Honig schleudern

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Honigschleudern umfasst alle Schritte, mit denen reifer, verdeckelter Honig durch Entdeckeln, Schleudern, Sieben und Klärenlassen aus den Waben gewonnen und abfüllfertig gemacht wird. Honig, der einwandfrei aus dem Stock kommt, kann in dieser Phase Feuchtigkeit ziehen, sich erwärmen oder verunreinigt werden; deshalb entscheiden Reifeprüfung, ein bienendichter, sauberer Schleuderraum und das richtige Material über die Qualität. Im Folgenden finden Sie das Schleudern Schritt für Schritt – von der Vorbereitung bis zur Reinigung.

Wann wird Honig geschleudert? Die Reifeprüfung

Maßstab ist nicht der Kalender, sondern die Verdeckelung. Haben die Bienen dem Nektar genug Wasser entzogen, verschließen sie die Zelle mit einem dünnen Wachsdeckel (Zelldeckel). Ist der größte Teil der Wabe verdeckelt, kann der Honig geschleudert werden.

Bei teilweise verdeckelten Waben muss der Wassergehalt gemessen werden. Als praktische Probe hält man die Wabe waagerecht mit den offenen Zellen nach unten und stößt sie leicht auf (Spritzprobe); tropft Honig aus den Zellen, ist er noch nicht reif. Für eine sichere Entscheidung verwenden Sie ein Refraktometer: Honig mit weniger als 18 Prozent Wasser kann bedenkenlos geschleudert werden, Honig mit über 20 Prozent liegt auch über dem gesetzlichen Grenzwert. Zu früh entnommener Honig gärt und kann die ganze Charge verderben.

NICHT REIF unverdeckelte Zellen Wassergehalt evtl. zu hoch geschleudert: gärt REIF größtenteils verdeckelt Wasser verdunstet schleuderreif Teilverdeckelt? Wassergehalt messen. Verdeckelung zählt, nicht Kalender.
Mit der Verdeckelung sagt das Volk: „Der Honig ist fertig.“ Zu früh entnommener Honig kann die ganze Charge kosten.
Vollständig verdeckelte, erntereife Honigwabe
Schleuderreife Honigwabe: Die Oberfläche ist fast vollständig mit weißen Zelldeckeln verschlossen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie nimmt man die Honigräume ab?

  • Bienenflucht: Ein Brett mit Einwegdurchgang, ein bis zwei Tage vor der Ernte unter den Honigraum gelegt, lässt die Bienen nach unten abwandern, aber nicht zurückkehren; der Honigraum ist danach nahezu bienenfrei.
  • Bienenbesen und Abstoßen: Bei wenigen Honigräumen werden die Waben einzeln abgestoßen und mit einem weichen Bienenbesen abgefegt.
  • Gebläse: In größeren Betrieben werden die Bienen mit einem Luftstrom entfernt.
  • Rauch: Wenig und kühlen Rauch verwenden; zu viel Rauchgeruch geht in den Honig über.
  • Keine chemischen Vertreibungsmittel verwenden: Geruch und Rückstände können in den Honig übergehen.

Transportieren Sie die abgenommenen Honigräume in einem geschlossenen, bienendichten Fahrzeug und stellen Sie sie im Schleuderraum auf eine Abtropfwanne. Die Ernte sollte zügig und ordentlich erfolgen, um keine Räuberei auszulösen.

Wie sollte der Schleuderraum beschaffen sein?

  • Bienendicht: Eine offene Tür oder ein offenes Fenster löst Räuberei aus; die Bienen strömen in den Raum, und an Arbeiten ist nicht mehr zu denken.
  • Trocken: Honig zieht Feuchtigkeit aus der Luft; offen stehender Honig nimmt in einem feuchten Raum Wasser auf.
  • Warm: Kalter Honig fließt schlecht und löst sich nicht vollständig aus der Wabe. Der Raum wird warm gehalten, der Honig aber nie lange in einer heißen Umgebung stehen gelassen.
  • Sauber und abwaschbar: Es gelten die Regeln für Lebensmittelbetriebe: sauberer Boden, abwaschbare Flächen, fließendes Wasser, saubere Kleidung, Haube oder Kopftuch.
  • Geordnet: Der Arbeitsablauf sollte in eine Richtung verlaufen: voller Honigraum → Entdeckeln → Schleuder → Sieb → Klärbehälter → Glas.

Wie entdeckelt man die Waben?

Ohne die Wachsdeckel (Zelldeckel) über den Zellen zu entfernen, kommt kein Honig heraus. Die wichtigsten Werkzeuge:

  • Entdeckelungsmesser: Ein langes, glattes oder gezahntes Messer; es wird in warmem Wasser angewärmt oder als elektrisch beheiztes Modell verwendet. Bei gleichmäßig ausgebauten Waben arbeitet man damit schnell.
  • Entdeckelungsgabel (Entdeckelungskratzer): Hebt die Deckel von vertieft liegenden Zellen ab, die das Messer nicht erreicht.
  • Entdeckelungsgeschirr: Ein Behälter, auf dem die Wabe aufliegt, mit einem Siebeinsatz darunter. Hier trennen sich Deckelwachs und Honig.
Honigwabe wird mit einem elektrischen Messer entdeckelt
Die Wabe wird mit einem elektrischen Entdeckelungsmesser entdeckelt; die Deckel fallen direkt in das Gefäß darunter. Foto: User:Ben pcc / Wikimedia Commons · Public domain
Mit dem Entdeckelungsmesser geöffnete Honigzellen
Das Messer wird direkt unter den Deckeln entlanggeführt, ohne tief in die Wabe zu schneiden. Foto: Don Hankins / Wikimedia Commons · CC BY 2.0
Mit der Entdeckelungsgabel geöffnete vertiefte Wabenzellen
Die Entdeckelungsgabel wird für vertiefte Zellen verwendet, die das Messer nicht erreicht. Foto: Lviatour (Wikimedia Commons uploader) / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Das Deckelwachs sollte getrennt gesammelt werden. Nachdem der Honig im Sieb abgetropft ist, ergibt das eingeschmolzene Deckelwachs das sauberste und hellste Wachs des ganzen Bienenstands; es eignet sich ideal, um daraus eigene Mittelwände herstellen zu lassen.

Entdeckelungsgeschirr mit Siebeinsatz
Entdeckelungsgeschirr mit Siebeinsatz: Die Wabe liegt auf der oberen Leiste, die Deckel bleiben im Sieb, der Honig sammelt sich im unteren Teil und wird über den Quetschhahn entnommen. Foto: R. Henrik Nilsson / Wikimedia Commons · CC BY 4.0

Wie benutzt man eine Honigschleuder?

Die Honigschleuder (Zentrifuge) dreht die Waben und löst den Honig durch die Fliehkraft aus den Zellen. Es gibt zwei Grundtypen:

MerkmalTangentialschleuderRadialschleuder
Anordnung der WabenWabenfläche zeigt zur KesselwandWaben stehen wie Radspeichen senkrecht zur Mitte
Anzahl SeitenJeweils eine Seite; Wabe wird gewendetBeide Seiten werden gleichzeitig entleert
KapazitätMeist wenige Waben, kleiner BetriebViele Waben, mittlerer und großer Betrieb
AchtungWird eine volle Seite zu schnell geschleudert, bricht die WabeDrehzahl schrittweise erhöhen
  1. Ausbalancieren: Waben ähnlichen Gewichts gegenüber einsetzen; die Schleuder am Boden befestigen. Eine ungleiche Beladung bringt die Schleuder ins Wackeln.
  2. Langsam beginnen: Die ersten Umdrehungen mit niedriger Drehzahl. Bei der Tangentialschleuder die erste Seite halb leeren, die Waben wenden, die zweite Seite vollständig leeren, dann erneut wenden und die erste Seite fertig schleudern.
  3. Vorsicht bei frischen Waben: Neu ausgebaute, helle Waben sind brüchig; die Drehzahl noch niedriger halten.
  4. Kontrollieren: Die Wabe gegen das Licht halten und prüfen, ob noch Honig in den Zellen ist.
  5. Honig ablassen: Sobald sich unten in der Schleuder Honig sammelt, über den Quetschhahn in ein Gefäß mit Sieb ablassen; der Kessel darf sich nicht so weit füllen, dass der Honig die Waben berührt.
Wabenkorb einer Tangentialschleuder
Innenansicht einer Tangentialschleuder: Die Waben werden in Drahtkörbe gestellt, die Wabenfläche zeigt nach außen. Foto: Lviatour (Wikimedia Commons uploader) / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Motorbetriebene Honigschleuder aus Edelstahl
Motorbetriebene Edelstahlschleuder. Sie muss sauber, trocken und geruchsfrei sein. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie wird geschleuderter Honig gereinigt? Sieben und Klären

Sieben

Honig aus der Schleuder enthält Wachskrümel, Bienenteile und Schaum. Er wird vom Quetschhahn aus durch grobe und mittelfeine Siebe geleitet; verbreitet sind Doppelsiebe.

Zu fein sollte nicht gefiltert werden. Ein übermäßig feiner Filter entfernt auch die Pollenkörner; der Honig wird zwar klarer, doch die Spur, mit der sich botanische und geografische Herkunft im Labor nachweisen lässt, geht verloren. Honig mit reduziertem Pollengehalt muss nach vielen Vorschriften unter einer eigenen Bezeichnung (z. B. „gefilterter Honig“) gekennzeichnet werden.

Honig fließt aus dem Quetschhahn der Schleuder in einen Eimer
Honig fließt aus dem Quetschhahn der Schleuder. In diesem Schritt wird er durch ein Sieb in den Klärbehälter geleitet. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Klären

Geschleuderter Honig kommt nicht direkt ins Glas. Er ruht einige Tage im Klärbehälter; Luftblasen und feine Wachsteilchen steigen an die Oberfläche. Der Schaum wird abgeschöpft, der Honig über den unteren Quetschhahn in Gläser abgefüllt.

Wird dieser Schritt übersprungen, wirkt der Honig im Glas trüb und schaumig, und auch die Kristallisation verläuft ungleichmäßig. Der Deckel des Klärbehälters muss dicht schließen, der Raum warm und trocken sein.

Kunststoff-Klärbehälter mit Quetschhahn unten
Klärbehälter mit Quetschhahn unten. Oben wird der Schaum abgeschöpft, unten sauberer Honig abgefüllt. Foto: R. Henrik Nilsson / Wikimedia Commons · CC BY 4.0

Welche Materialien eignen sich zum Honigschleudern?

Honig ist sauer und greift ungeeignete Metalle an; abgelöstes Metall geht in den Honig über.

  • Geeignet: Edelstahl, lebensmittelechter Kunststoff, Glas.
  • Nicht geeignet: Unbeschichtetes Eisen und unbeschichteter Stahl, Kupfer, Zink, verzinktes Blech, alte Gefäße mit beschädigter Beschichtung.

Der Wert des sortenreinen Schleuderns

Nach Trachtzeit und Bienenstand getrennt zu schleudern bringt dreierlei: Die Angabe als Sortenhonig lässt sich belegen, die charakteristischen Unterschiede der Honige bleiben erhalten, und im Problemfall ist die Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Alles in einem Kessel zu vereinen, verspielt alle drei Vorteile. Geben Sie jeder Schleudercharge eine Losnummer mit Angaben zu Stand, Trachtzeit und Datum und notieren Sie auch den gemessenen Wassergehalt.

Nach dem Schleudern: Waben und Reinigung

  • Waben ausschlecken lassen: Geschleuderte Waben können abends den Völkern zum Ausschlecken zurückgegeben werden. Tun Sie das so, dass keine Räuberei entsteht: oben auf die Beuten und am ganzen Stand am selben Abend; niemals offen stehen lassen.
  • Lagern: Trockene, saubere Waben werden geschützt vor der Wachsmotte aufbewahrt.
  • Schleuder waschen: Schleuder und Gefäße werden mit lauwarmem Wasser gewaschen; zu heißes Wasser schmilzt das Wachs, das dann an den Flächen kleben bleibt. Wurde Spülmittel verwendet, gründlich nachspülen. Die Geräte erst wegräumen, wenn sie ganz trocken sind; zurückbleibendes Wasser und Honig verursachen Schimmel und Geruch.
Die häufigsten Fehler: unverdeckelte Waben ohne Messung des Wassergehalts schleudern, in einem für Bienen offenen Raum arbeiten, den Honig zum Beschleunigen erwärmen, ihm mit feinen Filtern den Pollen entziehen und Honig verschiedener Bienenstände vermischen.

Häufige Fragen

Kann man unverdeckelte Waben schleudern?

Wenn die Wabe größtenteils verdeckelt ist und der mit dem Refraktometer gemessene Wassergehalt unter 18 Prozent liegt, ja. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Honig gärt.

Muss man Honig zum Schleudern erwärmen?

Nein. Ein warmer Raum reicht aus. Erwärmen schädigt die Enzyme und erhöht den HMF-Wert.

Wie lange muss geschleuderter Honig ruhen?

Meist genügen einige Tage; sobald Schaum und Wachsteilchen an die Oberfläche gestiegen sind, wird der Honig abgefüllt.

Soll ich eine Tangential- oder eine Radialschleuder kaufen?

Für Imker mit wenigen Völkern reicht eine kleine Tangentialschleuder. Mit wachsender Völkerzahl spart eine Radialschleuder, die beide Seiten zugleich entleert, Zeit.

Was macht man mit den geschleuderten Waben?

Sie werden von den Bienen ausgeschleckt, getrocknet und geschützt vor der Wachsmotte für die nächste Saison gelagert.

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