Diagnosekits für Bienenkrankheiten

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Diagnosekits für Bienenkrankheiten sind Schnelltests, die direkt an der Beute innerhalb von Minuten zeigen, ob in einer verdächtigen Larve oder Bienenprobe ein bestimmter Krankheitserreger vorhanden ist. Am verbreitetsten sind Lateral-Flow-Testkassetten für die Amerikanische und die Europäische Faulbrut. Sie beschleunigen die Entscheidung, stellen aber keine endgültige Diagnose: Ein positives Ergebnis erfordert eine Laborbestätigung und bei anzeigepflichtigen Krankheiten eine amtliche Meldung.

Was ist ein Diagnosekit und wie funktioniert es?

Die meisten Feld-Diagnosekits sind Lateral-Flow-Tests (lateral flow device), die nach einem ähnlichen Prinzip wie Schwangerschaftstests arbeiten. Auf dem Streifen in der Kassette befinden sich Antikörper, die für das gesuchte Bakterium spezifische Strukturen erkennen:

  1. Die verdächtige Larve wird in der mitgelieferten Pufferlösung zerdrückt und geschüttelt.
  2. Einige Tropfen der Flüssigkeit werden in das Probenfenster der Kassette gegeben.
  3. Die Flüssigkeit wandert den Streifen entlang; ist der Erreger vorhanden, bindet er an die Antikörper, und die Testlinie (T) färbt sich.
  4. Die Kontrolllinie (C) erscheint bei jedem gültigen Test; sie zeigt, dass der Test korrekt funktioniert hat.

Das Ergebnis lässt sich meist nach wenigen Minuten ablesen. Erscheint keine Kontrolllinie, ist der Test ungültig und muss mit einer neuen Kassette wiederholt werden.

Faulbrut-Schnelltest: Probenröhrchen, Kassette und Verpackung
Ein benutzter Schnelltest auf Europäische Faulbrut: Probenröhrchen, Testkassette mit zwei deutlichen Linien (positiv) und Verpackung. Kassette und Probe sind für den Versand an ein amtliches Labor zur Bestätigung vorbereitet. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Für welche Bienenkrankheiten gibt es Diagnosekits?

Krankheit / SchädlingHilfsmittel an der BeuteGesicherte DiagnoseHinweis
Amerikanische Faulbrut (AFB)Streichholzprobe, Lateral-Flow-KitLabor (Kultur, Mikroskop, PCR)Anzeigepflichtig
Europäische Faulbrut (EFB)Sichtprüfung, Lateral-Flow-KitLaborAnzeigepflichtig; kann mit AFB verwechselt werden
NosemaMikroskop (400-fache Vergrößerung)PCR zur ArtunterscheidungMit bloßem Auge nicht diagnostizierbar
Viren (Flügeldeformationsvirus, Chronische Bienenparalyse u. a.)Verdacht anhand der SymptomeMolekularer Test im LaborFeldkits sind nicht verbreitet
VarroaAuswaschen, Puderzucker, BodeneinlageZählung genügtEher Befallsmessung als Diagnose
Tropilaelaps, Kleiner BeutenkäferBrut öffnen, Gemüll und Fallen untersuchenAmtliches LaborAnzeigepflichtig; Meldung statt Kit

Wie benutzt man ein Faulbrut-Kit Schritt für Schritt?

  1. Die richtige Larve wählen: Nehmen Sie die Larve mit den deutlichsten Symptomen, die frisch abgestorben ist oder im Sterben liegt. Eine Probe aus einer gesund wirkenden Zelle ergibt ein falsch negatives Ergebnis. Eingetrocknete alte Schorfe sind nicht immer eine geeignete Probe; beachten Sie die Anleitung des Kits.
  2. Probe ins Röhrchen geben: Die Larve mit dem mitgelieferten Stäbchen oder einem sauberen Streichholz in die Pufferlösung überführen.
  3. Schütteln: Das Röhrchen so lange kräftig schütteln, wie in der Anleitung angegeben; die Larve muss sich in der Flüssigkeit verteilen.
  4. Auftropfen: Einige Tropfen in das Probenfenster der Kassette geben und die Kassette auf eine ebene Fläche legen.
  5. Warten und ablesen: Zur in der Anleitung genannten Zeit ablesen; ein zu spät abgelesenes Ergebnis kann täuschen.
  6. Dokumentieren und melden: Die Kassette fotografieren, Datum und Beutennummer notieren. Bei positivem Ergebnis die Beute absondern und dem zuständigen Veterinäramt melden.
Mit der Pinzette herausgezogene braune Masse zieht Fäden
Die erste Kontrolle an der Beute vor dem Einsatz eines Kits: Zieht die Masse in der verdächtigen Zelle mit Pinzette oder Streichholz Fäden, deutet das auf AFB hin. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Bei einer Kontrolle auf dem Handschuh untersuchte Larve
Probenauswahl für das Kit: Eine frisch abgestorbene Larve mit deutlichen Symptomen wird aus der Zelle genommen und untersucht. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Grenzen der Diagnosekits

  • Keine gesicherte Diagnose: Für amtliche Verfahren und Entschädigungen ist ein Laborbefund erforderlich.
  • Falsch negative Ergebnisse möglich: Bei falscher Larvenauswahl, sehr frühem Krankheitsstadium oder zu wenig Probenmaterial wird der Erreger unter Umständen nicht erfasst.
  • Ein negatives Ergebnis ist keine Garantie: Bleiben die Symptome bestehen, sollte eine Probe ins Labor geschickt werden.
  • Sucht nur eine Krankheit: Ein EFB-Kit zeigt keine AFB an und umgekehrt; beide Krankheiten können im selben Volk gleichzeitig vorkommen.
  • Lagerbedingungen: Kits sind empfindlich gegenüber Verfallsdatum und Lagertemperatur; ein Kit, das in der Sonne oder im Frost lag, ist nicht zuverlässig.
Ist ein Diagnosekit positiv, wenden Sie auf eigene Faust keinerlei Mittel an. Sondern Sie die Beute an Ort und Stelle ab, bringen Sie keine Waben und kein Werkzeug weg und melden Sie den Fall dem Amtstierarzt. Antibiotika verschleiern die Krankheit und sind in der Türkei bei Bienen nicht zugelassen.

Nosema-Diagnose: das Mikroskop-Set

Für Nosema gibt es keine verbreitete Schnelltestkassette; die Diagnose erfolgt mit dem Mikroskop. Ein Imker kann sich sein eigenes Nosema-Diagnoseset zusammenstellen: ein Lichtmikroskop mit 400-facher Vergrößerung, Objektträger und Deckgläser, ein kleiner Mörser oder ein Röhrchen, eine Pipette und bei Bedarf eine Zählkammer für Sporen. Die Hinterleiber von etwa 30 alten Sammlerinnen werden mit wenig Wasser zerrieben, und man sucht nach ovalen Sporen mit glänzendem Rand. Um die beiden Nosema-Arten zu unterscheiden, ist ein molekularer Labortest erforderlich.

Nosema-apis-Sporen bei 400-facher Vergrößerung
Sporen von Nosema apis unter dem Mikroskop bei 400-facher Vergrößerung: glänzende Ovale, die Reiskörnern ähneln. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Vermessene Aufnahme von Sporen von Nosema apis und Nosema ceranae
Der Größenunterschied zwischen den Sporen der beiden Nosema-Arten ist sehr gering; eine zuverlässige Unterscheidung gelingt nur mit einem molekularen Test. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Labordiagnose und Probenversand

Gesicherte Diagnose, Artbestimmung, Virusnachweis und Rückstandsanalyse sind Laborarbeit. Labore verwenden Kultur, Mikroskopie und molekulare Methoden wie PCR. Beim Versand von Proben gilt:

  • Bei Brutkrankheiten ein Wabenstück mit symptomatischer Brut (ohne Honig) in einem sauberen Karton oder in Papier eingewickelt verschicken; Plastiktüten beschleunigen die Fäulnis.
  • Für die Untersuchung erwachsener Bienen genügen meist etwa 30 Bienen; fragen Sie vorher nach der vom Labor gewünschten Anzahl und Aufbewahrungsart.
  • Gemüll vom Beutenboden wird bei der Überwachung bestimmter Schädlinge verwendet; es wird nach Anweisung der zuständigen Stelle gesammelt.
  • Jede Probe mit Datum, Ort, Beutennummer und Ihren Beobachtungen beschriften.
Entnahme einer Gemüllprobe vom Beutenboden in eine Papiertüte
Gemüll vom Beutenboden wird für die Laboruntersuchung in eine Papiertüte gefüllt. Die Methode der Probenahme legt die zuständige Stelle je nach gesuchtem Schädling fest. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Bei anzeigepflichtigen Krankheiten nimmt in der Regel der Amtstierarzt die Probe; melden Sie in diesem Fall zuerst, statt selbst eine Probe zu verschicken und abzuwarten.

Worauf achtet man bei der Wahl eines Diagnosekits?

  • Welche Krankheit: Prüfen Sie, welchen Erreger das Kit genau nachweist und mit welcher Probe (Larve, erwachsene Biene) es arbeitet.
  • Zulassung und Unterlagen: Bevorzugen Sie Kits, die in Ihrem Land für diagnostische Zwecke zugelassen sind und deren Anleitung in Ihrer Sprache vorliegt oder gut verständlich ist.
  • Verfallsdatum und Lagerung: Kurzlebige Kits nur in benötigter Menge kaufen.
  • Bestätigungsweg: Es sollte klar sein, wie eine positive Kassette ins Labor geschickt wird und wem sie gemeldet wird.
  • Erwartung: Selbst das beste Kit ersetzt weder die regelmäßige Brutkontrolle noch die Streichholzprobe.

Häufige Fragen

Der Faulbrut-Test ist positiv – was muss ich tun?

Sondern Sie die Beute an Ort und Stelle ab, bringen Sie kein Material weg und melden Sie es dem zuständigen Veterinäramt. Bewahren Sie das Foto der Kassette und die Probe auf; die gesicherte Diagnose stellt das amtliche Labor.

Der Test ist negativ, aber es gibt Symptome – was bedeutet das?

Die Probe kann von der falschen Larve stammen, die Krankheit in einem frühen Stadium sein oder es handelt sich um eine andere Krankheit. Bleiben die Symptome bestehen, schicken Sie eine Probe ins Labor.

Gibt es Feldkits für Viren?

Ein verbreitetes, zuverlässiges Feldkit gibt es nicht; Viren werden im Labor mit molekularen Tests nachgewiesen. Die in der Beute sichtbaren Symptome zeigen meist einen hohen Varroabefall an.

Kann ich ein Kit für Nosema kaufen?

Nosema wird mit dem Mikroskop diagnostiziert. Mit einem Mikroskop mit 400-facher Vergrößerung und einfachem Laborzubehör lässt sich nach Sporen suchen; für die Artbestimmung braucht man ein Labor.

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