Abflammen und Desinfektion

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Das Abflammgerät (Gasbrenner, Gaslötlampe) ist ein Handgerät, das mit Flaschengas eine sehr heiße Flamme erzeugt und in der Imkerei dazu dient, leere Holzbeuten, Böden und Metallwerkzeuge durch Abflammen zu desinfizieren. Das Abflammen ist auf Holz- und Metalloberflächen die verbreitetste und praktischste Methode, vor allem gegen sehr widerstandsfähige Krankheitserreger. Es wirkt jedoch nur auf gereinigten Flächen, ist für Kunststoff- und Polystyrolbeuten ungeeignet und ersetzt bei anzeigepflichtigen Krankheiten nicht die behördliche Anordnung.

Warum muss man Beuten desinfizieren?

Beuten, Rähmchen und Werkzeuge eines eingegangenen oder erkrankten Volkes können die Sporen von Erregern wie der Faulbrut, Nosema oder Kalkbrut lange Zeit tragen. Wird ein neues Volk in dieses Material gesetzt oder kommen die Werkzeuge an andere Beuten, breitet sich die Krankheit aus.

Die größte Gefahr ist die Amerikanische Faulbrut (Erreger Paenibacillus larvae). Die Sporen des Erregers können Jahrzehnte lebensfähig bleiben; Abwischen mit Alkohol, Liegenlassen in der Sonne oder kurzes Halten ins Feuer tötet sie nicht zuverlässig ab. Deshalb ist auf Holz- und Metalloberflächen starke Hitze, also die Flamme, die am häufigsten angewandte Methode.

Die Amerikanische und die Europäische Faulbrut sind in der Türkei anzeigepflichtige Krankheiten. Bei Verdacht verschließen Sie die Beute, bringen weder Rähmchen noch Werkzeuge zu anderen Beuten und informieren das zuständige Veterinäramt. Über die Maßnahmen für Bienen, Waben und Material des kranken Volkes (Vernichtung, Verbrennen, Desinfektion) entscheiden die Behörden.

Wofür verwendet man das Abflammgerät?

  • Leere Holzbeuten und Zargen: Innenflächen, Ecken, Auflagen für die Rähmchenohren.
  • Bodenbrett und Innenseite des Deckels: Stellen, an denen sich Kot und Gemüll ansammeln.
  • Metallwerkzeuge: Stockmeißel, Wabenzange, Absperrgitter aus Metall, Fluglochverengungen, Gitter des Varroabodens.
  • Holzrähmchen: Intakte Rähmchen, aus denen die Waben herausgeschnitten wurden und die gereinigt sind (sofern sie aus krankheitsfreier Herkunft stammen).

Wofür verwendet man das Abflammgerät nicht?

  • Schaumstoff- (Polystyrol-) und Kunststoffbeuten: Sie schmelzen und verformen sich. Diese werden chemisch desinfiziert.
  • Waben: Waben lassen sich nicht durch Abflammen desinfizieren. Waben aus einem kranken Volk werden vernichtet; alte Waben aus gesunder Herkunft werden eingeschmolzen und als Wachs verwertet.
  • Kunststoffrähmchen, Kunststoffgitter und Futtergeräte: Werden mit heißer Sodalauge und einem geeigneten Desinfektionsmittel gereinigt.
  • Gestrichene Außenflächen: Die Farbe verbrennt und setzt giftigen Rauch frei; abgeflammt werden nur die Innenflächen.

Wie desinfiziert man eine Beute mit dem Abflammgerät? (Schritt für Schritt)

  1. Beute leeren: Rähmchen, Gitter und gegebenenfalls Kunststoffteile herausnehmen.
  2. Mechanische Reinigung: Propolis, Wachs, tote Bienen und Kot mit Stockmeißel und Kratzer entfernen; Ecken und Rähmchenauflagen mit der Drahtbürste säubern. Eine dicke Schicht aus Propolis und Wachs hindert die Flamme daran, das Holz zu erreichen, und entzündet sich, was eine Brandgefahr darstellt.
  3. Sicherer Ort: Arbeiten Sie fern von trockenem Gras und brennbarem Material an einem windstillen oder windgeschützten Platz; halten Sie Wasser oder einen Feuerlöscher bereit.
  4. Abflammen: Führen Sie die Flamme langsam und gleichmäßig über die Oberfläche. Erhitzen Sie das Holz, bis es hellbraun wird; verkohlen Sie es nicht.
  5. Ecken und Ritzen: Ecken, Fugen und Rähmchenauflagen sind die Stellen, an denen sich Sporen ansammeln; achten Sie hier besonders sorgfältig darauf.
  6. Abkühlen und prüfen: Lassen Sie die Beute abkühlen und vergewissern Sie sich, dass keine Glutnester zurückbleiben. Lassen Sie die Beute nicht unbeaufsichtigt.

Metallwerkzeuge wie der Stockmeißel werden zunächst abgekratzt und mit Sodalauge gewaschen und danach so lange in die Flamme gehalten, bis die gesamte Oberfläche gut durchgewärmt ist. Wiederholtes Ausglühen kann die Härtung des Stahls zerstören; daher ist es praktischer, mit einem Ersatzwerkzeug zu arbeiten.

Mit dem Stockmeißel wird Propolis von der Innenfläche einer Zarge abgekratzt
Vor dem Abflammen müssen die Innenflächen abgekratzt werden; unter eine dicke Schicht aus Propolis und Wachs dringt die Flamme nicht vor. Foto: fishermansdaughter on flick / Wikimedia Commons · CC BY 2.0
Mit einem Handgasbrenner wird der Brennstoff im Smoker entzündet
Ein Handgasbrenner (Abflammgerät): Er dient am Bienenstand sowohl zum Anzünden des Smokers als auch zum Abflammen von Metallwerkzeugen und leeren Beuten. Foto: Mr. Zabej / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Welche Desinfektionsmethoden gibt es außer dem Abflammen?

MethodeWofür?Achtung
Heißes Wasser + WaschsodaWerkzeuge, Handschuhe, Kunststoffteile, FuttergeräteReinigt, löst Wachs und Propolis; allein keine Gewähr gegen widerstandsfähige Sporen.
Ätznatronlösung (Natriumhydroxid)Waschen von Holzrähmchen und BeutenteilenStark ätzend; Schutzbrille, Handschuhe und Schürze sind Pflicht. Anschließend gründlich mit Wasser abspülen.
Chlorbleichlösung (Natriumhypochlorit)Kunststoff- und Polystyrolbeuten, KunststoffteileWirkt nur auf sauberen Flächen; danach gründlich mit Wasser abspülen und trocknen. Nicht mit anderen Chemikalien mischen.
Paraffin- oder Wachsbad, BestrahlungHolzteile von Beuten (in professionellen Anlagen)In manchen Ländern werden Wachsbäder bei hoher Temperatur oder Bestrahlung eingesetzt; dafür ist eine spezielle Ausrüstung nötig.
Verbrennen und Vergraben (Vernichtung)Kranke Waben, Bienen und stark abgenutztes MaterialBei anzeigepflichtigen Krankheiten nach Anordnung der Behörden.

Halten Sie sich beim Einsatz von Chemikalien an die Anweisungen auf dem Etikett; mischen Sie niemals verschiedene Chemikalien (vor allem Chlorbleiche nicht mit Säuren oder ammoniakhaltigen Produkten). Desinfiziertes Material darf den Bienen erst gegeben werden, wenn es vollständig getrocknet und der Geruch verflogen ist.

Wegen Amerikanischer Faulbrut werden Beuten und Waben in einer Grube verbrannt
Bei Völkern mit festgestellter Amerikanischer Faulbrut werden Bienen und Waben in vielen Ländern unter behördlicher Aufsicht in einer Grube verbrannt; die Beutenkörper hingegen können durch Abflammen desinfiziert werden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Auswahl und sichere Handhabung des Abflammgeräts

  • Typ: In der Imkerei verwendet man meist kleine Kartuschenbrenner (für Werkzeuge und kleine Arbeiten) sowie Flaschenbrenner mit Schlauch und breitem Brennerkopf (zum Abflammen von Beuten). Beim Abflammen von Beuten beschleunigt ein Kopf mit breiter Flamme die Arbeit.
  • Zündung: Modelle mit Piezozündung (automatischer Zündung) lassen sich mit Handschuhen leichter bedienen.
  • Anschlüsse: Prüfen Sie Schlauch und Anschlüsse vor jedem Gebrauch; wenn Sie Gasgeruch bemerken, das Gerät nicht benutzen.
  • Gasflasche: Lassen Sie die Flasche nicht in der Sonne, im Auto oder in warmer Umgebung liegen; halten Sie sie aufrecht.
  • Persönlicher Schutz: Imkeranzüge und nylonhaltige Kleidung können leicht Feuer fangen; tragen Sie beim Abflammen lieber Arbeitskleidung aus Baumwolle, Lederhandschuhe und eine Schutzbrille.
  • Zum Abschluss: Ventil schließen, den Brennerkopf abkühlen lassen; abgeflammte Beuten beaufsichtigen, bis sie abgekühlt sind.

Das Abflammgerät ist neben dem Smoker eine der wichtigsten Brandquellen am Bienenstand. Halten Sie in Zeiten hoher Waldbrandgefahr die Regeln für Arbeiten mit offener Flamme ein; flammen Sie möglichst außerhalb des Bienenstands auf Betonboden ab.

Wann sollte man desinfizieren?

  • Beute eines eingegangenen Volkes: Ist die Todesursache unbekannt, muss die Beute abgekratzt und abgeflammt werden, bevor ein neues Volk einzieht.
  • Gebrauchte Beuten und Ausrüstung von einem anderen Imker: Vor der Verwendung unbedingt reinigen und desinfizieren; alte Waben nicht verwenden.
  • Winterpflege: Leer gewordene Beuten werden außerhalb der Saison nacheinander abgekratzt und abgeflammt.
  • Werkzeughygiene: Bei Krankheitsverdacht nach jeder Beute; auch an scheinbar gesunden Bienenständen zwischen Beutengruppen und Bienenständen.

Häufige Fehler

  • Abflammen ohne vorheriges Abkratzen: Die Flamme erreicht die Oberfläche nicht, das Propolis entzündet sich.
  • Das Holz verkohlen: Die Lebensdauer der Beute verkürzt sich; Ziel ist eine hellbraune Färbung.
  • Eine Polystyrolbeute abflammen: Das Material schmilzt, die Beute wird unbrauchbar.
  • Kranke Waben aufbewahren: Waben lassen sich nicht desinfizieren; bei anzeigepflichtigen Krankheiten werden sie nach Anordnung vernichtet.
  • Abwischen mit Alkohol für ausreichend halten: Keine Gewähr gegen widerstandsfähige Sporen.

Häufige Fragen

Tötet Abflammen die Sporen der Amerikanischen Faulbrut ab?

Auf gereinigten Holz- und Metalloberflächen macht gründliches Abflammen die Sporen weitgehend unschädlich und wird allgemein empfohlen. Die Krankheit ist jedoch anzeigepflichtig; was mit Beute und Material geschieht, entscheiden die Behörden.

Wie stark sollte man eine Beute abflammen?

So lange, bis die Holzoberfläche hellbraun wird; mit besonderer Sorgfalt an Ecken und Fugen. Nicht so stark, dass das Holz verkohlt.

Wie desinfiziert man Polystyrolbeuten?

Eine Flamme darf nicht verwendet werden; nach dem Abkratzen und Waschen werden sie mit einem geeigneten Desinfektionsmittel (zum Beispiel einer Chlorbleichlösung) abgewischt, gründlich mit Wasser abgespült und getrocknet.

Worauf sollte ich beim Kauf gebrauchter Beuten achten?

Verwenden Sie keine alten Waben, kratzen Sie die Beute ab und flammen Sie sie aus; erkundigen Sie sich nach Möglichkeit, ob es am Bienenstand des Verkäufers früher Krankheiten gab.

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