Gelée Royale und seine Verwendung

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Gelée royale ist ein weiß-cremefarbenes, säuerliches und cremiges Futter, das junge Ammenbienen aus Drüsen im Kopfbereich absondern; alle Larven werden in ihren ersten Lebenstagen damit gefüttert, die Larve einer künftigen Königin erhält es während ihrer gesamten Entwicklung in großer Menge. Beim Menschen wird es als Nahrungsergänzung verzehrt, die Belege für heilende Wirkungen sind jedoch schwach. Gelée royale kann schwere allergische Reaktionen bis hin zu Asthmaanfällen und Anaphylaxie auslösen.

Was ist Gelée royale und wie entsteht es?

Gelée royale (Weiselfuttersaft, mancherorts Königinnenfuttersaft) besteht aus den Sekreten der Futtersaftdrüsen (Hypopharynxdrüsen) und der Mandibeldrüsen junger, etwa ein bis zwei Wochen alter Ammenbienen. Die Ammenbienen können dieses Sekret nur bilden, wenn sie genügend Pollen verzehren; der Rohstoff des Gelée royale ist also der Pollenvorrat des Volkes.

Ammenbienen bei der Arbeit auf verdeckelter und offener Brut
Junge Ammenbienen bei der Arbeit auf einer Brutwabe. Diese Bienen sondern das Gelée royale ab und geben es an die Larven weiter. Foto: Einebillion / Wikimedia Commons · CC BY 4.0
  • Arbeiterinnen- und Drohnenlarven: Werden in den ersten Tagen mit einem Gelée-royale-ähnlichen Sekret gefüttert; danach werden ihrem Futter Honig und Pollen beigemischt.
  • Königinnenlarve: Wird während der gesamten Larvenzeit reichlich mit Gelée royale gefüttert; in der Weiselzelle ist unter der Larve ein Vorrat an Gelée royale zu sehen.
Larven in Gelée royale in geöffneten Weiselzellen
Junge Larven auf einer dicken Schicht Gelée royale in geöffneten Weiselzellen. Foto: Waugsberg / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Gelée royale in einer Weiselzelle auf der Wabe
Weißer, glänzender Vorrat an Gelée royale in einer Weiselzelle. Foto: L. Rusert / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

Der Unterschied zwischen Königin und Arbeiterin – und ein Irrtum

Königin und Arbeiterin entwickeln sich aus derselben Art befruchteter Eier. Der große Unterschied zwischen ihnen (die Königin lebt jahrelang und legt täglich Hunderte Eier, die Arbeiterin lebt im Sommer nur wenige Wochen) entsteht weitgehend durch die unterschiedliche Ernährung während der Larvenzeit.

Diese beeindruckende Tatsache hat dem Gelée royale den Ruf eines „Jungbrunnens“ eingebracht. Dass ein Futter die Entwicklung einer Bienenlarve steuert, bedeutet jedoch nicht, dass es bei einem erwachsenen Menschen eine ähnliche Wirkung hat. Diese Annahme ist wissenschaftlich nicht belegt.

Zusammensetzung von Gelée royale

Frisches Gelée royale besteht zum größten Teil aus Wasser; der Rest sind hauptsächlich Eiweiße, Zucker und Fette sowie in kleineren Mengen Vitamine (vor allem der B-Gruppe) und Mineralstoffe.

  • Für Gelée royale typische Eiweiße: Eine als „Major Royal Jelly Proteins“ (Haupteiweiße des Gelée royale) bezeichnete Eiweißfamilie macht einen wesentlichen Teil des Produkts aus; diese Eiweiße gelten auch als Auslöser allergischer Reaktionen.
  • 10-HDA: Die für Gelée royale typische Fettsäure 10-Hydroxy-2-decensäure kommt in der Natur in keinem anderen Produkt vor. Deshalb dient sie als Kriterium für Echtheit und Frische des Produkts.

Die internationale Norm für Gelée royale (ISO 12824) sieht für frisches Gelée royale mindestens 1,4 g 10-HDA pro 100 g vor. Dieselbe Norm stuft Gelée royale, das erzeugt wird, während die Bienen nur Honig, Pollen und Nektar erhalten, getrennt von solchem ein, das mit Zucker- oder Eiweißzufütterung erzeugt wird.

Wie wird Gelée royale gewonnen? Schritt für Schritt

Die Gewinnung von Gelée royale beruht auf der Technik der Königinnenzucht und erfordert Arbeit, Erfahrung und starke Völker.

Entnahme einer jungen Arbeiterinnenlarve mit dem Umlarvlöffel
Umlarven: Eine junge Arbeiterinnenlarve wird mit einer feinen Nadel aus der Zelle genommen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Umlarven einer Larve in ein künstliches Weiselnäpfchen
Die Larve wird auf den Boden eines künstlichen Weiselnäpfchens gelegt. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
  1. Anbrütervolk vorbereiten: Man wählt ein starkes Volk mit vielen jungen Bienen und ausreichenden Pollen- und Honigvorräten. Das Volk muss sich weisellos fühlen (es wird entweiselt, oder die Königin wird mit einem Absperrgitter abgetrennt).
  2. Umlarven: Junge, höchstens eintägige Arbeiterinnenlarven werden in künstliche Weiselnäpfchen übertragen.
  3. Die Näpfchen werden dem Volk gegeben: Die Ammenbienen füttern die Larven wie künftige Königinnen und füllen die Zellen mit Gelée royale.
  4. Erntezeitpunkt: Etwa drei Tage nach dem Umlarven, wenn die Menge an Gelée royale in den Zellen am größten ist, wird die Zuchtlatte aus dem Volk genommen.
  5. Larven entfernen, Gelée entnehmen: Die Larven werden vorsichtig herausgenommen; das Gelée royale wird mit einem kleinen Spatel oder einer Absaugvorrichtung gesammelt und durch ein feines Sieb gegeben.
  6. Sofort kühlen: Das gesammelte Gelée royale wird ohne Zeitverlust in ein dunkles, luftdichtes Gefäß gefüllt und in die Kühlkette gebracht.
Mit Gelée royale gefüllte künstliche Weiselzellen auf Zuchtlatten
Im Anbrütervolk begonnene Weiselzellen; in den Näpfchen ist Gelée royale zu sehen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Weiselnäpfchen mit sichtbarem Gelée royale zwischen Bienen
In den aus Kunststoffnäpfchen gezogenen Zellen „schwimmen“ die Larven im Gelée royale. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie lagert man Gelée royale? Die Kühlkette

Gelée royale ist sehr empfindlich gegenüber Wärme, Licht und Luft. Ein Produkt mit unterbrochener Kühlkette verliert seine Eigenschaften, auch wenn es äußerlich unverändert aussieht; zudem kann der Verbraucher diesen Verderb mit bloßem Auge nicht erkennen.

BedingungUmsetzung
GefäßDunkles Glas oder lebensmittelgeeignetes, luftdichtes Gefäß; kein längerer Kontakt mit Metalldeckeln
Kurzfristige LagerungIm Kühlschrank (etwa 0–5 °C)
Langfristige LagerungIn der Tiefkühltruhe; aufgetautes Produkt wird nicht wieder eingefroren
Getrocknetes (lyophilisiertes) Gelée royaleGefriergetrocknetes Pulver; trocken, kühl und dunkel, vor Feuchtigkeit geschützt

Wogegen hilft Gelée royale? Die Beweislage

Die Zusammensetzung von Gelée royale ist im Detail bekannt, und in Labor- und Tierstudien wurden verschiedene biologische Wirkungen beschrieben. Beim Menschen dagegen sind die Studien zu Themen wie Cholesterin, Wechseljahresbeschwerden, Müdigkeit oder Immunsystem meist klein, kurz und in ihren Ergebnissen widersprüchlich.

Das bedeutet nicht, dass das Produkt wertlos ist; es bedeutet, dass die Grundlage für eindeutige Gesundheitsversprechen nicht ausreicht. In Europa wurden die für Gelée royale beantragten allgemeinen gesundheitsbezogenen Angaben als wissenschaftlich nicht belegt eingestuft.

Allergie gegen Gelée royale: Wer sollte es nicht verwenden?

Achtung: Im Zusammenhang mit dem Verzehr von Gelée royale wurden Asthmaanfälle, Anaphylaxie und Todesfälle gemeldet. Das Risiko ist besonders hoch bei Menschen mit Asthma oder allergischer Veranlagung (Heuschnupfen, Ekzem, Allergie gegen Bienenprodukte). Diese Personen sollten Gelée royale nicht ohne ärztlichen Rat verwenden.
  • Erste Anwendung: Selbst bei Menschen ohne Allergien in der Vorgeschichte wird häufig empfohlen, mit einer sehr kleinen Menge zu beginnen.
  • Anzeichen: Treten pfeifende Atmung, Atemnot, Nesselsucht oder Schwellungen an Lippen oder Zunge auf, wird die Einnahme beendet und der Notruf 112 gewählt.
  • Kinder, Schwangerschaft, Stillzeit und Medikamenteneinnahme: Ärztlichen Rat einholen. Es gibt Fallberichte, wonach Gelée royale mit Blutverdünnern in Wechselwirkung treten kann.

Auswirkungen der Gelée-royale-Gewinnung auf das Volk

Die Gewinnung von Gelée royale erfordert, dass das Volk ständig in weisellosem oder halb weisellosem Zustand gehalten wird und viel Pollen verbraucht. Diese Belastung zehrt am Volk.

  • Anbrüter- und Pflegevölker sollten regelmäßig mit jungen Bienen und Brutwaben verstärkt werden.
  • Ist die Pollentracht schwach, sinkt der Ertrag; eine Eiweißzufütterung in dieser Zeit beeinflusst die Einstufung des Produkts nach der Norm.
  • Während einer Varroabehandlung wird kein Gelée royale geerntet; es besteht ein Rückstandsrisiko.
Offene Weiselzelle am Wabenrand
Eine am Wabenrand angelegte offene Weiselzelle. Auch in Zellen, die das Volk von sich aus anlegt, sammelt sich Gelée royale. Foto: Maja Dumat from Deutschland (Germany) / Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Häufige Fehler

  • Geerntetes Gelée royale stundenlang bei Raumtemperatur stehen lassen.
  • In durchsichtigen Gefäßen mit Metalldeckel lagern.
  • In schwachen Völkern oder in Völkern mit unzureichenden Pollenvorräten produzieren.
  • In der Werbung Versprechen wie „verjüngt“ oder „heilt Unfruchtbarkeit“ verwenden; den Allergiehinweis weglassen.

Häufige Fragen

Kann Gelée royale Allergien auslösen?

Ja. Es wurden schwere Reaktionen bis hin zu Asthmaanfällen und Anaphylaxie gemeldet; das Risiko ist bei Asthmatikern und Menschen mit allergischer Veranlagung höher.

Woran erkennt man frisches Gelée royale?

Am Aussehen ist das schwer zu erkennen. Für Frische und Echtheit braucht es Laboranalysen, die Kriterien wie 10-HDA prüfen, und eine zuverlässige Kühlkette.

Wie lange ist Gelée royale haltbar?

Im Kühlschrank für kurze Zeit, in der Tiefkühltruhe länger. Ein Produkt, das bei Raumtemperatur steht, verliert schnell an Wert.

Kann jeder Imker Gelée royale gewinnen?

Das können Imker, die Königinnenzucht und Umlarven beherrschen und über starke Völker und reichlich Pollenquellen verfügen. Anfangs ist es sinnvoll, im kleinen Maßstab Erfahrung zu sammeln.

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