Pflegevölker

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Das Pflegevolk (Finisher) ist ein starkes Volk, das die im Anbrüter angenommenen Weiselzellen bis zur Verdeckelung und Reife versorgt; meist wird seine Königin mit einem Absperrgitter im unteren Raum gehalten. Da in diesem Volk entschieden wird, wie viele Tage lang und wie viel Futtersaft die Larve in der Zelle erhält, entsteht ein großer Teil der Königinnenqualität im Pflegevolk. Auf dieser Seite werden Einrichtung, Wabenanordnung, Pflegeplan und häufige Fehler Schritt für Schritt erklärt.

Wozu dient das Pflegevolk?

Das Anbrütervolk sorgt nur am ersten Tag für die Annahme der Zellen. Die Larve vom 1. bis zum 10. Tag nach dem Umlarven ununterbrochen mit Futtersaft zu versorgen, die Zelle mit Wachs zu verlängern und zu verdeckeln und in der verdeckelten Phase die Temperatur zu halten, ist Aufgabe des Pflegevolkes. Mangel an Futter oder Ammenbienen in dieser Zeit verursacht einen dauerhaften Qualitätsverlust, der von außen nicht zu erkennen ist, sich aber später als kleine, schwach legende Königin zeigt.

Für die Versorgung ist Weisellosigkeit nicht nötig. Deshalb wird das Pflegevolk meist weiselrichtig eingerichtet: Das Volk behält seine normale Ordnung, verbraucht sich nicht und kann während der Saison immer wieder genutzt werden.

Arten von Pflegevölkern

ArtEinrichtungVorteilNachteil
Weiselrichtiges PflegevolkKönigin im unteren Raum, Zuchtrahmen über dem AbsperrgitterLanglebig, verbraucht sich nicht, geringe Neigung zu wilden WeiselzellenErfordert ein sehr starkes Volk und regelmäßiges Umhängen von Brut
Weiselloses PflegevolkVolkreiches Volk ohne KöniginSehr starke VersorgungVerbraucht sich schnell; zieht eigene Weiselzellen
Anbrüter-PflegevolkDasselbe Volk nimmt an und pflegt fertigArbeiten mit wenigen Völkern möglichLängere Weisellosigkeit; wechselnde Qualität und Annahme

Wie richtet man ein weiselrichtiges Pflegevolk ein?

  1. Volk auswählen: Wählen Sie ein gesundes, sanftmütiges und gut versorgtes Volk, das mindestens zwei Zargen füllt. Ein schwaches Volk taugt nicht als Pflegevolk.
  2. Königin nach unten: Suchen Sie die Königin und lassen Sie sie mit den Brutwaben im unteren Raum. Zwischen die Zargen kommt ein Absperrgitter.
  3. Oberraum einrichten: Hängen Sie von unten ein bis zwei Waben mit offener Brut, eine Pollenwabe und Honigwaben in den Oberraum. Der Platz für den Zuchtrahmen ist zwischen offener Brut und Pollenwabe.
  4. Einen Tag warten: Die Ammenbienen folgen der offenen Brut nach oben. Geben Sie die Zellen einen Tag nach dem Einrichten.
  5. Füttern: Mit Futtertasche oder Futterzarge Sirup und bei Bedarf Pollenersatz geben. Bei Trachtlücken darf die Fütterung keinesfalls unterbrochen werden.
  6. Zellen einhängen: Die im Anbrüter angenommenen Leisten zügig und ohne Erschütterung in den Oberraum des Pflegevolkes umsetzen; Seriennummer und Umlarvdatum auf den Rahmen schreiben.
Schema der Wabenanordnung im weiselrichtigen Pflegevolk
Schema eines weiselrichtigen Pflegevolkes: im unteren Raum Königin und junge Brut; über dem Absperrgitter (Queen Excluder) der Zuchtrahmen, daneben Pollen und Honig, auf der anderen Seite junge offene Brut und schlüpfende verdeckelte Brut. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Absperrgitter aus Kunststoff
Absperrgitter aus Kunststoff: Arbeiterinnen passen durch die Schlitze, die größere Königin nicht. Im weiselrichtigen Pflegevolk ist es das Teil, das die Königin von den Zellen fernhält. Foto: Robert Engelhardt / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Wo in der Beute hängt der Zuchtrahmen?

Der Zuchtrahmen kommt in die Mitte des Oberraums, dorthin, wo die Ammenbienen am dichtesten sitzen. Am besten ist es, wenn auf einer Seite junge offene Brut und auf der anderen Pollen hängt: Die offene Brut zieht die Ammen an, und der Pollen liefert das für die Futtersaftbildung nötige Eiweiß direkt daneben.

  • Warme Zone: Die Zellen dürfen nicht am Rand oder in einer kühlen Ecke der Beute hängen; besonders in Frühjahrsnächten, die abkühlen, können Randzellen auskühlen.
  • Wabenabstand: Die Waben beiderseits der Zellen müssen so weit entfernt sein, dass die Zellen sich verlängern können; sonst bauen die Bienen die Zellen an die Nachbarwabe an.
  • Grundsatz: eine Serie: Zwei offene (unverdeckelte) Serien gleichzeitig im selben Pflegevolk teilen die Versorgung. Die neue Serie wird erst gegeben, wenn die vorige verdeckelt ist.

Wie viele Zellen kann ein Pflegevolk versorgen?

Die Zahl der Zellen, die ein Volk versorgen kann, ist begrenzt und hängt von Volksstärke, Anteil junger Bienen und Tracht ab. Werden mehr Zellen gegeben, als die Kapazität zulässt, bekommen alle Larven weniger Futtersaft, und das Ergebnis sind kurze, kleine Zellen.

Praktisch geht man so vor: In den ersten Serien mit wenigen Zellen beginnen und bei den verdeckelten Zellen auf Länge, Dicke und Oberflächenstruktur achten; sind die Zellen groß und gleichmäßig, die Zahl in den folgenden Serien schrittweise erhöhen. Sobald die Zellen kleiner werden, ist die Grenze überschritten. Wenige gut versorgte Zellen sind immer wertvoller als viele schwache.

Große verdeckelte Weiselzellen an einem aus dem Pflegevolk gezogenen Rahmen
Aus dem Pflegevolk gezogener Zuchtrahmen: Die Zellen sind verdeckelt, lang und haben eine gerippte Oberfläche. Die dichte Bienenbesetzung ist das Kennzeichen eines guten Pflegevolkes. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Pflegeplan für das Pflegevolk

ZeitpunktArbeitsschritt
Vor jeder SerieFrische Waben mit offener Brut von unten nach oben hängen; die oben verdeckelte Brut nach unten bringen.
4–5 Tage nach Einhängen der ZellenBrutwaben im Oberraum kontrollieren; wilde Weiselzellen, die die Bienen aus eigenen Larven gezogen haben, ausbrechen. Den Zuchtrahmen dabei nicht erschüttern.
LaufendSirup- und Pollenversorgung nicht unterbrechen; das Futtergefäß nie leer lassen.
WöchentlichMit schlupfreifer verdeckelter Brut aus anderen Völkern die Kraft an jungen Bienen erneuern.
Tag 10Reife Zellen entnehmen, verteilen oder in den Brutschrank bringen.
SaisonmitteVarroabefall beobachten; ein Pflegevolk mit Erschöpfungsanzeichen ruhen lassen.
Eine einzige übersehene wilde Weiselzelle im Pflegevolk kann einen Tag vor Ihren Zellen eine Königin hervorbringen und die ganze Serie töten. Jede nach oben gehängte Brutwabe muss darauf unbedingt kontrolliert werden.

Woran erkennt man eine gut gepflegte Zelle?

  • Länge: Eine lange, gerade herabhängende Zelle; kurze, stumpfe Zellen deuten auf unzureichende Versorgung hin.
  • Oberfläche: Eine mit Wachs strukturierte, gerippte (erdnussschalenartige) Oberfläche; eine glatte, dünne Wand ist ein Zeichen schwacher Pflege.
  • Form: Krumme, zur Seite gekippte oder an die Nachbarwabe angebaute Zellen können beschädigt sein.
  • Gleichmäßigkeit: Ähnlich große Zellen innerhalb einer Serie zeigen, dass die Larven im gleichen Alter umgelarvt und gleichmäßig versorgt wurden.
Aus Kunststoffnäpfchen fertiggestellte, verdeckelte große Weiselzellen
Aus Kunststoffnäpfchen fertiggestellte, verdeckelte große Weiselzellen. Die Wachsstruktur der Oberfläche und die gleiche Länge zeugen von guter Pflegearbeit. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Häufige Fehler und ihre Lösungen

  • Mangel an Ammenbienen: Wird keine offene Brut nach oben gehängt, bleiben die jungen Bienen unten. Lösung: Vor jeder Serie frische offene Brut nach oben bringen.
  • Futterlücke: An Regentagen bricht die natürliche Tracht plötzlich ab. Lösung: Das Futtergefäß stets gefüllt halten.
  • Kalter Transport: Liegen die Leisten beim Umsetzen vom Anbrüter ins Pflegevolk offen herum, kühlen die Larven aus. Lösung: Die Völker nebeneinander aufstellen und die Leisten mit einem feuchten Tuch abdecken.
  • Verdeckelte Zellen erschüttern: Bei der Kontrolle auf wilde Weiselzellen wird der Zuchtrahmen grob behandelt. Lösung: Die Kontrolle erfolgt, ohne den Zuchtrahmen zu berühren.
  • Dasselbe Volk nie ruhen lassen: In einer langen Saison ermüdet auch das Pflegevolk; zwei Pflegevölker im Wechsel zu nutzen, ist sicherer.

Häufige Fragen

Muss das Pflegevolk unbedingt weiselrichtig sein?

Nein, auch weisellose Pflegevölker werden genutzt und versorgen sehr gut; sie verbrauchen sich jedoch schnell. Für eine lange Saison und fortlaufende Zucht ist ein weiselrichtiges Pflegevolk besser geeignet.

Wie viele Tage bleiben die Zellen im Pflegevolk?

Nach der Entnahme aus dem Anbrüter bis zum 10. Tag nach dem Umlarven. An diesem Tag werden die reifen Zellen verteilt oder in den Brutschrank gebracht.

Was tun, wenn im Pflegevolk von selbst Weiselzellen entstehen?

Wilde Weiselzellen auf den Brutwaben im Oberraum werden ausgebrochen, sobald man sie findet. Diese Kontrolle muss bei jeder Serie einige Tage nach dem Einhängen der Zellen erfolgen.

Wird das Pflegevolk auch zur Gelée-royale-Erzeugung genutzt?

Ja. Bei der Gelée-royale-Erzeugung werden die Zellen nicht bis zur Verdeckelung gelassen, sondern etwa 3 Tage nach dem Umlarven geerntet; das Pflegevolk arbeitet dann als Erzeugungsvolk, das laufend neue Rahmen versorgt.

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