Honigproduktion

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Honiggewinnung bedeutet, ein starkes Volk rechtzeitig auf die Haupttracht vorzubereiten, den Honigraum zum richtigen Zeitpunkt zu geben und den reifen (verdeckelten) Honig zu ernten, wobei dem Volk sein Wintervorrat bleibt. Der Ertrag wird zum größten Teil Monate vor der Ernte, bei der Frühjahrsführung, bestimmt. Auf dieser Seite werden Honigraumführung, Erntezeitpunkt, Schleudern und Qualität Schritt für Schritt erklärt.

Wie entsteht Honig?

Die Sammlerinnen tragen Nektar von Blüten und bei manchen Pflanzen auch die süßen Ausscheidungen von Insekten ein (z. B. den Honigtau von Rindenläusen an Kiefern). In der Beute wird diese Flüssigkeit von Biene zu Biene weitergereicht und dabei mit Enzymen vermischt; Mehrfachzucker werden in Einfachzucker gespalten. Die Bienen verteilen die Flüssigkeit in den Wabenzellen und verdunsten durch Fächeln das Wasser.

Ist der Wassergehalt weit genug gesunken, wird die Zelle mit einer dünnen Wachsschicht verschlossen; das nennt man Verdeckeln. Verdeckelter Honig ist das Zeichen des Volkes, dass „dieser Vorrat fertig“ ist, und auch für den Imker das zuverlässigste Erntekriterium.

Verdeckelter Honigkranz im oberen Teil der Wabe, darunter verdeckelte Brut
Die natürliche Ordnung: oben auf der Wabe ein verdeckelter Honigkranz, darunter verdeckelte Brut. Honig wird über und seitlich des Brutnests eingelagert. Foto: Einebillion / Wikimedia Commons · CC BY 4.0

Was bestimmt den Honigertrag?

Eine Arbeiterin schlüpft etwa 21 Tage nach der Eiablage, arbeitet dann zwei bis drei Wochen im Stock und wird zur Sammlerin. Die Bienen, die in der Haupttracht Nektar eintragen sollen, müssen also etwa 5–6 Wochen vor der Tracht als Ei gelegt worden sein. Wer erst beim Anblick der Tracht handelt, ist zu spät; diese Rechnung wird auf der Seite „Nutzung der Tracht“ ausführlich behandelt.

  • Volksstärke: Mit vielen Bienen und reichlich Sammlerinnen in die Haupttracht zu gehen, ist der wichtigste Ertragsfaktor.
  • Königin: Eine junge, gut legende Königin beschleunigt die Frühjahrsentwicklung.
  • Schwarmkontrolle: Ein Volk, das vor der Tracht schwärmt, verliert einen großen Teil seiner Sammelkraft.
  • Gesundheit: Hohe Varroalast und Krankheiten senken den Ertrag unbemerkt.
  • Standort und Wetter: Entscheidend sind die Nähe des Bienenstandes zur Tracht sowie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag, die die Nektarabsonderung beeinflussen.

Wann und wie gibt man den Honigraum?

Der Honigraum (Honigzarge, Aufsatz) ist die Zarge, die über den Brutraum gesetzt wird und nur der Honigeinlagerung dienen soll. Der Zeitpunkt ist eine Abwägung in zwei Richtungen:

  • Rechtzeitig geben: Der Honigraum wird aufgesetzt, wenn im Brutraum die meisten Waben mit Bienen besetzt sind und die Tracht beginnt. Kommt er zu spät, findet die Königin keinen Platz zum Legen, und die Schwarmneigung steigt.
  • Nicht zu viel geben: Ein schwaches Volk kann großen Raum weder wärmen noch schützen; Wachsmotten und Räuberei drohen.
  • Ausgebaute Waben bevorzugen: Fertige Waben erlauben den Bienen, sofort Honig einzulagern. Sollen Mittelwände gegeben werden, wählt man Tage mit reicher Tracht.
  • Zweiter Honigraum: Ist der erste Honigraum etwa zu drei Vierteln gefüllt, wird der zweite aufgesetzt; bei starker Tracht verhindert frühes Handeln Platzmangel.
Zweizargige Beute nach der Durchsicht, bereit für den Honigraum
Zweizargige Beute nach abgeschlossener Durchsicht: Ist der Brutraum voller Bienen, ist der nächste Schritt das Aufsetzen des Honigraums. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Sollte man ein Absperrgitter verwenden?

Das Absperrgitter ist eine Platte mit Öffnungen, durch die Arbeiterinnen, aber nicht die Königin passen. Es verhindert Brut im Honigraum, sodass die Schleuderwaben sauber bleiben. Andererseits kann es bei schwachen Völkern und bei noch nicht ausgebauten Mittelwänden die Bienen bremsen, in den Honigraum zu gehen. Viele Imker legen das Gitter erst ein, wenn die Bienen den Honigraum angenommen haben.

Metall-Absperrgitter auf dem Brutraum
Auf den Brutraum gelegtes Absperrgitter aus Metall; der Honigraum kommt darauf. Foto: Easy n / Wikimedia Commons · Public domain

Wann wird Honig geerntet?

Maßgeblich für die Ernte ist nicht der Kalender, sondern die Reife. Die allgemeine Regel lautet, dass mindestens drei Viertel der Zellen verdeckelt sein sollten. Bei teilweise verdeckelten Waben hilft ein einfacher Test: Tropft beim waagerechten Stoßen der Wabe Nektar aus den Zellen (Spritzprobe), ist der Honig noch nicht reif.

Genauere Ergebnisse liefert die Messung des Wassergehalts mit dem Refraktometer. Honig mit hohem Wassergehalt gärt mit der Zeit (fermentiert), und die ganze Charge kann verderben. Angestrebt wird ein Wassergehalt unter 18 %; die allgemeine gesetzliche Obergrenze liegt bei 20 % (bei manchen Honigsorten kann sie abweichen).

Frisch verdeckelter Honig im Honigraum mit Bienen darauf
Honigraum voll frisch verdeckeltem Honig: Sind die meisten Waben verdeckelt, kann geerntet werden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Tragbares Honigrefraktometer
Tragbares Honigrefraktometer: misst mit einem Tropfen Honig in wenigen Sekunden den Wassergehalt. Foto: R. Henrik Nilsson / Wikimedia Commons · CC BY 4.0

Die Ernte Schritt für Schritt

  1. Bienen vom Honigraum trennen: Ein bis zwei Tage vor der Ernte wird zwischen Honigraum und Brutraum eine Bienenflucht eingelegt. Die Bienen wandern nach unten, können aber nicht zurück. Abfegen oder Abschütteln geht schneller, stört das Volk aber mehr.
  2. Wenig Rauch verwenden: Starker Rauch kann ins Honigaroma übergehen; ruhig und zügig arbeiten.
  3. Auf Räuberei achten: Ist die Tracht vorbei, keine Waben offen stehen lassen; Honigräume in geschlossenen Kisten transportieren.
  4. Den Wintervorrat lassen: Der Vorrat, den das Volk für den Winter braucht, wird berechnet; in Regionen mit kaltem, langem Winter bleibt mehr Honig im Volk.
  5. Aufzeichnungen führen: Welcher Stand, welche Tracht, welches Datum; getrennt zu schleudernde Partien getrennt transportieren.
Zerlegte Teile einer Bienenflucht
Ein in das Bienenfluchtbrett eingesetzter Einwegdurchgang: Die Bienen können aus dem Honigraum nach unten, aber nicht mehr zurück. Foto: Artic (Wikimedia Commons uploader) / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Wie wird Honig geschleudert?

Das Schleudern erfolgt in einem sauberen, geschlossenen Raum, in den keine Bienen gelangen. Man darf nicht vergessen, dass Honig Feuchtigkeit anzieht; die Waben sollten nicht in feuchter Umgebung stehen.

  1. Entdeckeln: Die Deckelschicht wird mit Entdeckelungsmesser oder -gabel abgeschnitten. Das anfallende Entdeckelungswachs wird gesondert gesammelt; es ist das wertvollste Bienenwachs.
  2. Schleuder (Honigschleuder): Die Waben werden in die Schleuder gestellt. Erst langsam, dann schnell drehen; volle, schwere Waben können brechen, wenn man schnell beginnt.
  3. Sieben und Klären: Der Honig läuft durch ein Grob- und ein Feinsieb in einen Klärbehälter. Nach einigen Tagen Ruhe steigen Luftbläschen und Wachsteilchen an die Oberfläche und werden abgeschöpft.
  4. Abfüllen: In saubere, trockene, lebensmitteltaugliche Gläser füllen und etikettieren.

Erwärmen macht Honig fließfähiger, zu viel Hitze verdirbt aber das Aroma und erhöht den HMF-Wert (Hydroxymethylfurfural), ein Qualitätskriterium. Muss erwärmt werden, dann bei niedriger Temperatur und nur kurz.

Entdeckeln einer verdeckelten Honigwabe mit elektrischem Messer
Abschneiden der Deckelschicht mit einem elektrischen Entdeckelungsmesser; die Deckel fallen in die Wanne darunter. Foto: User:Ben pcc / Wikimedia Commons · Public domain
Aus dem Quetschhahn der Honigschleuder in einen Eimer fließender Honig
Aus der Schleuder in einen Eimer mit Sieb fließender Honig. Das Sieb im Eimer hält Wachsteilchen zurück. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Getrennte Ernte und Qualität

Nach Trachtperiode und Bienenstand getrennt zu schleudern, bringt dreierlei: Die Angabe als Sortenhonig (z. B. Kastanie, Linde, Robinie) lässt sich durch Pollenanalyse belegen, der unterschiedliche Charakter der Honige bleibt erhalten, und bei Problemen ist die Rückverfolgbarkeit gewährleistet. Alles in einem Kessel zusammenzuschütten, vernichtet alle drei Vorteile.

  • Kristallisation (Kandieren): Ein natürlicher Vorgang, kein Verderb. Die Geschwindigkeit hängt von der Zuckerzusammensetzung und der Temperatur ab.
  • Lagerung: In geschlossenen Gefäßen, kühl, trocken und vor Sonne geschützt lagern. In offenen Gefäßen zieht Honig Wasser an und kann gären.
  • Hygiene: Gefäße aus Edelstahl oder lebensmitteltauglichem Kunststoff verwenden; verzinktes und rostiges Metall darf nicht mit Honig in Berührung kommen.

Fütterung und Ernte trennen

Solange der Honigraum aufgesetzt ist, wird weder Zuckerwasser noch anderes zuckerhaltiges Futter gegeben. Die Bienen verarbeiten das Futter und lagern es in den Waben ein; das Ergebnis ist kein Honig und wird meist durch Laboranalysen entdeckt. Diese Regel gilt rechtlich wie ethisch ohne Ausnahme.

Ist in einer Trachtlücke eine Fütterung nötig, werden die Honigräume zuerst abgenommen. Vorräte aus der Fütterung sollten im Brutraum verbraucht sein, damit sie in der nächsten Saison nicht in den Honigraum umgetragen werden.

Häufige Fehler

  • Unverdeckelten Honig ernten: Führt zu Gärung und Säuerung.
  • Das Volk hungern lassen: Nach der letzten Tracht den ganzen Honig zu nehmen, ist eine häufige Ursache von Überwinterungsverlusten.
  • Den Honigraum zu spät geben: Bedeutet Schwarm und verpasste Tracht.
  • Schleuderreste offen am Bienenstand lassen: Löst Räuberei und die Verbreitung von Krankheiten aus.
  • Honigraum während der Behandlung aufgesetzt lassen: Birgt Rückstandsrisiken.

Häufige Fragen

Wann wird Honig geerntet?

Wenn mindestens drei Viertel der Waben verdeckelt sind und möglichst der Wassergehalt gemessen wurde und unter 18 % liegt. Das Kalenderdatum hängt von Region und Tracht ab.

Wie viel Honig bringt ein Bienenvolk im Jahr?

Das schwankt stark je nach Region, Jahr, Volksstärke und danach, ob gewandert wird oder nicht. Selbst am selben Stand gibt es große Unterschiede zwischen den Völkern; Aufzeichnungen pro Beute sind der beste Wegweiser.

Was macht man mit ausgeschleuderten Waben?

Man kann sie am Abend den Völkern zum Auslecken zurückgeben und sie danach gegen Wachsmotten geschützt lagern. Sie dürfen nicht offen stehen gelassen werden.

Ist kandierter (kristallisierter) Honig verdorben?

Nein. Kristallisation ist ein natürlicher Vorgang; durch langsames Erwärmen bei niedriger Temperatur lässt sich Honig wieder verflüssigen.

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