfizieren.
  • Waschen: Heißes Wasser mit Waschsoda weicht Wachs und Propolis auf und reinigt das Werkzeug. Ein Eimer mit Sodalösung und eine Bürste sind zwischen den Bienenständen eine praktische Methode.
  • Flamme: Das gereinigte Werkzeug wird so lange in die Flamme eines Gasbrenners gehalten, bis die ganze Oberfläche gründlich erhitzt ist. Sporen der Amerikanischen Faulbrut sind sehr widerstandsfähig; Abwischen mit Alkohol oder kurzes Halten ins Feuer bietet keine Sicherheit gegen sie.
  • Ersatzwerkzeug: Für jeden Bienenstand oder jede Völkergruppe einen eigenen Meißel zu verwenden, ist einfacher und sicherer als die Reinigung vor Ort.

Besteht in einer Beute Krankheitsverdacht (etwa eingesunkene, löchrige oder übel riechende Brutzelldeckel), verwenden Sie das Werkzeug und die Handschuhe, mit denen Sie in dieser Beute gearbeitet haben, nicht in einer anderen. Amerikanische und Europäische Faulbrut sind anzeigepflichtige Krankheiten; melden Sie den Verdacht dem zuständigen Veterinäramt, statt eigenmächtig zu behandeln. Einzelheiten zu Desinfektionsmethoden finden Sie auf der Seite „Gasbrenner und Desinfektion“.

Pflege und praktische Tipps

  • Trocken lagern: Kohlenstoffstahl rostet in Feuchtigkeit schnell; trocknen Sie ihn nach Gebrauch ab und lagern Sie ihn trocken. Tragen Sie auf ein Werkzeug, das in die Beute kommt, kein riechendes Öl und kein Rostschutzspray auf.
  • Die Spitze nachschärfen: Das Kratzende wird mit der Zeit stumpf. Schärfen Sie es mit einer Feile leicht nach, aber schleifen Sie es nicht messerdünn; eine zu dünne Spitze spaltet das Holz und bricht selbst ab.
  • Sichtbar machen: Ein stahlfarbenes Werkzeug verschwindet zwischen Gras und Laub. Den Griff zu lackieren oder farbiges Klebeband darum zu wickeln, verkürzt die Suche.
  • Einen Ersatz dabeihaben: Ein mitten in der Durchsicht heruntergefallener oder verlorener Meißel lässt die Arbeit liegen bleiben; in der Imkertasche sollte ein zweites Werkzeug sein.

Häufige Fehler beim Umgang mit dem Stockmeißel

  • Ihn wie einen Schraubenzieher oder Meißel benutzen: Hammerschläge und Verdrehen brechen die Spitze ab und lassen den Stahl reißen.
  • An der Ecke hebeln: Zargenecken und Rähmchenohren splittern, die Lebensdauer der Beute sinkt.
  • An nur einer Stelle anheben: Der Versuch, eine Zarge auf einmal abzuheben, reißt Waben ab; lockern Sie sie nach und nach an zwei, drei Stellen.
  • Zwischen den Beuten nicht reinigen: Das ist der am leichtesten vermeidbare Weg, Krankheiten zu übertragen.
  • Das Abgekratzte auf den Boden werfen: Das lockt Räuber, Wespen und Ameisen an.

Häufige Fragen

Soll ich einen Stockmeißel mit J-Haken oder einen geraden kaufen?

Für Einsteiger erleichtert ein kombiniertes Modell oder eines mit J-Haken die Durchsicht; bei viel Kratzarbeit ist ein gerader Meißel als zweites Werkzeug ideal.

Wie reinige ich den Stockmeißel zwischen den Völkern?

Kratzen Sie die Rückstände ab und bürsten Sie ihn mit Sodalösung; bei Krankheitsverdacht erhitzen Sie das gereinigte Werkzeug gründlich mit der Flamme des Gasbrenners oder verwenden Sie für diese Beute ein eigenes Werkzeug.

Muss der Stockmeißel aus Edelstahl sein?

Nein; auch Kohlenstoffstahl leistet gute Dienste. Ein Edelstahlmodell braucht weniger Pflege, da es in Feuchtigkeit nicht leidet und leicht zu reinigen ist.

Sind Stockmeißel und Wabenzange dasselbe?

Nein. Der Stockmeißel trennt verklebte Teile und kratzt; die Zange fasst nur ein bereits gelockertes Rähmchen und hebt es heraus.

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