Honigräume

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Ein Honigraum in voller Höhe (Vollzarge als Honigraum, ganze Zarge) ist eine Beutenzarge, die genauso hoch ist wie der Brutraum, dasselbe Rähmchenmaß aufnimmt und auf den Brutraum aufgesetzt wird, um den Bienen Platz zum Einlagern von Honig zu geben. Ihr größter Vorteil ist, dass die Rähmchen mit dem Brutraum austauschbar sind, ihr größter Nachteil das Gewicht im gefüllten Zustand. Wann und wie sie gegeben wird, beeinflusst Menge und Qualität der Ernte unmittelbar.

Was ist ein Honigraum in voller Höhe?

Der Honigraum (Honigzarge) ist der obere Teil der Beute, in dem die Bienen überschüssigen Honig einlagern. Bienen legen Honig von Natur aus über und rund um das Brutnest an; der Honigraum nutzt diesen Instinkt. Das Wort „voll“ bezieht sich auf die Höhe der Zarge: Ein Honigraum in voller Höhe ist genauso tief wie die Brutraumzarge.

Bei den in der Türkei verbreiteten Langstroth-Beuten ist der volle Honigraum mit dem Brutraum identisch; dieselbe Zarge kann oben als Honigraum und unten als Brutraum dienen. Deshalb sprechen manche Imker statt von „Honigraum“ und „Brutraum“ einfach nur von der „Zarge“. Im Dadant-System sind die Honigräume dagegen meist deutlich flacher als der Brutraum; dort ist der Begriff „volle Zarge“ weniger gebräuchlich.

Zwei Langstroth-Rähmchen in unterschiedlicher Höhe
Zwei Rähmchenmaße des Langstroth-Systems nebeneinander: das große ist das Rähmchen der vollen Zarge (Brutraum und voller Honigraum), das kleine das der Halb- bzw. Mittelzarge. Foto: Robert Engelhardt. / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Welche Vor- und Nachteile hat ein Honigraum in voller Höhe?

Vorteile

  • Einheitliches Rähmchenmaß: Brutraum und Honigraum verwenden dasselbe Rähmchen; die Waben lassen sich frei tauschen. Das erleichtert das Bilden von Ablegern, das Zuhängen von Honigwaben bei schwachen Völkern und das Schaffen von Platz im Brutraum erheblich.
  • Weniger Einzelteile: Eine Zargengröße, ein Rähmchenmaß, ein Mittelwandformat; Lagerbestand und Werkzeug werden einfacher.
  • Wintervorrat: Im Herbst kann ein Teil des letzten Honigraums als Winterfutter im Volk bleiben und im Frühjahr wie ein Brutraum genutzt werden.
  • Mehr Honig pro Wabe: Bei gleicher Erntemenge müssen weniger Rähmchen entdeckelt und geschleudert werden.

Nachteile

  • Gewicht: Eine mit Honig gefüllte volle Zarge kann leicht über 30 Kilogramm wiegen. Allein ist sie schwer zu heben; Rückenverletzungen sind in der Imkerei häufig.
  • Füllzeit: In Gegenden mit schwacher Tracht füllt sich eine große Zarge langsamer und wird später verdeckelt.
  • Brutrisiko: Da sie dasselbe Maß wie der Brutraum hat, kann die Königin in einer Beute ohne Absperrgitter leichter in den Honigraum aufsteigen.
Übereinander gestapelte Beutenzargen
Übereinander gestapelte Zargen; volle Zargen können zugleich als Brutraum dienen. Foto: Maja Dumat from Deutschland (Germany) / Wikimedia Commons · CC BY 2.0
Bienenbeute mit mehreren Zargen
Eine Beute, auf die während der Tracht mehrere Honigräume aufgesetzt wurden. Foto: Maja Dumat from Deutschland (Germany) / Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Wann setzt man den Honigraum auf?

Den Honigraum zum richtigen Zeitpunkt zu geben, ist eine der entscheidendsten Entscheidungen in der Imkerei. Ein zu früh gegebener Honigraum kühlt das Volk aus, ein zu spät gegebener führt zu Schwärmen und entgangenem Honig.

  1. Volksstärke: Der Brutraum sollte großteils mit Bienen besetzt sein (bei einer 10-Waben-Beute etwa 7–8 Waben).
  2. Frisches weißes Wachs: Neues, weißes Wachs an den Oberträgern und Rähmchenkanten zeigt, dass die Bienen bauwillig sind und Nektar eingetragen wird.
  3. Nektartracht: Die Haupttracht der Region sollte begonnen haben oder kurz bevorstehen.
  4. Wetter: Die Nachttemperaturen sollten nicht zu niedrig sein; in kalten Phasen fällt es dem Volk schwer, eine große leere Zarge zu wärmen.

Nach dem Aufsetzen wird bei jeder Durchsicht der Füllstand kontrolliert. Eine gängige Regel: Der nächste Honigraum wird gegeben, wenn der aktuelle zu etwa zwei Dritteln bis drei Vierteln gefüllt ist; die Bienen sollten immer etwas freien Platz haben.

Aufsetzen eines Honigraums im Frühjahr
Auf den Brutraum wird ein neuer Honigraum gesetzt; der Smoker daneben gehört zum ruhigen Arbeiten dazu. Foto: Maja Dumat from Deutschland (Germany) / Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Honigraum oben oder unten aufsetzen?

Es gibt zwei verbreitete Vorgehensweisen:

  • Obenauf setzen: Die neue Zarge kommt ganz nach oben. Das ist einfach, volle Zargen müssen nicht angehoben werden. Die meisten Imker machen es so.
  • Untersetzen: Die neue leere Zarge wird direkt über den Brutraum und unter die volle Zarge gesetzt. Manche Imker meinen, dass die Bienen dadurch fleißiger arbeiten; es erfordert jedoch das Anheben voller, schwerer Zargen, und über die Wirkung herrscht keine Einigkeit.

Welche Methode Sie auch wählen: Ausgebaute Waben im ersten Honigraum sorgen dafür, dass die Bienen die Zarge schnell annehmen. Statt bei schwacher Tracht eine Zarge nur mit Mittelwänden zu geben, sollten Sie ausgebaute Waben bevorzugen und die Mittelwände dazwischen verteilen.

Tipp: Wenn der Honigraum mit Mittelwänden bestückt wird, hängen Sie ein oder zwei ausgebaute Waben genau in die Mitte. Die Bienen beginnen wie auf einer „Leiter“ an diesen Waben und breiten sich von dort auf den Rest der Zarge aus.

Wie erntet man einen Honigraum in voller Höhe?

  1. Reife: Der Großteil der Waben (meist mindestens drei Viertel) sollte verdeckelt sein. Honig in unverdeckelten Zellen kann zu feucht sein; die allgemeine Wassergehaltsgrenze für Honig liegt bei 20 %.
  2. Bienenfrei machen: Ein oder zwei Tage vor der Ernte kann eine Bienenflucht unter den Honigraum gelegt werden; die Bienen wandern nach unten und können nicht zurück. Alternativ werden die Waben einzeln abgestoßen und abgefegt oder mit einem Gebläse abgeblasen.
  3. Brutkontrolle: In Beuten ohne Absperrgitter wird jede Wabe geprüft; Waben mit Brut werden nicht geschleudert, sondern in den Brutraum zurückgehängt.
  4. Transport: Volle Zargen sind schwer; beugen Sie beim Heben die Knie, arbeiten Sie notfalls zu zweit oder mit einer Beutenhebehilfe. Um Räuberei zu vermeiden, transportieren Sie die Zargen in geschlossenen Behältern.
  5. Wintervorrat: Achten Sie bei der letzten Ernte darauf, dass im Brutraum genügend Honig bleibt.
Verdeckelte, mit Honig gefüllte Honigraumwaben
Verdeckelte Waben im Honigraum: bereit zur Ernte. Foto: Onésime / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Aus dem Honigraum gezogene verdeckelte Honigwabe
Mit dem Stockmeißel gezogene Honigwabe; die Deckelfläche ist weitgehend geschlossen. Foto: Onésime / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Auf eine Lkw-Ladefläche geladene Honigräume
Geerntete Zargen werden zum Schleuderraum gebracht; offen transportierte Zargen locken Räuberbienen an. Foto: Wendy Seltzer / Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Pflege und Lagerung des Honigraums

  • Nasse Waben aus der Schleuder können kurzzeitig von den Bienen ausgeleckt werden (auf die Beute aufgesetzt); sie dürfen aber nicht offen mitten im Bienenstand liegen bleiben, da das Räuberei und die Verbreitung von Krankheiten fördert.
  • Über den Winter müssen leere Waben vor der Wachsmotte geschützt werden: ein kühles, helles und luftiges Lager; gestapelte Zargen sollten dicht abgeschlossen und mäusesicher sein.
  • Die Außenseiten von Holzzargen werden außerhalb der Saison ausgebessert und mit einer für Bienen unbedenklichen Außenfarbe gestrichen; die Innenseiten bleiben unbehandelt.
  • Gebrochene Griffleisten, aufgegangene Eckverbindungen und verzogene Kanten werden vor Saisonbeginn repariert.

Häufige Fehler

  • Einem schwachen Volk einen Honigraum geben; die Bienen können die Zarge nicht wärmen, und die Wachsmotte nistet sich ein.
  • Die Zarge ohne oder mit zu wenigen Rähmchen geben; die Bienen bauen ungeordneten Wildbau in den Leerraum.
  • Zargen unterschiedlicher Maße mischen; es entstehen Spalten, und der Bienenabstand stimmt nicht mehr.
  • Unreifen, unverdeckelten Honig ernten.
  • Alle Zargen abnehmen, ohne den Wintervorrat einzuplanen.
Wildbau der Bienen in einer Zarge ohne Rähmchen
Wildbau in einer ohne Rähmchen gelassenen Zarge: Eine Zarge muss immer mit der vollen Rähmchenzahl gegeben werden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem vollen Honigraum und dem Brutraum?

Bei der Langstroth-Beute ist das Maß gleich; der Unterschied liegt in der Nutzung. Der Brutraum ist für Brut und Wintervorrat da, der volle Honigraum wird für den zu erntenden Honig auf den Brutraum aufgesetzt.

Wie viel wiegt ein voller Honigraum in voller Höhe?

Das hängt vom Füllgrad der Waben und vom Holzgewicht ab, kann aber 30 Kilogramm übersteigen. Heben Sie daher vorsichtig oder erwägen Sie Halbzargen.

Braucht der Honigraum unbedingt ein Absperrgitter?

Nein. Das Gitter sorgt für einen brutfreien Honigraum; Imker ohne Gitter prüfen die Waben bei der Ernte auf Brut.

Wie viele Rähmchen kommen in einen Honigraum?

In der Regel so viele wie im Brutraum. Bei ausgebauten Waben hängen manche Imker ein Rähmchen weniger ein und vergrößern die Abstände; die Bienen bauen dickere Waben, und das Entdeckeln wird leichter. Beim Start mit Mittelwänden sollte dagegen die volle Anzahl verwendet werden.

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