Bienengiftgewinnung

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Bienengift (Apitoxin) ist ein Abwehrsekret, das in der mit dem Stachelapparat verbundenen Giftdrüse der Arbeiterin gebildet und mit dem Stachel abgegeben wird; bei der Gewinnung werden die Bienen mit einem elektrischen Sammelgerät dazu gebracht, in eine Glasfläche zu stechen, wobei sie Gift abgeben, ohne ihren Stachel zu verlieren. Das auf dem Glas getrocknete Gift wird abgekratzt und gesammelt. Diese Arbeit gehört zu den riskantesten Tätigkeiten in der Imkerei: Das Volk wird sehr verteidigungsbereit, und eingeatmeter trockener Giftstaub kann schwere Reaktionen auslösen; deshalb erfordert sie Erfahrung, vollständige Schutzausrüstung und sorgfältige Planung.

Was ist Bienengift und wie entsteht es?

Bienengift wird in der Giftdrüse am Hinterleibsende der Arbeiterin gebildet und in der Giftblase gespeichert. Frisches Gift ist eine farblose, klare und bittere Flüssigkeit; an der Luft trocknet es rasch und wird zu einem weißlich bis hellgelben Pulver. Das als Produkt verkaufte Bienengift ist dieses getrocknete Gift.

Etwa die Hälfte des Trockengewichts des Giftes besteht aus dem Peptid Melittin. Daneben enthält es Enzyme wie Phospholipase A2 und Hyaluronidase, kleine Peptide wie Apamin und Amine wie Histamin. Die Qualität des Giftes hängt weitgehend vom Anteil dieser Bestandteile und davon ab, wie sauber das Produkt gewonnen wurde.

  • Arbeiterin: Sie bildet das Gift und sticht. Die Giftmenge nimmt mit dem Alter der Biene zu und erreicht bei Wächterinnen und Sammlerinnen ihren Höchststand.
  • Königin: Sie hat einen Stachel, setzt ihn aber im Stock gegen rivalisierende Königinnen ein; bei der Giftgewinnung spielt sie keine Rolle.
  • Drohn (Drohne): Er hat weder Stachel noch Giftdrüse und kann nicht stechen.
Nahaufnahme des mit Widerhaken versehenen Stachels einer Honigbiene
Nahaufnahme des Honigbienenstachels. Die nach hinten gerichteten Widerhaken an der Spitze lassen den Stachel in der Haut stecken bleiben. Foto: USGS Bee Inventory and Monitoring Lab from Beltsville, Maryland, USA / Wikimedia Commons · Public domain
Nach dem Stich abgerissener Stachelapparat mit Giftblase
Der nach dem Stich von der Biene abgerissene Stachelapparat: der feine Stachel, dahinter Giftblase und Muskelgewebe. Foto: ich / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Warum stirbt die Biene nach dem Stich, beim Giftsammeln aber nicht?

Der Stachel der Arbeiterin trägt nach hinten gerichtete Widerhaken. Sticht die Biene in ein elastisches Gewebe wie die Haut von Menschen oder Säugetieren, verhaken sich die Widerhaken; beim Wegfliegen reißt der Stachel samt Giftblase und Muskeln aus dem Hinterleib, und die Biene stirbt bald.

Am Giftsammelgerät sticht die Biene dagegen in eine harte, glatte Fläche (Glas oder eine dünne Kunststofffolie). Da sich die Widerhaken darin nicht verhaken, kann der Stachel zurückgezogen werden; die Biene gibt ihr Gift ab und kehrt lebend in die Beute zurück. Bei einem richtig aufgebauten Gerät sind die Bienenverluste sehr gering.

Arbeiterin mit abgerissenem Stachel nach dem Stich
Bleibt der Stachel in der Haut stecken, reißt das Hinterleibsende der Biene auf; diese Biene kann nicht überleben. Das Giftsammelgerät ist so konstruiert, dass dieser Verlust vermieden wird. Foto: Waugsberg / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Wie wird Bienengift gewonnen?

Heute wird mit einem elektrischen Giftsammelgerät (Elektrostimulator) gesammelt. Das Gerät besteht im Wesentlichen aus drei Teilen:

  • Drahtgitter: Leitende Drähte, die parallel und mit Abstand in einen Rahmen gespannt sind.
  • Sammelfläche: Eine direkt unter den Drähten liegende Glasplatte oder dünne Kunststofffolie; hier sticht die Biene hinein.
  • Impulsgeber: Eine batterie- oder akkubetriebene Einheit, die in kurzen Abständen schwache Stromimpulse an die Drähte abgibt. Bei den meisten Geräten lassen sich Arbeits- und Pausenzeiten einstellen.

Eine Biene, die auf die Drähte tritt, erhält einen leichten elektrischen Reiz, nimmt ihn als Angriff wahr und sticht in die darunterliegende Fläche. Die abgegebenen Gifttröpfchen trocknen auf der Fläche. Das beim Stechen freigesetzte Alarmpheromon alarmiert auch die umstehenden Bienen; so geben in kurzer Zeit sehr viele Bienen Gift auf die Fläche ab.

Wo wird das Sammelgerät angebracht?

  • Am Flugloch: Es wird vor das Anflugbrett oder in die Fluglochöffnung gelegt; ein- und ausfliegende Bienen berühren die Drähte.
  • In der Beute: Der Deckel wird abgenommen und das Gerät waagerecht auf die Waben gelegt; so werden auch die jungen Bienen im Stock gereizt.

Welche Position auch gewählt wird: Das Gerät muss fest und eben liegen, darf keinen Regen abbekommen, und die Sammelfläche muss vor dem Einsatz vollkommen sauber und trocken sein.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Vorbereitung: Starke und gesunde Völker auswählen; vollständige Schutzkleidung, Staubmaske und Schutzbrille anlegen.
  2. Anbringen: Das Sammelgerät leise am Flugloch oder auf den Waben platzieren; die Beute nicht erschüttern.
  3. Betrieb: Das Gerät für kurze Zeit einschalten. Die Dauer je nach Reaktion des Volkes und nach Herstellerempfehlung begrenzt halten.
  4. Abnehmen: Das Gerät ausschalten, warten, bis sich die Bienen beruhigt haben, und dann das Sammelgerät von der Beute nehmen.
  5. Trocknen: Die Glasplatten im Schatten an einem staubfreien, geschlossenen Ort liegen lassen, bis das Gift vollständig getrocknet ist.
  6. Abkratzen: Das trockene Gift mit einem scharfen Schaber oder einer Rasierklinge, ohne Staub aufzuwirbeln, in ein sauberes, dunkles Gefäß kratzen.
SchrittZielHäufiger Fehler
Auswahl des VolkesVolkreiches, gesundes Volk mit junger KöniginGift aus einem schwachen oder kranken Volk gewinnen
EinsatzdauerAusreichend Gift, ohne das Volk zu erschöpfenDas Gerät stundenlang eingeschaltet lassen
EinsatzhäufigkeitDem Volk Zeit zur Erholung gebenDasselbe Volk an aufeinanderfolgenden Tagen nutzen
TrocknenTrockenes, sauberes, pulverförmiges GiftIn feuchter oder sonniger Umgebung liegen lassen
AbkratzenProdukt ohne FremdstoffeOhne Maske kratzen, Staub aufwirbeln

Wann und von welchem Volk sollte Bienengift gewonnen werden?

Gift sollte nur von starken Völkern gewonnen werden. In einem bienenarmen Volk sinkt nicht nur der Ertrag, das Volk erholt sich auch nur schwer vom Eingriff.

  • Jahreszeit: Geeignet ist die aktive Saison, in der das Volk volkreich ist, Brut hat und gut versorgt ist. In Trachtlücken wird wegen der erhöhten Räubereigefahr nicht gesammelt.
  • Wetter: Bei ruhigem, trockenem Wetter arbeiten. Bei großer Hitze ist das Volk ohnehin gereizt; bei Regen wird die Sammelfläche nass und das Produkt verdirbt.
  • Schwarm und Königinnenwechsel: Bei Völkern in Schwarmstimmung, weisellosen Völkern oder Völkern mit frisch zugesetzter Königin wird nicht gesammelt.
  • Ruhezeit: Dasselbe Volk nicht in kurzen Abständen beanspruchen; erst wieder sammeln, wenn das Verhalten des Volkes sich normalisiert hat.
  • Ertragserwartung: Das Gift einer einzelnen Biene ist sehr wenig; für ein Gramm Trockengift sind Zehntausende Stiche nötig. Bienengiftgewinnung ist eine arbeitsintensive Erzeugung in kleinen Mengen.
Sammlerinnen und Wächterbienen vor der Beute
Die älteren Arbeiterinnen vor der Beute haben die am besten gefüllte Giftblase. Liegt das Sammelgerät am Flugloch, geben vor allem diese Bienen Gift ab. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Sicherheit bei der Bienengiftgewinnung

Das Giftsammeln ist eine der riskantesten Tätigkeiten in der Imkerei. Die Gefahr geht nicht nur von Stichen aus, sondern auch vom Staub des getrockneten Giftes.

  • Verteidigungsbereitschaft: Beim Sammeln wird viel Alarmpheromon freigesetzt; das Volk und die umliegenden Beuten werden aggressiv. Die Wirkung hält auch nach dem Eingriff noch eine Weile an; Menschen und Tiere in der Umgebung des Standes sind gefährdet.
  • Vollständige Schutzausrüstung: Imkeranzug, Handschuhe und ein dichter Schleier sind Pflicht. Die Bienen werden ungewöhnlich hartnäckig.
  • Staubmaske und Schutzbrille: Der beim Abkratzen aufgewirbelte trockene Giftstaub reizt Nase, Augen und Atemwege stark und kann bei empfindlichen Personen schwere allergische Reaktionen auslösen. Tragen Sie eine staubfilternde Atemschutzmaske und eine geschlossene Schutzbrille; arbeiten Sie in einem windstillen, geschlossenen Raum.
  • Allergiestatus: Wer gegen Bienengift allergisch ist, sollte diese Arbeit nicht verrichten. Der Allergiestatus der Mitarbeitenden muss bekannt sein, das Vorgehen im Notfall vorab geplant und mit einem Arzt besprochen werden.
  • Standort: Nicht in der Nähe von Wohnhäusern, Straßen, Tierställen und benachbarten Bienenständen sammeln.
Wenn Sie beim Abkratzen niesen müssen, tränende Augen bekommen oder Atemnot verspüren, brechen Sie die Arbeit sofort ab und gehen Sie an die frische Luft. Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Schwindel sind ein medizinischer Notfall.

Qualität und Aufbewahrung von Bienengift

Abnehmer, vor allem die Pharma- und Kosmetikindustrie, bewerten Bienengift nach Reinheit und Zusammensetzung. Im Labor werden der Anteil der Hauptbestandteile wie Melittin und Phospholipase sowie der Gehalt an Fremdstoffen gemessen.

  • Saubere Sammelfläche: Staub, Pollen, Wachskrümel, Bienenkot und Bienenteile verunreinigen das Produkt. Vor jedem Einsatz muss die Fläche gereinigt und getrocknet werden.
  • Vollständig trocknen: Feucht gebliebenes Gift verdirbt; vor dem Abkratzen abwarten, bis es völlig trocken ist.
  • Lichtschutz: Das Gift wird lichtgeschützt in einem dunklen Glasgefäß aufbewahrt.
  • Feuchtigkeitsschutz: Das Gefäß muss dicht schließen und darf keine Feuchtigkeit ziehen.
  • Kühle Lagerung: Für die Langzeitlagerung Kühl- oder Gefrierschrank bevorzugen.
  • Etikett und Aufzeichnung: Sammeldatum, Stand und Volk werden für jede Partie notiert.

Auswirkungen des Giftsammelns auf das Volk

Auch wenn die Biene ihren Stachel nicht verliert, ist der Vorgang für das Volk ein erheblicher Stressfaktor. Häufige und lange Einsätze können die Sammeltätigkeit verringern, den Honigertrag senken und die Verteidigungsbereitschaft des Volkes lange hoch halten.

Von demselben Volk in derselben Zeit hohe Erträge an Honig, Pollen und Gift zu erwarten, ist unrealistisch. Wer Gift gewinnen will, sollte dafür eigene Völker vorsehen und deren Pflege, Fütterung und Varroakontrolle nicht vernachlässigen.

Wofür wird Bienengift verwendet? Rechtliches

Gereinigtes Bienengift ist der Rohstoff für Präparate, die unter ärztlicher Aufsicht zur Hyposensibilisierung von Menschen mit Bienengiftallergie eingesetzt werden. Außerdem wird es in Forschungslaboren und in einigen Kosmetikprodukten verwendet.

In traditionellen Anwendungen, der sogenannten Apitherapie, wird behauptet, Bienengift helfe gegen verschiedene Beschwerden; zuverlässige Studien am Menschen sind jedoch begrenzt. Anwendungen wie das Stechenlassen mit lebenden Bienen bergen das Risiko einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) und dürfen nicht ohne ärztliche Aufsicht erfolgen.

Gewinnung, Verkauf und insbesondere die Verwendung von Bienengift als Gesundheitsprodukt unterliegen in vielen Ländern eigenen Vorschriften. Informieren Sie sich vor Beginn der Erzeugung bei den zuständigen Behörden Ihres Landes über Registrierungs-, Genehmigungs- und Kennzeichnungsvorschriften; machen Sie bei der Vermarktung keine Heilversprechen.

Häufige Fragen

Sterben die Bienen beim Giftsammeln?

Bei einem richtig aufgebauten Sammelgerät nicht. Da die Biene in eine harte Fläche sticht, verhakt sich der Stachel nicht; sie gibt ihr Gift ab und kehrt in die Beute zurück.

Wie viel Bienengift gewinnt man von einem Volk?

Sehr wenig. Das Gift einer einzelnen Biene liegt unter einem Milligramm; für ein Gramm Trockengift sind Zehntausende Stiche nötig. Der Ertrag hängt von Volksstärke, Jahreszeit und Gerät ab.

Verringert das Giftsammeln den Honigertrag?

Bei häufigen und langen Einsätzen kann es ihn verringern. Es empfiehlt sich, eigene Völker für die Giftgewinnung vorzusehen und nur selten zu sammeln.

Wie wird getrocknetes Bienengift aufbewahrt?

In einem dunklen, dicht schließenden Glasgefäß, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt und kühl; für längere Zeit im Kühl- oder Gefrierschrank.

Kann ich Bienengift sammeln, wenn ich allergisch dagegen bin?

Nein. Bei dieser Arbeit kommt man intensiv mit Gift und Giftstaub in Kontakt; für Allergiker besteht Lebensgefahr.

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