Nektartracht nutzen

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Die Tracht (Nektartracht, Honigtracht) ist der Zeitraum, in dem die Trachtpflanzen einer Gegend reichlich Nektar oder Honigtau liefern und die Beuten rasch an Gewicht zunehmen. Der Honigertrag eines Jahres entscheidet sich meist in diesen wenigen Wochen, und während der Tracht selbst gibt es wenig zu tun; die eigentliche Arbeit beginnt 5–6 Wochen vorher. Diese Seite erklärt, wie man die Tracht erkennt, das Volk vorbereitet und was während und nach der Tracht zu tun ist.

Was ist eine Tracht?

In der Imkerei ist die „Trachtquelle“ die Pflanze oder Pflanzengemeinschaft, die die Bienen zur Honigbereitung nutzen. Die Haupttracht ist die Quelle, die in einer Gegend den wesentlichen Honigertrag des Jahres liefert (z. B. Robinie, Linde, Edelkastanie, Sonnenblume, Baumwolle, Zitrus oder Honigtau von Kiefern). Den Zeitraum, in dem diese Quelle reichlich Nektar oder Honigtau liefert, nennt man Tracht.

Dauer und Stärke der Tracht schwanken von Jahr zu Jahr. Dieselbe Pflanze kann je nach Temperatur, Bodenfeuchte und Niederschlag in einem Jahr reichlich und in einem anderen wenig Nektar geben. Deshalb sind Beobachtung und Messung wichtiger als der Kalender.

Honigbiene sammelt Nektar an Robinienblüten
Honigbiene an einer Robinienblüte (Scheinakazie). Die Robinie liefert im späten Frühjahr eine kurze, aber starke Tracht. Foto: Aiwok / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Honigbiene sammelt Nektar an einer Lindenblüte
Honigbiene an einer Lindenblüte. Die Lindentracht dauert im Frühsommer einige Wochen und ist sehr wetterabhängig. Foto: hedera.baltica from Wrocław, Poland / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
Honigbiene an einer Rapsblüte
Honigbiene an einer Rapsblüte. Raps ist eine frühe, nektarreiche Tracht; sein Honig kristallisiert schnell. Foto: Ivar Leidus / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Warum muss man 5–6 Wochen im Voraus planen?

Eine Arbeiterin schlüpft etwa 21 Tage nach der Eiablage, verrichtet dann zwei bis drei Wochen lang Ammen- und Bauarbeiten im Stock und wird danach zur Sammlerin. Die Bienen, die in der Haupttracht Nektar eintragen sollen, müssen also etwa 5–6 Wochen vor der Tracht als Ei gelegt worden sein.

Diese eine Rechnung bestimmt die gesamte Logik der Frühjahrsführung: Jede Maßnahme, die die Volksentwicklung beschleunigt (Füttern, Erweitern, Varroakontrolle, Schwarmverhinderung), wird von der Tracht aus rückwärts geplant. Wer erst handelt, wenn die Tracht blüht, ist zu spät dran.

Ei → Schlupf Stockarbeit SAMMLERIN — in der Tracht Ei ~3 Wochen ~5–6 Wochen Tracht rückwärts planen: etwa 5–6 Wochen Wer erst bei der Blüte handelt, ist zu spät. Diese Bienen hätten 5–6 Wochen vorher als Ei gelegt sein müssen.
Die Logik der Frühjahrsführung beruht auf dieser Rechnung: Die Sammlerinnen, die in der Tracht arbeiten sollen, müssen etwa 5–6 Wochen vor der Tracht als Ei gelegt worden sein.

Woran erkennt man, dass die Tracht begonnen hat?

  • Stockwaage: Sie ist der zuverlässigste Anzeiger. Blühende Pflanzen bedeuten noch keine Tracht; die tägliche Gewichtszunahme zeigt sie an. Schon eine einzige Beute auf der Waage gibt einen Anhaltspunkt für den ganzen Stand.
  • Weißes Wachs: Frisch gebautes, weißes Wachs an den Oberträgern und Wabenrändern zeigt den Beginn der Tracht an.
  • Flugloch: Dichter, schneller und gleichmäßiger Flugverkehr; Sammlerinnen kehren mit schwerem Hinterleib zurück.
  • Nektar in den Waben: Frischer Nektar glänzt in den Zellen; beim Neigen der Wabe tropft Flüssigkeit heraus.
  • Abendlicher Duft und Brausen: Nachts fächeln die Bienen, um dem Nektar Wasser zu entziehen; aus der Beute kommen ein deutliches Brausen und Honigduft.

Notieren Sie jedes Jahr den Trachtkalender Ihrer Gegend: welche Pflanze wann blühte, wann die Waage zu steigen begann und wann sie stehen blieb. Aufzeichnungen über einige Jahre sind das beste Werkzeug, um die Vorbereitung richtig zu timen.

Reger Bienenverkehr am Flugloch
Dichter, gleichmäßiger Verkehr am Flugloch ist eines der Zeichen für den Trachtbeginn. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Die wichtigsten Trachten in der Türkei und ihre Zeiten

Die folgende Tabelle gibt nur eine grobe Orientierung; je nach Höhenlage, Breitengrad und Witterungsverlauf können sich die Zeiten um Wochen verschieben.

TrachtUngefährer ZeitraumHauptregionen
ZitrusFrühjahrsbeginnMittelmeerküste
RapsFrühjahrThrakien, Marmara
RobinieSpätes FrühjahrMarmara, Thrakien und viele weitere Regionen
LindeFrühsommerMarmara, Schwarzmeerregion
EdelkastanieFrüh- bis HochsommerSchwarzmeerregion, Marmara, Ägäis
SonnenblumeHochsommerThrakien, Zentralanatolien
BaumwolleSpätsommerÇukurova, Ägäis, Südostanatolien
HochweideblumenSommerHochweiden Ost- und Zentralanatoliens
Kiefernhonigtau (Pinienhonig)Spätsommer bis HerbstÄgäis und westliches Mittelmeer
Watteartige Ausscheidung der Kiefernschildlaus an einem Zweig der Kalabrischen Kiefer
Weiße, watteartige Ausscheidung der Kiefernschildlaus (Marchalina hellenica) an einem Zweig der Kalabrischen Kiefer. Pinienhonig entsteht aus dem süßen Honigtau dieses Insekts. Foto: The original uploader was Diomidis Spinellis at English Wikipedia. / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Wie bereitet man das Volk auf die Tracht vor?

  • Starkes Volk: Bei Trachtbeginn muss der Brutraum voller Bienen sein und reichlich verdeckelte Brut enthalten.
  • Junge Königin: Eine junge, gut legende Königin beschleunigt die Frühjahrsentwicklung.
  • Geringer Varroabefall: Die Behandlung muss vor der Tracht und vor dem Aufsetzen des Honigraums abgeschlossen sein.
  • Genügend ausgebaute Waben: Honigräume und ausgebaute Waben werden im Voraus bereitgestellt.
  • Schwarmverhinderung: Ein Volk, das vor der Tracht schwärmt, verliert einen erheblichen Teil seiner Sammelkraft; rechtzeitig erweitern und bei Bedarf teilen.
  • Fütterung: Bei Trachtlücken wird vor der Tracht reizgefüttert; sobald der Honigraum aufgesetzt ist, wird die Sirupfütterung eingestellt.

Was tut man während der Tracht?

  1. Raum geben: Fehlt Platz zum Einlagern, sammeln die Bienen langsamer und die Schwarmneigung steigt. Ist der Honigraum zu drei Vierteln gefüllt, wird ein zweiter aufgesetzt.
  2. Ausgebaute Waben verwenden: Zum Ausbauen von Mittelwänden verbrauchen die Bienen Honig; fertige Waben werden direkt gefüllt.
  3. Durchsichten einschränken: Jedes Öffnen unterbricht die Sammeltätigkeit; die Beute nur wenn nötig öffnen und zügig kontrollieren.
  4. Waage beobachten: Nachlassende Tageszunahmen kündigen das Trachtende an.
  5. Auf Pflanzenschutzmaßnahmen achten: Halten Sie während der Tracht Kontakt zu Landwirten und örtlichen Stellen wegen Spritzungen in der Umgebung.
Bienenstand mit hoch aufgestockten Honigräumen
Ein gutes Trachtjahr: Beuten mit übereinander aufgesetzten Honigräumen. Rechtzeitiges Erweitern steigert den Ertrag unmittelbar. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Bienen auf einer Wabe mit eingelagertem Honig
Eine Honigwabe, die sich während der Tracht rasch füllt. Foto: Benlisquare / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Der Wert ausgebauter Waben

In der Tracht ist fertig ausgebautes Wabenwerk das wertvollste Kapital. Wachserzeugung kostet Energie, und diese Energie stammt aus dem Honig; bei kurzen, starken Trachten (z. B. Robinie) bedeuten Tage, die mit dem Ausbauen von Mittelwänden vergehen, direkten Honigverlust. Deshalb bewahren erfahrene Imker die ausgeschleuderten Honigraumwaben vor der Wachsmotte geschützt auf und halten sie für die nächste Tracht bereit. Müssen neue Waben ausgebaut werden, ist auch dafür der Trachtbeginn der beste Zeitpunkt.

Nach dem Ende der Tracht

Sobald die Tracht endet, ändert sich die Lage: Das Beutengewicht beginnt zu sinken, die Bienen werden stechlustig und es entsteht Räubereigefahr.

  • Ernte: Reifer Honig wird rechtzeitig entnommen; nach der Tracht können die Bienen beginnen, den Honigraum aufzuzehren.
  • Flugloch: Besonders bei schwachen Völkern wird es eingeengt.
  • Offener Honig und offene Waben: Nicht am Stand liegen lassen, zügig arbeiten.
  • Vorräte: Dem Volk genug Honig für die nächste Trachtlücke und den Winter lassen.
  • Varroa: Nach Abnahme des letzten Honigraums werden eine Milbenzählung und bei Bedarf die Bekämpfung geplant.

Mehrere Trachten und Wanderimkerei

In manchen Gegenden folgen in einer Saison mehrere Trachten aufeinander. Dann muss das Volk in den Lücken zwischen den Trachten stark gehalten, für jede Tracht gesondert vorbereitet und getrennt geerntet werden. Die Wanderimkerei ist die Fortführung dieses Gedankens: Die Völker werden nacheinander zu den aufblühenden Trachten gebracht. Vor dem Transport werden die Beuten fest verzurrt, die Fluglöcher am Abend verschlossen, und am neuen Standort erhält das Volk Wasser und Belüftung.

Häufige Fragen

Wann sollte man den Honigraum aufsetzen?

Wenn der Brutraum voller Bienen ist und die Tracht kurz bevorsteht; frisches weißes Wachs und eine steigende Stockwaage sind gute Zeichen. Wer zu spät kommt, riskiert Schwärme und entgangenen Honig.

Woran erkennt man das Ende der Tracht?

Die tägliche Zunahme auf der Stockwaage bleibt aus oder das Gewicht sinkt; der Flugverkehr lässt nach, die Bienen werden stechlustig und erste Räubereiversuche beginnen.

Sollte man die Beute während der Tracht öffnen?

Nur wenn nötig und nur kurz. Kontrolliert werden Platzmangel und Schwarmanzeichen; unnötige Durchsichten unterbrechen die Sammeltätigkeit.

Darf man während der Tracht Zuckersirup füttern?

Nein. Solange der Honigraum aufgesetzt ist, wird kein Sirup gefüttert; sonst ist das eingelagerte Produkt kein Honig.

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