Winterpflege

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Winterpflege umfasst alle Arbeiten, die dafür sorgen, dass ein Bienenvolk die kalten Monate mit gesunden Winterbienen, ausreichendem und erreichbarem Futter und einer trockenen Beute übersteht. Das Volk, das den Winter überleben soll, wird eigentlich im Spätsommer und Herbst vorbereitet; im Winter bleibt dem Imker, die Beute von außen zu beobachten, ohne sie zu öffnen, und in Notfällen einzugreifen.

Welche drei Voraussetzungen braucht ein Volk, um den Winter zu überleben?

Ob ein Bienenvolk heil durch den Winter kommt, hängt von drei Grundvoraussetzungen ab. Fehlt eine davon, retten die beiden anderen das Volk meist nicht:

  • Gesunde Winterbienen: Langlebige Bienen, die im Spätsommer bei niedriger Varroalast aufgezogen wurden und einen gut entwickelten Fettkörper besitzen.
  • Ausreichendes und erreichbares Futter: Die Lage ist so wichtig wie die Menge; der Honig muss über und neben der Wintertraube liegen.
  • Trockenes Beuteninneres: Eine intakte Beute, in der kein Kondenswasser tropft und deren Belüftung nicht unterbrochen ist.
Überwinternde Beuten auf einem verschneiten Bienenstand
Ein stiller Bienenstand an einem verschneiten Tag. Die Beuten stehen erhöht auf Ständern, die Deckel sitzen fest; im Winter gilt es, diese Ordnung zu bewahren und von außen zu beobachten. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Was sind Winterbienen und warum sind sie so wichtig?

Im Sommer lebt eine Arbeiterin nur wenige Wochen. Die im Spätsommer und Herbst aufgezogenen Winterbienen dagegen können monatelang leben. Möglich machen das ein gut entwickelter Fettkörper und die darin gespeicherten Nährstoffreserven (vor allem das Protein Vitellogenin).

Die Milbe Varroa destructor ernährt sich genau von diesem Gewebe und überträgt Viren auf die Bienen. Ist die Milbenlast in der Zeit, in der die Winterbienen aufgezogen werden, hoch, schlüpfen schwache, kurzlebige Bienen. Das Ergebnis ist bekannt: Das Volk schwindet mitten im oder am Ende des Winters rasch; in der Beute bleibt reichlich Honig, aber keine Bienen.

Der erste Schritt der Wintervorbereitung ist deshalb nicht die Fütterung, sondern die rechtzeitige Varroamessung und -behandlung im Spätsommer. Einzelheiten stehen auf den Seiten Herbstpflege und Sommerpflege.

Wie funktioniert die Wintertraube?

Wird es kalt (meist bei etwa 14 °C und darunter), bilden die Bienen zwischen den Waben eine dichte Wintertraube (Wintersitz). Die Bienen der äußeren Hülle krallen sich eng aneinander und isolieren; die Bienen im Inneren erzeugen durch Muskelzittern Wärme. Während das Innere der Traube warm gehalten wird, kann der Rest der Beute so kalt sein wie die Außenluft.

Während die Traube den Honig verzehrt, wandert sie langsam nach oben. Seitwärts kann sie sich bei Kälte dagegen kaum bewegen. Viele Regeln der Winterpflege beruhen auf dieser einfachen Tatsache.

Wie viel Winterfutter braucht ein Volk und wo sollte es liegen?

  • Die Menge hängt von der Region ab: In Küstengebieten mit kurzem, mildem Winter braucht man wenig, im Hochland mit langem, strengem Winter deutlich mehr Futter. Dieser Bedarf liegt grob zwischen 10 und 25 kg; das verlässlichste Maß ist, den Verbrauch der überwinternden Völker am eigenen Stand aufzuzeichnen.
  • Schätzen nach Waben: Eine volle, verdeckelte Langstroth-Brutwabe trägt etwa 2–2,5 kg Honig; die Zahl der vollen Waben gibt einen schnellen Eindruck vom Vorrat.
  • Rechtzeitig auffüttern: Winterfutter muss bei Temperaturen gegeben werden, bei denen die Bienen es verarbeiten und verdeckeln können. Zu spät gegebenes Futter bleibt feucht und kann gären.
  • Vorsicht mit Honigtauhonig: Honigtauhonige wie Pinienhonig sind reich an Mineralstoffen und bestimmten Zuckern; bei Völkern, die lange keinen Reinigungsflug machen können, können sie Durchfall (Ruhr) auslösen. In Regionen mit strengem Winter wird empfohlen, einen Teil des Honigtauhonigs im Brutraum durch Blütenhonig oder Zuckerlösung zu ersetzen.
  • Lage des Futters: Die Traube wandert nach oben; das Futter muss über und unmittelbar neben der Traube liegen.

Was ist Isolationshunger?

Es reicht nicht, dass Honig in der Beute ist; die Traube muss ihn auch erreichen können. In einer langen Kälteperiode kann die Traube nicht auf die Nachbarwabe wechseln. Das Ergebnis überrascht: Das Volk kann verhungern, während zwei Waben weiter volle Honigwaben hängen. Das nennt man Isolationshunger.

RICHTIG HONIG Traube Futter über der Traube Traube wandert nach oben FALSCH HONIG HONIG Traube ✕ Futter liegt seitlich Traube kann bei Kälte nicht seitwärts
Isolationshunger: In der Beute ist Honig, aber die Traube erreicht ihn nicht. Beim Einwintern muss das Futter über die Traube gebracht werden.
Verhungerte Bienen, mit dem Kopf in den Zellen
Typisches Bild eines verhungerten Volkes: Die Bienen sind mit dem Kopf in den Zellen gestorben, auf der Suche nach dem letzten Tropfen Honig. Hängt neben dieser Wabe eine volle Honigwabe, ist das Problem Isolationshunger. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Warum sind Feuchtigkeit und Belüftung im Winter so entscheidend?

Die Traube hält Kälte aus; ständig auf sie tropfendes Kondenswasser hält sie nicht aus. Der Wasserdampf aus der Atmung der Bienen kondensiert unter dem kalten Deckel und tropft herab. Nasse Bienen verlieren Wärme, die Waben schimmeln.

  • Der Deckel muss dicht sein, Regen- und Schmelzwasser dürfen nicht eindringen.
  • Die Beute sollte leicht nach vorn geneigt stehen, damit sich sammelndes Wasser durch das Flugloch abfließt.
  • Die Belüftung darf nicht unterbrochen werden: Das Flugloch wird eingeengt, aber nie ganz verschlossen; eine luftdicht verschlossene Beute hält die Feuchtigkeit im Inneren fest.
  • Die Beute sollte vom Boden abgehoben sein: Bodenfeuchte und -kälte dürfen nicht direkt auf den Boden der Beute übergehen.
  • Eine Dämmung unter dem Deckel (z. B. Dämmmaterial auf der Innenabdeckung) hilft, dass sich Kondenswasser nicht über der Traube, sondern an den Beutenwänden bildet.

Mäuse, Ratten und andere Winterschädlinge

Sobald sich die Traube gebildet hat, bewacht niemand mehr das Flugloch. Eine warme, honiggefüllte Beute ist für Mäuse ein idealer Winterunterschlupf; sie zernagen die Waben und verschmutzen die Beute mit ihrem Nest.

Gelochtes Metall-Mäusegitter am Flugloch
Gelochtes Mäusegitter aus Metall am Flugloch. Die Löcher lassen Bienen durch, halten aber Mäuse fern. Es muss im Herbst angebracht werden, bevor sich die Traube bildet. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Maus mit Nest am Boden der Beute
Eine Maus, die sich in der Beute eingenistet hat. Abgenagte Wabenstücke und Nistmaterial sind die ersten Anzeichen von Mäuseschäden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Von Ratten im Winter beschädigte Beute
Im Winter von Ratten zernagte Beute: Waben zerfetzt, der Platz vor der Beute voller Gemüll. Ein stabiles Mäusegitter verhindert dieses Bild. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
  • Mäusegitter oder Fluglochkeil werden im Herbst vor den ersten Frösten angebracht.
  • In manchen Regionen können Spechte im Winter die Beutenwände aufhacken; ein Drahtgeflecht schützt davor.
  • Gegen Wind, Schneelast und Tiere werden die Beuten mit Spanngurten gesichert und mit Gewichten beschwert.
Mit Spanngurten am Ständer gesicherte Beuten
Gegen Sturm und Umwerfen durch Tiere mit Spanngurten am Ständer befestigte Beuten. In einer umgestürzten Beute löst sich die Traube auf, und das Volk kann binnen weniger Stunden sterben. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Was sollte der Imker den Winter über tun?

Im Winter wird die Beute nicht geöffnet. Die Traube zu zerstreuen, Wärme entweichen zu lassen und den mit Propolis abgedichteten Deckel aufzubrechen, schadet dem Volk. Was zu tun ist, geschieht von außen:

  1. Gewichtskontrolle: Durch leichtes Anheben der Beutenrückseite oder Wiegen mit einer Handwaage wird der Vorrat verfolgt. Beuten, die leichter werden, werden notiert.
  2. Fluglochkontrolle: Das Flugloch darf nicht durch tote Bienen, Schnee oder Eis verstopft sein. Einen verstopften Eingang mit einem dünnen Stäbchen freimachen, ohne die Beute zu erschüttern.
  3. Das Flugbrett beobachten: An sonnigen, milden Tagen (ab etwa 10 °C) machen die Bienen einen Reinigungsflug. Flugbetrieb ist ein gutes Zeichen.
  4. Abhorchen: Ein leises, gleichmäßiges Summen, wenn man das Ohr an die Beutenwand legt, zeigt, dass die Traube lebt.
  5. Kontrolle nach Sturm: Deckel, Gurte und Ständer werden überprüft.
Dunkelbraune Kotflecken vor der Beute
Dunkelbraune Kotflecken auf dem Flugbrett und an der Beutenwand sind ein Zeichen von Durchfall (Ruhr). Sie treten bei Völkern auf, die lange nicht fliegen konnten oder mit feuchtem oder ungeeignetem Futter überwintern; besteht Verdacht auf Nosemose, ist eine Laboruntersuchung nötig. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie füttert man im Winter im Notfall?

Ist das Gewicht auf ein kritisches Maß gesunken, ist eine Notfütterung nötig. Bei Kälte wird kein flüssiges Futter gegeben: Die Bienen können es nicht verarbeiten, kaltes Futter kühlt die Traube aus und erhöht die Feuchtigkeit in der Beute. Stattdessen verwendet man festes Futter.

Futterteig (Fondant) auf den Rähmchen mit Bienen
Direkt über der Traube auf die Oberträger gelegter Futterteig (Fondant). Die Bienen müssen Kontakt zum Teig haben; am Rand liegender Teig wird nicht genutzt. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
  • Futterteig (Fondant) oder Zuckerteig wird genau über die Traube auf die Oberträger oder unter das Loch der Innenabdeckung gelegt.
  • Die Beute wird kurz und in einem milden Moment geöffnet, möglichst um die Mittagszeit; Waben werden nicht gezogen.
  • Die Teigpackung wird oben aufgeschnitten, sodass die Bienen eine Fläche erreichen; der Rest der Verpackung kann bleiben, damit der Teig nicht austrocknet.
  • Gegen Ende des Winters, wenn die Brut einsetzt, steigt der Verbrauch rasch; ist der Teig aufgebraucht, wird nachgelegt.
Denken Sie daran: Im Winter lässt sich nur wenig tun. Die Ursache der meisten Winterverluste wird nicht im Winter, sondern im Spätsommer und Herbst gelegt: hohe Varroalast, unzureichendes oder falsch platziertes Futter, schwache und weiselgestörte Völker.

Am Winterende gestorbene Völker: Ursachen untersuchen

Eine Beute, die den Winter nicht überstanden hat, liefert wertvolle Informationen für das nächste Jahr. Verschließen Sie die Beute, sobald das Frühjahr kommt, damit keine Räuberei einsetzt, und untersuchen Sie sie dann:

  • Tote Bienen mit dem Kopf in den Zellen und kein Honig in der Nähe: Verhungern; Honig in der Nähe: Isolationshunger.
  • Sehr wenige tote Bienen, reichlich Honig: Das Volk ist mitten im Winter geschwunden; häufigste Ursache sind Varroa und die damit verbundenen Viren.
  • Kotflecken in der Beute: Durchfall; Futterqualität, Feuchtigkeit oder Nosema kommen in Betracht.
  • Auffällige Brutreste oder übler Geruch: Verdacht auf eine Brutkrankheit; die Waben nicht in anderen Völkern verwenden und bei Bedarf das zuständige Veterinäramt fragen.

Häufige Fragen

Darf man die Beute im Winter öffnen?

Nein, eine Routinedurchsicht findet nicht statt. Nur um im Notfall Futterteig zu geben, darf der Deckel an einem milden, windstillen Moment kurz geöffnet werden; Waben werden nicht gezogen.

Sollte man das Flugloch im Winter ganz verschließen?

Nein. Es wird eingeengt und mit einem Mäusegitter versehen, aber nicht verschlossen; in einer verschlossenen Beute sammelt sich Feuchtigkeit, und die Bienen können keinen Reinigungsflug machen.

Sollte ich die Beute in eine Decke oder Folie einpacken?

Luftdichte Verpackungen halten Feuchtigkeit fest und können schaden. Windschutz und eine Dämmung auf dem Deckel sind nützlich, die Belüftung muss aber immer offen bleiben.

Kann man im Winter Zuckerlösung füttern?

In der kalten Zeit wird flüssiges Futter nicht empfohlen; die Bienen können es nicht verarbeiten, und die Beute wird feucht. Im Notfall wird Futterteig (Fondant) über die Traube gelegt.

Schadet es, wenn Schnee die Beute bedeckt?

Schnee ist ein guter Isolator; problematisch ist nur ein zugeschneites Flugloch. Es genügt, den Schnee vor dem Eingang vorsichtig zu entfernen.

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