Propolis und seine Verwendung

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Propolis (Bienenharz, Kittharz) ist ein klebriger Stoff, den Honigbienen aus Harzen von Baumknospen und Pflanzenwunden sammeln, mit Bienenwachs und Sekreten vermischen und in der Beute zum Abdichten von Ritzen und zum Überziehen von Oberflächen verwenden. In Laborstudien zeigte er deutliche antimikrobielle Wirkungen; Belege für eine Heilwirkung beim Menschen sind jedoch begrenzt, und seine Zusammensetzung ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Propolis ist ein bekanntes Kontaktallergen; bei der ersten Anwendung ist Vorsicht geboten.

Was ist Propolis und wofür verwenden ihn die Bienen?

Sammelbienen gewinnen Harz aus den Knospen und Rindenwunden von Bäumen wie Pappel, Birke, Kastanie und Kiefer, tragen es wie Pollen an den Hinterbeinen und bringen es in den Stock. Dort kauen andere Bienen dieses Harz, vermischen es mit Bienenwachs und streichen es an die benötigten Stellen.

  • Ritzen und Hohlräume abdichten: Spalten am Deckel, Rähmchenohren und Zargenfugen werden mit Propolis gefüllt.
  • Eingang verengen: Besonders im Herbst kann das Flugloch mit Propolis verengt werden.
  • Oberflächen überziehen: In natürlichen Nisthöhlen werden die Innenflächen mit einer dünnen Propolisschicht überzogen.
  • Die Beute sauber halten: Ungebetene Gäste, die zu groß sind, um hinausgeschafft zu werden (z. B. eine Maus), werden mit Propolis überzogen, wodurch ihre Verwesung begrenzt wird.

Forscher gehen davon aus, dass Propolis bei der kollektiven Abwehr des Volkes gegen Mikroorganismen eine Rolle spielt. Diese Beobachtung ist auch der Ausgangspunkt der Forschung zur Anwendung beim Menschen.

Orange Propolisgrate auf einem Rähmchen und eine Arbeiterin
Oranges Propolis an den Rändern der Oberträger; die Bienen füllen die Zwischenräume mit diesem Stoff. Foto: user:Abalg / Wikimedia Commons · Public domain
Klebriges Propolis zwischen zwei auseinandergezogenen Oberträgern
Klebriges Propolis, das sich zwischen zwei getrennten Leisten einer Oberträgerbeute in die Länge zieht. Foto: Tiktaalikbreeder / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Dickes Propolis auf den Oberträgern rund um das Absperrgitter
Starke Propolisablagerung auf den Oberträgern im Brutraum rund um das Absperrgitter. Manche Völker und Rassen verwenden deutlich mehr Propolis. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Zusammensetzung von Propolis: Warum ist nicht jeder Propolis gleich?

Die Zusammensetzung von Propolis hängt von der Pflanze ab, von der die Bienen das Harz sammeln. In gemäßigten Zonen sind Pappelknospen die Hauptquelle; solcher Propolis ist reich an Flavonoiden und Phenolsäureestern. Produkte anderer Regionen, etwa der grüne Propolis aus Brasilien, enthalten völlig andere Bestandteile. Auch in der Türkei gibt es je nach Region und Vegetation unterschiedliche Propolistypen.

Rohpropolis besteht grob aus Harzen und Balsamen, Bienenwachs, ätherischen Ölen, Pollen und weiteren Stoffen; die Anteile schwanken von Quelle zu Quelle. Das hat zwei wichtige Folgen:

  • Das Ergebnis einer Studie aus einem Land ist für Propolis aus einer anderen Region nicht unmittelbar übertragbar.
  • Pauschale Behauptungen wie „Propolis hilft gegen dies und das“ sind wissenschaftlich nicht haltbar; die Frage, welcher Propolis, welcher Extrakt und welche Menge, bleibt unbeantwortet.

Deshalb dokumentieren seriöse Erzeuger Sammelgebiet und Sammelzeitraum und lassen die Charge nach Möglichkeit analysieren.

Wie wird Propolis gewonnen? Schritt für Schritt

Der sauberste Propolis wird mit einem Propolisgitter (Propolisfalle) gewonnen. Das ist eine Kunststoff- oder Drahtplatte mit feinen Schlitzen, die unter dem Deckel auf die Rähmchen gelegt wird. Die Bienen füllen die Schlitze mit Propolis, weil durch sie Licht und Luft eindringen.

  1. Gitter auflegen: Bei starken Völkern in der Zeit, in der die Bienen Propolis sammeln, etwa im Spätsommer und Frühherbst, auf die Rähmchen legen.
  2. Auffüllen abwarten: Das Gitter abnehmen, wenn die Bienen den Großteil der Schlitze gefüllt haben.
  3. Einfrieren: Das Gitter in einem Beutel in die Tiefkühltruhe legen; in der Kälte wird Propolis spröde.
  4. Brechen und trennen: Das gefrorene Gitter biegen oder reiben und den Propolis in ein sauberes Gefäß fallen lassen.
  5. Verlesen: Bienenteile, Wachs und Holzkrümel entfernen.
  6. Lagern: Kühl, dunkel und in einem luftdichten Gefäß aufbewahren.
Abkratzen von Propolis vom Beutenrand mit einem Handwerkzeug
Propolisgewinnung durch Abkratzen von der Beutenwand. Diese Methode ist zwar praktisch, aber anfällig für Verunreinigung durch Farbe, Holz und Wachs; für Lebensmittelzwecke sollte das Gitter bevorzugt werden. Foto: fishermansdaughter on flick / Wikimedia Commons · CC BY 2.0
Hinweis zu Rückständen: Propolis neigt dazu, fettlösliche Stoffe zu binden. Während einer Varroabehandlung darf das Gitter nicht in der Beute sein. Propolis, der von gestrichenen oder mit Schutzmittel imprägnierten Beutenoberflächen abgekratzt wurde, kann Farbrückstände und Schwermetalle enthalten; er darf nicht für Lebensmittel oder Hautprodukte verwendet werden.

Wie sieht Rohpropolis aus?

Aus einer Beute in Istanbul entnommene Propolisstücke
Aus der Beute entnommene Propolisstücke (Istanbul). Die Farbe kann von Gelb über Rot bis Dunkelbraun reichen. Foto: Özgür Esen (Surdurulebiliryasam) / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Gebrochene Propolisbröckchen
Vom Gitter abgelöste Bröckchen. Kalt ist Propolis hart und spröde, warm weich und klebrig. Foto: Goldmull / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
Zu einer Kugel geformter dunkler Propolis
Gesammelter Propolis, von Hand zu einer Kugel geknetet. Foto: Epukas / Wikimedia Commons · Public domain
In einem Glas aufbewahrter Rohpropolis
Rohpropolis in einem beschrifteten Glas. Lichtgeschützte, verschlossene Gefäße sind vorzuziehen. Foto: Maša Sinreih in Valentina Vivod / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Hochwertiger Rohpropolis hat einen eigentümlichen harzigen, würzigen Geruch. Propolis mit zu viel Wachs ist heller und wachsartig; ein Produkt mit vielen Fremdstoffen ist von geringer Qualität.

Wie wird Propolis angewendet? Arten von Extrakten

Propolis ist in Wasser kaum löslich. Deshalb wird er meist zu einem Extrakt verarbeitet. Jedes Lösungsmittel löst andere Bestandteile in unterschiedlichem Maß heraus:

  • Alkoholischer Extrakt (Tinktur): Die verbreitetste Form, die phenolische Bestandteile gut herauslöst. Da er Alkohol enthält, ist er für Kinder, Schwangere und Menschen, die keinen Alkohol trinken sollten, möglicherweise ungeeignet.
  • Wässrige und glykolische Extrakte: Alkoholfreie Alternativen; ihr Profil an Inhaltsstoffen unterscheidet sich vom alkoholischen Extrakt.
  • Ölige Extrakte und Salben: Werden in Hautprodukten verwendet.
  • Mundspray, Lutschtabletten, Zahnpasta: Handelsübliche Formen für die Anwendung im Mund.

Konzentration und Reinheit selbst hergestellter Extrakte sind unbekannt. Für gesundheitliche Zwecke sollten Produkte gewählt werden, deren Inhalt und Herstellungsbedingungen bekannt sind und die den Vorschriften entsprechen.

Wogegen hilft Propolis? Die Beweislage

Propolis gehört zu den im Labor am meisten untersuchten Bienenprodukten. Dass seine Extrakte gegen verschiedene Bakterien, Pilze und Viren wirken, wurde unter Laborbedingungen gezeigt. In einigen Bereichen wie Mundgesundheit und Lippenherpes gibt es auch kleine klinische Studien.

Die meisten dieser Studien sind jedoch klein, kurz und mit unterschiedlichen Propolistypen durchgeführt; die Ergebnisse lassen sich nicht übertragen. Die richtige Aussage lautet daher: „Es gibt erste Hinweise, die Belege sind begrenzt.“ Propolis ersetzt bei Infektionen nicht die vom Arzt empfohlene Behandlung.

Propolisallergie: Wer sollte vorsichtig sein?

Propolis ist als hautallergieauslösender Stoff gut bekannt. Das häufigste Bild ist eine Kontaktdermatitis: Rötung, Juckreiz, Bläschen und Schuppung. Bei Produkten für den Mund wurden Wunden und Schwellungen an Lippen und Mundschleimhaut gemeldet; bei geschluckten Produkten können auch schwerere Reaktionen auftreten.

  • Test vor der ersten Anwendung: Ein Test an einer kleinen Hautstelle ist ein verbreitetes Vorgehen; ein einzelner Test schließt eine spätere Sensibilisierung jedoch nicht aus.
  • Wer ihn nicht verwenden sollte: Personen mit bekannter Allergie gegen Bienenprodukte, Pappelknospen oder bestimmte kosmetische Balsame. Asthmatiker und Menschen mit Allergien in der Vorgeschichte sollten den Arzt fragen.
  • Für Imker: Bei Imkern, die häufig mit Propolis arbeiten, kann sich mit der Zeit eine Sensibilisierung entwickeln. Besonders beim Reinigen der Gitter und bei der Verarbeitung von Propolis ist das Tragen von Handschuhen angebracht.

Häufige Fehler

  • Von gestrichenen Beutenoberflächen abgekratzten Propolis Lebensmitteln zusetzen.
  • Das Gitter während einer Behandlung in der Beute lassen.
  • Propolis offen an einem warmen, hellen Ort liegen lassen.
  • In der Produktwerbung Heilversprechen wie „ersetzt Antibiotika“ oder „tötet Viren ab“ verwenden; die Vorschriften zur Lebensmittelkennzeichnung verbieten solche Angaben.
  • Den Allergiehinweis vom Etikett weglassen.

Häufige Fragen

Kann Propolis Allergien auslösen?

Ja. Propolis ist ein bekanntes Kontaktallergen; er kann auf der Haut Rötung, Juckreiz und Bläschen, im Mund Wunden und Schwellungen verursachen. Wer Allergien in der Vorgeschichte hat, sollte vor der Anwendung den Arzt fragen.

Kann man abgekratzten Propolis verwenden?

Für Lebensmittel und Hautprodukte wird er nicht empfohlen; er kann mit Holz, Farbe und Wachs verunreinigt sein. Sauberer Propolis wird mit dem Gitter gewonnen.

Wann wird Propolis gesammelt?

Die Bienen sammeln meist im Spätsommer und Frühherbst mehr Propolis. Das Gitter wird in dieser Zeit auf starke Völker gelegt und vor einer Behandlung entfernt.

Kann Propolis anstelle von Antibiotika verwendet werden?

Nein. Antimikrobielle Wirkungen im Labor sind kein Beleg für eine Heilwirkung beim Menschen; bei Infektionen ist die vom Arzt empfohlene Behandlung anzuwenden.

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