Hygiene am Bienenstand

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Hygiene am Bienenstand umfasst die Sauberkeits- und Ordnungsregeln für Werkzeug, Handschuhe, Waben, Völker und Schleuderraum, mit denen verhindert wird, dass Krankheitserreger zwischen Völkern und Bienenständen verschleppt werden. Sie ist der billigste und am häufigsten übersehene Teil des Krankheitsmanagements, denn einen großen Teil der Übertragungen verursacht nicht die Biene, sondern der Imker. Bei der Hygiene geht es nicht darum, Ausrüstung zu kaufen, sondern Gewohnheiten zu entwickeln.

Wie verschleppt der Imker Krankheiten?

Auch Bienen übertragen Krankheiten: durch Verfliegen, Räuberei und Schwärme. Die Werkzeuge in der Hand des Imkers tragen sie jedoch viel schneller und weiter:

  • Stockmeißel und Handschuhe, die von Beute zu Beute benutzt werden,
  • Waben, Honig und Brutwaben, die zwischen Völkern umgehängt werden,
  • Völker, Schwärme, Königinnen, Waben und Honig aus unbekannter Herkunft,
  • am Stand offen liegende Waben, Schleuderreste und Beuten abgestorbener Völker.

Jeder dieser Wege lässt sich mit einer einfachen Gewohnheit schließen.

Der Stockmeißel: das größte Risiko

Der Stockmeißel (Stockhebel) ist der häufigste Übertragungsweg von Volk zu Volk. Die Sporen des Erregers der Amerikanischen Faulbrut bleiben in Honig- und Propolisresten auf der Werkzeugoberfläche lebensfähig und werden in die nächste Beute getragen. Diese Sporen überdauern Jahrzehnte; Abwischen mit Alkohol tötet die Sporen nicht ab.

Wirksame Methoden:

  1. Abkratzen: Zuerst Propolis-, Wachs- und Honigreste abkratzen; auf einer ungereinigten Oberfläche ist keine Methode voll wirksam.
  2. Abflammen: Das gereinigte Werkzeug in der Flamme eines Lötbrenners oder Gasbrenners gründlich auszuglühen, ist die zuverlässigste Methode im Feld.
  3. In Sodalauge waschen: Heiße Waschsodalösung löst Propolis- und Honigreste; einen Eimer Sodalösung am Stand bereitzuhalten und Werkzeug und Handschuhe zwischen den Beuten einzutauchen, ist eine praktische Gewohnheit.

Mehrere Stockmeißel am Stand zu haben und mit einem sauberen zu arbeiten, während der benutzte in der Lösung liegt, beschleunigt die Arbeit. Auch an einem gesund wirkenden Stand ist eine Reinigung zwischen jeder Beute oder zumindest jeder Beutengruppe eine gute Gewohnheit; bei einer verdächtigen Beute ist die Regel unbedingt einzuhalten.

Lange benutzter Stockmeißel mit abgenutzter Farbe
Ein lange benutzter Stockmeißel mit abgenutzter Farbe. Die beim Gebrauch anhaftenden Propolis- und Honigreste tragen Sporen; das Werkzeug muss zwischen den Beuten abgekratzt und gereinigt werden. Foto: Avenarius at German Wikipedia / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Handschuhe und Kleidung

Lederhandschuhe lassen sich schlecht waschen; mit der Zeit sammeln sich darin Propolis, Honig und Sporen an. Einweg-Nitrilhandschuhe oder waschbare Handschuhe sind hygienischer. Handschuhe sollten gewechselt werden, wenn sie verschmutzt sind, und besonders nach einem verdächtigen Volk; das verringert die Übertragung zwischen Völkern deutlich.

Imkeranzug und Jacke sollten regelmäßig gewaschen werden. Propolis und Honig darauf übertragen Krankheiten und sammeln Gerüche, die die Bienen reizen. Beim Besuch verschiedener Bienenstände sollten saubere Kleidung und sauberes Werkzeug verwendet werden.

Kleine Bienenlaus auf einem Einweg-Nitrilhandschuh
Einweg-Nitrilhandschuh, getragen bei der Durchsicht; darauf ist eine Bienenlaus zu sehen. Handschuhe tragen unbemerkt Lebewesen und Erreger von Beute zu Beute. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wabenmanagement und Wabenerneuerung

  • Waben nicht wahllos zwischen Völkern umhängen: Wenn es sein muss, vergewissern Sie sich, dass das Spendervolk gesund ist und die Brut keine Faulbrutanzeichen zeigt.
  • Alte Waben regelmäßig erneuern: Dunkel gewordene alte Brutwaben sammeln Sporen, Rückstände von Behandlungsmitteln und Larvenhäutchen an. Jedes Jahr einen Teil der Brutwaben zu entnehmen und durch Mittelwände zu ersetzen, ist gängige Praxis.
  • Entnommene Waben nicht offen liegen lassen: Sie locken Räuberei und Wachsmotten an und verbreiten die enthaltenen Erreger am Stand.
  • Gelagerte Waben schützen: Bienen- und nagerdicht lagern und regelmäßig auf Wachsmotten kontrollieren.
Starker Wachsmottenschaden an alten Waben in einer vernachlässigten Beute
Starker Wachsmottenschaden an einer Wabe mit alten Pollen- und Honigvorräten in einer vernachlässigten Beute. Ungeschützte alte Waben sind ein Reservoir für Wachsmotten und Krankheiten. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Mit Gespinst durchzogene Waben in einer leeren Beute
Von Wachsmotten mit Gespinst durchzogene Waben in einer offen stehenden leeren Beute. Leere Beuten müssen geschlossen und sauber gehalten werden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Beutenboden und Beutenreinigung

Tote Bienen, Wachskrümel und Reste kranker Larven, die sich auf dem Beutenboden ansammeln, nähren die Wachsmotte und halten Erreger in der Beute. Im Frühjahr und bei Bedarf wird der Boden abgekratzt und gereinigt. Bei Gitterböden wird die Schublade darunter regelmäßig geleert. Nicht genutzte Beutenteile werden vor der Wiederverwendung abgekratzt, gereinigt und gründlich getrocknet.

Kalkbrutmumien auf dem Beutenboden
Kalkbrutmumien, die die Bienen aus den Zellen entfernt und auf den Beutenboden geworfen haben. Wird der Boden nicht gereinigt, sammeln sich Pilzsporen in der Beute. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Abgestorbene Völker und Krankheitsverdacht

Wird ein zusammengebrochenes oder abgestorbenes Volk gefunden, muss die Beute sofort verschlossen werden. Eine offen gelassene Beute wird ausgeräubert, und der Erreger darin verteilt sich über den ganzen Stand und sogar auf benachbarte Stände. Bis die Todesursache geklärt ist, werden Waben und Honig keinem anderen Volk gegeben.

Amerikanische und Europäische Faulbrut sind anzeigepflichtige Krankheiten. Halten Sie die Beute im Verdachtsfall geschlossen, bringen Sie kein Material aus dieser Beute weg, reinigen Sie Werkzeug und Handschuhe und melden Sie den Fall dem zuständigen Veterinäramt. Behandeln Sie nicht auf eigene Faust; die Diagnose wird im Labor gestellt.

Planen Sie auch die Reihenfolge der Durchsicht nach Hygienegesichtspunkten: zuerst starke und gesunde Völker, zuletzt verdächtige oder schwache Völker öffnen.

Neue Völker, Schwärme und Königinnen

Ein von außen kommendes Volk sollte, bevor es in den Stand eingegliedert wird, möglichst eine Zeit lang an einem separaten Ort oder in einer Ecke des Standes gehalten werden. Während dieser Quarantäne werden Brutzustand, Krankheitsanzeichen und Varroabefall kontrolliert.

  • Völker, Waben und Honig aus unbekannter Herkunft zu übernehmen, ist das riskanteste Verhalten.
  • Eingefangene Schwärme sollten getrennt gehalten werden, bis sie ihre erste Brut angelegt haben, und die Brut sollte kontrolliert werden.
  • Die Begleitbienen gekaufter Königinnen werden beim Zusetzen der Königin möglichst aus dem Käfig entfernt.
  • Verfüttern Sie keinen Honig unbekannter Herkunft an Ihre Bienen: Supermarkt- oder Importhonig kann Sporen der Amerikanischen Faulbrut enthalten.
Fünfwabige Ablegerkästen auf einem separaten Bock
Fünfwabige Ablegerkästen auf einem separaten Bock. Neu hinzugekommene Völker können auf diese Weise eine Zeit lang getrennt vom Hauptstand beobachtet werden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Schleuder- und Lagerraum

  • Halten Sie die Regeln der Lebensmittelhygiene ein: saubere Flächen, gewaschene Hände, ein für Bienen und Ungeziefer unzugänglicher Raum.
  • Honigschleuder, Entdeckelungswanne und Gefäße müssen aus lebensmittelgeeignetem Material sein und nach jedem Gebrauch mit heißem Wasser gewaschen und getrocknet werden.
  • Lassen Sie Schleuderreste und Entdeckelungswachs nicht offen am Stand liegen.
  • Wollen Sie das Wachs alter Waben wieder zu Mittelwänden verarbeiten, sondern Sie Waben aus kranken Beuten aus; das Einschmelzen zu Hause tötet die Sporen nicht ab.
Innen gereinigte Honigschleuder aus Edelstahl
Innen gereinigte Honigschleuder aus Edelstahl. Die Schleudergeräte werden nach jeder Ernte gewaschen und an einem trockenen, geschlossenen Ort aufbewahrt. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Aufzeichnungen: der unsichtbare Teil der Hygiene

Welches Volk kam woher, wohin ging es, welche Wabe wurde in welche Beute gehängt, von welcher Quelle stammt welche Königin? Tritt ein Problem auf, ermöglichen diese Aufzeichnungen, die Quelle zu finden und nur in die betroffenen Beuten einzugreifen; ohne Aufzeichnungen wird der ganze Stand verdächtig.

Häufige Fragen

Reicht es, den Stockmeißel mit Alkohol abzuwischen?

Nein. Alkohol tötet die Sporen der Amerikanischen Faulbrut nicht ab. Kratzen Sie das Werkzeug ab und flammen Sie es ab oder waschen Sie es in heißer Sodalauge.

Lederhandschuhe oder Einweghandschuhe?

Aus hygienischer Sicht sind Einweg-Nitrilhandschuhe oder waschbare Handschuhe besser; Lederhandschuhe sammeln Rückstände und lassen sich nicht gut reinigen.

Kann ich meinen Bienen Honig aus dem Supermarkt füttern?

Nein. Honig unbekannter Herkunft kann Sporen der Amerikanischen Faulbrut enthalten. Verwenden Sie zum Füttern Zuckersirup oder Futterteig.

Kann ich ein neu gekauftes Volk sofort auf den Stand stellen?

Sicherer ist es, das Volk zunächst eine Zeit lang getrennt zu halten und Brut und Varroabefall zu kontrollieren. Zeigen sich keine Probleme, wird es in den Stand eingegliedert.

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