Mikroskope und Lupen

💬 WhatsApp

Mikroskope und Lupen in der Imkerei dienen zwei verschiedenen Zwecken: Beim Umlarven helfen Kopflupe, Lupenbrille oder Lupenleuchte, die eintägige Larve zu sehen und richtig auszuwählen; zur Untersuchung der Volksgesundheit dienen Stereomikroskop (Präpariermikroskop) und Lichtmikroskop. Die Lupe ist ein einfaches Hilfsmittel, das beim Umlarven Annahmerate und Königinnenqualität verbessert; das Mikroskop macht Details sichtbar, die das Auge nicht erkennt, etwa Nosemasporen, Tracheenmilben und Pollen. Für die sichere Diagnose und für anzeigepflichtige Krankheiten ist stets das Labor maßgeblich.

Warum braucht man in der Imkerei Vergrößerung?

Manche Arbeiten in der Imkerei liegen an oder jenseits der Grenze des bloßen Auges:

  • Larvenauswahl: Die beim Umlarven gesuchte Larve ist frisch aus dem Ei geschlüpft, kaum größer als ein Stecknadelkopf und liegt am Boden der Wabenzelle.
  • Untersuchung auf Krankheiten und Schädlinge: Nosema-Sporen sind nur im Lichtmikroskop, die Tracheenmilbe (Acarapis woodi) nur nach Präparation unter Vergrößerung zu sehen.
  • Pollen- und Honiguntersuchung: Die Form der Pollenkörner verrät, von welcher Pflanze sie stammen; diese Untersuchung erfolgt unter dem Mikroskop.
  • Zuchtarbeit: Die künstliche Besamung von Königinnen erfolgt unter dem Stereomikroskop.
Eier und sehr junge Larven am Boden von Wabenzellen
Eier und frisch geschlüpfte Larven am Zellboden. Um so kleine Larven beim Umlarven zu unterscheiden, braucht man gutes Licht und bei Bedarf eine Lupe. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Welche Lupen verwendet man beim Umlarven?

Beim Umlarven sind beide Hände beschäftigt: Eine hält den Umlarvlöffel, die andere die Zuchtlatte oder die Wabe. Deshalb werden statt einer Handlupe Lösungen bevorzugt, bei denen die Hände frei bleiben.

  • Lesebrille und Lupenbrille: Die einfachste Lösung bei leichter Alterssichtigkeit.
  • Kopflupe: Lupen mit Wechselobjektiven, die mit Band oder Schirm am Kopf getragen werden. Manche haben eine kleine Leuchte. Für das Umlarven genügt meist eine geringe bis mittlere Vergrößerung (einige Male).
  • Lupenleuchte: Eine Linse am Gelenkarm mit LED-Ring. Sie liefert Licht und Vergrößerung zugleich und eignet sich für den geschlossenen Umlarvraum.
  • Handlupe: Beim Umlarven unpraktisch, sollte aber in der Imkertasche sein, um ein Detail an Wabe oder Biene anzusehen.

Worauf man bei der Wahl einer Lupe achten sollte

  • Arbeitsabstand: Je stärker die Vergrößerung, desto kürzer der Schärfeabstand zwischen Linse und Wabe. Es muss genug Abstand bleiben, um den Umlarvlöffel bequem zu führen; zu starke Vergrößerung erschwert die Arbeit.
  • Sehfeld: Bei starker Vergrößerung wird das Sehfeld kleiner; der Wechsel von Zelle zu Zelle wird mühsamer.
  • Licht: Eine Lupe schluckt Licht; sie wird stets mit einer kräftigen, kühlen Lichtquelle kombiniert.
  • Tragekomfort: Eine Kopflupe sollte leicht sein und Kopf und Nacken bei langen Sitzungen nicht belasten.

Wozu dient ein Stereomikroskop (Präpariermikroskop)?

Das Stereomikroskop ist ein Mikroskop mit zwei Okularen, das ein dreidimensionales Bild liefert, relativ gering vergrößert (meist einige Dutzend Mal) und einen großen Arbeitsabstand hat. Die Probe kann unter dem Mikroskop von Hand oder mit Instrumenten bearbeitet werden.

  • Untersuchung auf Tracheenmilben: Der Thorax der Biene wird geöffnet und das erste Tracheenpaar untersucht.
  • Bestimmung von Milben und Schädlingen: Hilfreich etwa zur Unterscheidung der Varroa von den kleineren, länglichen Tropilaelaps-Milben oder zum Erkennen der Larven des Kleinen Beutenkäfers.
  • Morphologie: Untersuchung von Flügeladern, Behaarung und Körperteilen.
  • Künstliche Besamung: Die instrumentelle Besamung von Königinnen erfolgt mit einer speziellen Vorrichtung unter dem Stereomikroskop.
Unter einem Stereomikroskop aufgebautes Gerät zur künstlichen Besamung von Königinnen
Stereomikroskop mit darunter aufgebautem Besamungsgerät. Der große Arbeitsabstand erlaubt es, die Probe unter dem Mikroskop mit Instrumenten zu bearbeiten. Foto: Dirk Liesch / Wikimedia Commons · CC BY 4.0
Stereomikroskop und Besamungsgerät auf einem Labortisch
Stereomikroskop mit Besamungsgerät daneben auf einem Labortisch. Es ist das optische Grundgerät bienenkundlicher Labore. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wozu dient ein Lichtmikroskop?

Das Lichtmikroskop (zusammengesetztes Mikroskop) durchleuchtet ein dünnes Präparat von unten und vergrößert es mehrere hundert Mal. In der Imkerei wird es vor allem für zwei Aufgaben eingesetzt:

  • Nosemasporen: Der Hinterleibsinhalt der Biene wird auf Nosema-Sporen untersucht. Die Sporen erscheinen meist bei etwa 400-facher Vergrößerung als glänzende, reiskornförmige Gebilde.
  • Pollenanalyse: Anhand der Form der Pollenkörner in einer Honig- oder Pollenprobe wird die botanische Herkunft bestimmt. Diese Untersuchung erfordert Fachwissen und wird in Laboren durchgeführt, um die botanische Herkunft von Honig festzustellen.
Nosema-apis-Sporen bei 400-facher Vergrößerung im Lichtmikroskop
Nosema apis-Sporen im Lichtmikroskop bei etwa 400-facher Vergrößerung: kleine, glänzende, reiskornförmige Gebilde. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Einfache mikroskopische Untersuchung auf Nosema

  1. Probe nehmen: Am Flugloch werden etwa 30 Bienen gesammelt, am besten heimkehrende Flugbienen. Junge Bienen können das Ergebnis verfälschen.
  2. Vorbereiten: Die Hinterleiber der Bienen werden in einem kleinen Gefäß mit wenig Wasser zerdrückt.
  3. Präparat anfertigen: Ein Tropfen wird auf einen Objektträger gegeben und mit einem Deckglas abgedeckt.
  4. Untersuchen: Erst bei geringer, dann bei etwa 400-facher Vergrößerung nach Sporen suchen.
  5. Auswerten: Sichtbare Sporen zeigen eine Infektion an; die Dichte lässt sich grob einschätzen. Die beiden Nosema-Arten lassen sich mikroskopisch nicht zuverlässig unterscheiden; für eine sichere Diagnose ist ein Labor nötig.
Die mikroskopische Untersuchung unterstützt die Diagnose im Feld, ersetzt aber keine sichere Diagnose. Besteht Verdacht auf anzeigepflichtige Fälle wie Amerikanische und Europäische Faulbrut, Kleinen Beutenkäfer oder Tropilaelaps, handeln Sie nicht auf eigene Faust; melden Sie es dem zuständigen Veterinäramt, und lassen Sie die Diagnose vom Labor stellen.

Wie untersucht man Tracheenmilben und Varroa unter Vergrößerung?

Tracheenmilbe

Die Tracheenmilbe ist mit bloßem Auge nicht zu sehen. Zur Untersuchung werden Kopf und Vorderbeine der Biene entfernt, der Ring am vorderen Thorax abgehoben, sodass das erste Tracheenpaar freiliegt, und unter dem Stereomikroskop betrachtet. Gesunde Tracheen sind weiß und durchscheinend; befallene Tracheen zeigen braunschwarze Flecken und Milben.

Gesundes, weißes Tracheensystem im präparierten Thorax
Gesundes, weißes Tracheensystem im präparierten Thorax. Die Untersuchung auf Tracheenmilben erfolgt mit einer solchen Präparation unter Vergrößerung. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Varroa

Weibchen von Varroa destructor sind rotbraun, quer abgeflacht und etwa 1,6 mm breit; sie sind mit bloßem Auge sichtbar. Zum Zählen braucht man kein Mikroskop. Lupe oder Stereomikroskop sind nützlich, um Beine und Entwicklungsstadien der Milbe zu sehen und sie von der kleineren, länglicheren und flinken Tropilaelaps-Milbe zu unterscheiden.

Zwei Varroamilben im Sehfeld eines Mikroskops
Zwei Varroamilben im Sehfeld eines Mikroskops. Varroa ist mit bloßem Auge sichtbar; die Vergrößerung hilft bei Bestimmung und Schulung. Foto: Forest and Kim Starr / Wikimedia Commons · CC BY 3.0 us

Wie sieht Pollen unter dem Mikroskop aus?

Der Pollen jeder Pflanzenart hat eine eigene Größe, Form und Oberflächenstruktur. Im Lichtmikroskop wird Pollen anhand dieser Merkmale bestimmt. Die Pollenanalyse dient dazu, festzustellen, von welchen Pflanzen ein Honig stammt und aus welchen Quellen sich die Bienen ernähren. Eine korrekte Bestimmung erfordert eine Vergleichssammlung und Erfahrung.

Kiefernpollen mit Luftsäcken in einem gefärbten Präparat unter dem Lichtmikroskop
Kiefernpollen in einem gefärbten Präparat unter dem Lichtmikroskop; die beiden seitlichen Luftsäcke sind ein kennzeichnendes Bestimmungsmerkmal. Foto: Y Rosen, MD & P Meseguer, MD / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0

Worauf achtet man bei der Wahl eines Mikroskops?

ZweckGeeignetes GerätAchtung
UmlarvenKopflupe, LupenleuchteAusreichender Arbeitsabstand, kräftiges kühles Licht
Untersuchung von Milben und BienenStereomikroskopAuflicht, großer Arbeitsbereich
Nosema, PollenLichtmikroskopEtwa 400-fache Vergrößerung, Durchlicht, Objektträger und Deckgläser
DokumentationMikroskop mit Kameraanschluss oder Smartphone-AdapterBilder für Aufzeichnungen und Rückfragen speichern
  • Optische Qualität: Schärfe und Kontrast sind wichtiger als eine hohe Vergrößerungszahl.
  • Beleuchtung: Regelbare LED-Beleuchtung erwärmt sich nicht und ist langlebig.
  • Robustheit und Tragbarkeit: Für den Bienenstand ein leichtes, robustes Gehäuse; für das Labor ein fester, erschütterungsfreier Tisch.

Pflege und Hygiene

  • Linsen: Nur mit Linsenreinigungspapier und geeignetem Reiniger abwischen; nicht mit propolis- oder honigverschmierten Fingern berühren.
  • Staub: Bei Nichtgebrauch mit einer Staubschutzhülle abdecken.
  • Proben: Für Krankheitsuntersuchungen verwendete Bienen, Objektträger und Gefäße so entsorgen, dass Bienen nicht herankommen; Nosemasporen können andere Völker infizieren.
  • Lupen: Umlarvlupe und -leuchte sauber halten und von Futtersaft- und Wachsspritzern befreien.

Häufige Fehler

  • Zu starke Vergrößerung beim Umlarven: Der Arbeitsabstand wird zu kurz, das Werkzeug lässt sich nicht führen.
  • Lupe ohne Licht verwenden: Das Bild wird dunkel, man wählt zu alte Larven.
  • Nosemaproben von jungen Bienen nehmen: Die Infektion erscheint geringer, als sie ist.
  • Das Mikroskopergebnis als sichere Diagnose werten: Verdachtsfälle müssen im Labor bestätigt werden.

Häufige Fragen

Braucht man zum Umlarven unbedingt eine Lupe?

Nein; für die meisten Imker genügt gutes Licht. Bei Alterssichtigkeit oder langen Umlarvsitzungen erhöhen Kopflupe oder Lupenleuchte die Annahmerate.

Bei welcher Vergrößerung sieht man Nosema?

Die Sporen sind meist bei etwa 400-facher Vergrößerung zu sehen. Für die Artunterscheidung und eine sichere Diagnose braucht man ein Labor.

Braucht man ein Mikroskop, um Varroa zu sehen?

Nein. Varroa ist mit bloßem Auge sichtbar. Vergrößerung ist nur für die genaue Bestimmung und die Abgrenzung von anderen Milben nützlich.

Was ist der Unterschied zwischen Stereomikroskop und Lichtmikroskop?

Das Stereomikroskop vergrößert gering, liefert ein dreidimensionales Bild, und die Probe kann darunter bearbeitet werden. Das Lichtmikroskop zeigt dünne Präparate im Durchlicht bei wesentlich stärkerer Vergrößerung.

VERWANDTE VIDEOS

📝 Beiträge von Imkern

Noch keine Beiträge.