Zuchtsystem mit Legekäfig

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Käfigsysteme ohne Umlarven (z. B. das Jenter-System; im Imkeralltag meist einfach Jenter-Kasten genannt) sind Vorrichtungen zur Königinnenzucht, bei denen die Königin in einem Kunststoffkasten in herausnehmbare Zellböden legt und man Weiselzellen erhält, ohne die Larve je zu berühren. Da kein Geschick im Übertragen von Larven mit dem Umlarvlöffel nötig ist, die Larve nicht verletzt wird und gleich alte Larven entstehen, erleichtert das Verfahren Einsteigern die Zucht. Unten werden die Teile der Vorrichtung, der Ablauf Tag für Tag, worauf zu achten ist und die Grenzen des Systems erklärt.

Wie funktioniert die Königinnenzucht ohne Umlarven?

Beim klassischen Verfahren nimmt der Imker die eintägige Larve mit einem Löffel aus der Wabenzelle und setzt sie in ein Weiselnäpfchen (Umlarven). Bei Käfigsystemen ohne Umlarven wird die Larve dagegen gar nicht bewegt: Die Königin legt direkt in herausnehmbare Kunststoffböden, die wie Wabenzellen geformt sind. Sind die Eier geschlüpft und haben die Larven das richtige Alter erreicht, werden diese Böden an der Rückseite des Kastens entnommen, auf Halter gesteckt und auf die Zuchtleiste gereiht. So gelangt die Larve mitsamt dem Untergrund, auf dem sie geschlüpft ist, in das Zuchtvolk.

Der eigentliche Vorteil des Systems ist, dass Fingerfertigkeit, gute Sicht und Licht, die das Aufnehmen der kaum sichtbaren eintägigen Larve mit dem Löffel erfordert, entfallen. Die Biologie ist dieselbe wie beim Umlarven: Die Larve wird auch hier in Anbrüter- und Pflegevölkern als Königin versorgt.

Die Teile der Vorrichtung

  • Kasten (Wabenkassette): Ein Kunststoffkörper, der in die Mitte einer Wabe eingebaut wird, vorn wie Wabenzellen geformt und hinten mit einem Deckel verschlossen.
  • Zellböden (Bodenstopfen): Kleine Kunststoffteile, die einzeln an der Rückseite des Kastens herausgenommen werden können; die Königin legt in die Zellen, die sie bilden.
  • Vordere Gitterabdeckung: Hält die Königin im Kasten; die Arbeiterinnen gelangen durch das Gitter und können Eier und Larven pflegen.
  • Halter und Näpfchen: Senkrecht stehende Teile nach Art eines Weiselnäpfchens, auf die der entnommene Boden gesteckt wird; die Halter werden auf die Zuchtleiste gesetzt.
  • Zuchtleiste und Rahmen: Wie beim klassischen Umlarven die Leiste, auf der die Halter aufgereiht werden, und der Zuchtrahmen.
Mit Haltern und Näpfchen bestückter Zuchtrahmen
Ein mit Haltern und Näpfchen bestückter Zuchtrahmen. Bei Systemen ohne Umlarven werden die Zellböden mit Larve auf solche Halter gesteckt und auf der Leiste aufgereiht. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie verwendet man ein Käfigsystem ohne Umlarven Schritt für Schritt?

Im folgenden Zeitplan gilt der Tag, an dem die Königin in den Kasten gesperrt wird, als „Tag 0“.

TagArbeitsschritt
−5 bis −3Die Wabe mit dem Kasten ins Brutnest des Zuchtvolkes hängen; die Bienen sollen den Kasten putzen, polieren und mit ihrem Geruch versehen.
0Die Königin in den Kasten setzen und die Gitterabdeckung schließen.
1Prüfen, ob in den Böden Eier liegen; bei genügend Eiern die Königin freilassen.
3Die Eier beginnen zu schlüpfen.
4Böden mit Larven herausnehmen, auf Halter stecken, auf die Leiste reihen und dem Anbrütervolk geben.
5Annahme kontrollieren; angenommene Zellen ins Pflegevolk umsetzen.
14Reife Zellen (10. Tag nach dem Umsetzen) samt Haltern verteilen.

1. Den Kasten vorher ans Volk gewöhnen

Wird ein neuer Kunststoffkasten direkt eingehängt, wird er oft nicht angenommen, und die Königin legt nicht. Hängt man die Wabe mit Kasten einige Tage vorher ins Brutnest des Zuchtvolkes, putzen die Bienen die Oberfläche und überziehen sie mit Wachs. Dass der Kasten fest in der Wabe sitzt und ringsum keine Lücken bleiben, erleichtert ebenfalls die Annahme.

2. Die Königin einsperren

Die Königin wird in den Kasten gesetzt und die Gitterabdeckung geschlossen. Die Wabe mit dem Kasten kommt wieder in die Mitte des Brutnestes, in die warme Zone. Meist genügt es, die Königin etwa einen Tag eingesperrt zu halten.

3. Die Königin freilassen

Sobald in den Böden genügend Eier zu sehen sind, wird die Abdeckung geöffnet, und die Königin kehrt ins Volk zurück. Bleibt die Königin lange eingesperrt, stört das die Ordnung im Volk und kann dazu führen, dass mehrere Eier in dieselbe Zelle gelegt werden.

4. Das Larvenalter abwarten und die Böden umsetzen

Das Ei schlüpft nach drei Tagen. Am besten geeignet ist eine Larve innerhalb des ersten Tages nach dem Schlupf; in der Praxis ist das etwa 4 Tage nach dem Einsperren der Königin. Die Böden mit Larven werden hinten aus dem Kasten genommen, auf Halter gesteckt, und die Leiste wird in den Rahmen gesetzt. Das Umsetzen erfolgt zügig an einem kühlen, schattigen und windstillen Ort, ohne dass die Larven austrocknen.

5. In Anbrüter und Pflegevolk geben

Die Leisten kommen in ein weiselloses, volkreiches und an jungen Bienen reiches Anbrütervolk. Die angenommenen Zellen werden einen Tag später ins Pflegevolk gebracht. Ab hier ist alles genau wie beim klassischen Umlarven.

Weiselzellen unter den Haltern, die die Bienen auszuziehen beginnen
Angenommene Zellen unter den Haltern, die bereits mit Wachs verlängert werden. Nach der Annahme geht es wie beim klassischen Umlarven im Pflegevolk weiter. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Verdeckelte reife Weiselzellen auf Haltern
Verdeckelte reife Zellen auf den Haltern einer aus dem Pflegevolk gezogenen Leiste. Jede Zelle kann samt Halter entnommen und in ein Begattungskästchen gegeben werden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Worauf muss man achten?

  • Der Zeitplan ist genau einzuhalten: Werden die Böden zu spät entnommen, wächst die Larve, und die Königinnenqualität sinkt; ein Tag Verspätung wirkt sich deutlich aus. Notieren Sie den Zeitplan.
  • Der Kasten muss angenommen sein: In einen Kasten, den die Bienen nicht angenommen haben, legt die Königin nicht; lassen Sie ihn dann noch einige Tage im Volk und versuchen Sie es erneut.
  • Gute Tracht und Fütterung: Damit die Königin im Kasten legt, muss das Volk in Legestimmung sein, der Futterfluss also anhalten.
  • Die Königin nicht lange einsperren: Ein unnötig langes Einsperren wirkt sich negativ auf Königin und Volk aus.
  • Sauberkeit: Kunststoff nimmt Gerüche an; Kasten und Böden sollten mit heißem Wasser gereinigt, von Chemikalien ferngehalten und verschlossen gelagert werden.
  • Auf ein Ei pro Zelle achten: Böden mit mehreren Eiern oder leere Böden nicht umsetzen.
Reife Weiselzelle samt Halter in die Wabenfläche gesetzt
Eine auf dem Halter herangewachsene reife Zelle, samt Halter in die Wabenfläche gedrückt und so dem Volk gegeben. Der Halter erleichtert den Transport, ohne die Zelle zu quetschen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Vergleich: System ohne Umlarven und klassisches Umlarven

KriteriumKäfigsystem ohne UmlarvenKlassisches Umlarven
GeschickKein Geschick im Larvenübertragen nötigErfordert Übung, gute Sicht und Licht
LarvenschädenDie Larve wird nicht berührtIn ungeübten Händen Verletzungen möglich
LarvenalterBekannt und einheitlichHängt von der Auswahl des Umlarvenden ab
Eingriff bei der KöniginDie Königin wird in den Kasten gesperrtDie Königin wird nicht angefasst
FlexibilitätErfordert VorausplanungAm selben Tag von jeder Wabe mit passenden Larven möglich
KostenVorrichtung und Ersatzteile nötigEin Löffel und Näpfchen genügen
SerienzuchtFür mittlere Größenordnung geeignetIm großen Maßstab schneller

Kurz gesagt sind Systeme ohne Umlarven ein zuverlässiger Einstieg für Anfänger oder Züchter, die in der Nähe schlecht sehen. Betriebe, die sehr viele Königinnen erzeugen, bevorzugen dagegen meist wegen Tempo und Flexibilität das klassische Umlarven; viele Züchter nutzen beide Methoden nebeneinander.

Häufige Fehler

  • Den Kasten ohne Eingewöhnung verwenden: Die Königin legt nicht, Tage gehen verloren.
  • Ein schwaches oder trachtloses Volk wählen: Eine Königin mit geringer Legelust nutzt den Kasten nicht.
  • Kein Datum notieren: Bei Böden, von denen man nicht weiß, an welchem Tag eingesperrt wurde, lässt sich das Larvenalter nicht abschätzen.
  • Böden in der Sonne umsetzen: Die Larven trocknen innerhalb von Minuten aus.
  • Den Kasten verschmutzt lagern: Riechender oder verschimmelter Kunststoff senkt in der nächsten Saison die Annahme.

Häufige Fragen

Sind Königinnen aus dem Jenter-Kasten (Käfigsystem ohne Umlarven) besser?

Solange das Larvenalter stimmt und die Zuchtvölker gut vorbereitet sind, ist die Qualität dieselbe wie beim klassischen Umlarven. Über die Qualität entscheiden nicht die Methode, sondern Larvenalter und Versorgung.

Was tun, wenn die Königin nicht in den Kasten legt?

Möglicherweise haben die Bienen den Kasten noch nicht ausreichend angenommen, oder das Volk ist nicht in Legestimmung. Lassen Sie den Kasten noch einige Tage im Brutnest und füttern Sie das Volk.

An welchem Tag werden die Böden umgesetzt?

Etwa 4 Tage nach dem Einsperren der Königin, wenn die Larven gerade aus dem Ei geschlüpft sind.

Kann man mit diesem System Gelée royale gewinnen?

Technisch ja, doch da die Gelée-royale-Erzeugung sehr viele Zellen und häufige Wiederholung erfordert, ist das klassische Umlarven meist praktischer.

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