Auslese auf Leistung und Qualität

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Die Zucht auf Leistung und Produktqualität ist die Verbesserung von Merkmalen wie dem Ertrag an Honig, Pollen, Propolis oder Gelée royale sowie Winterverbrauch, Entwicklungsgeschwindigkeit und Wabenqualität durch Selektion auf Grundlage aufgezeichneter Messungen. Da die Leistung stark von der Umwelt beeinflusst wird, ist die Zahl einer einzelnen Saison irreführend; nötig sind mehrjährige Aufzeichnungen und ein fairer Vergleich. Leistung ist nur mit sanftmütigen, gesunden und gut überwinternden Völkern auf Dauer zu halten.

Was bestimmt die Leistung eines Volkes?

Der Honigertrag hängt neben der Genetik von vielen Umweltfaktoren ab:

  • Stärke, Dauer und Entfernung der Tracht von der Beute
  • Witterung und Nektarfluss des jeweiligen Jahres
  • Ob das Volk stark in die Haupttracht gegangen ist
  • Alter und Legeleistung der Königin
  • Druck durch Varroa und Krankheiten
  • Ob es geschwärmt hat oder ob ein Ableger gebildet wurde
  • Zeitpunkt des Aufsetzens und die übrigen Eingriffe des Imkers

Deshalb ist die Heritabilität der Leistung gering bis mittel: Der größte Teil der Unterschiede stammt aus der Umwelt. Die Ertragszahl einer einzelnen Saison gibt keine verlässliche Auskunft über die Genetik des Volkes.

Ertragreicher Bienenstand mit hoch aufgesetzten Honigräumen
Selbst am selben Stand ist der Ertrag der Beuten unterschiedlich; welcher Anteil dieses Unterschieds genetisch ist, zeigen nur regelmäßige Aufzeichnungen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie misst man die Leistung?

  • Geernteter Honig: Der bei jeder Ernte pro Beute gewogene Honig. Auch Honigwaben, die in der Beute belassen oder an andere Beuten gegeben werden, werden notiert.
  • Nettogewichtszunahme: Wiegen der Beute zu Beginn und am Ende der Tracht; ein verlässlicherer Anzeiger als die Erntemenge. Elektronische Stockwaagen zeigen auch den täglichen Nektareintrag.
  • Winterverbrauch: Die Differenz zwischen Herbst- und Frühjahrsgewicht. Ein Volk mit geringem Verbrauch ist am Jahresende netto ertragreicher.
  • Entwicklungsgeschwindigkeit: Die Zunahme besetzter Waben und Brutwaben im Frühjahr.
  • Geschlossenheit des Brutnests: Der Anteil leerer Zellen in der verdeckelten Brutfläche; er zeigt die Qualität der Königin und die Vitalität der Brut.

Der Winterverbrauch wird oft übergangen: Ein Volk, das viel Honig einträgt und viel verbraucht, und eines, das weniger einträgt und wenig verbraucht, können am Jahresende gleich dastehen.

Honigraum voller vollständig verdeckelter Waben
Der pro Beute geerntete Honig ist das verbreitetste Leistungsmaß; jede Ernte sollte mit der Beutennummer aufgezeichnet werden. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Wabe mit geschlossener verdeckelter Brut in der Mitte, Pollen und Honig am Rand
Ein geschlossenes, lückenloses Brutnest ist ein Anzeiger für die Entwicklungskraft des Volkes und die Qualität der Königin. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie vergleicht man die Leistung fair?

Die Leistung lässt sich nur vergleichen, wenn die Völker unter gleichen Bedingungen gehalten werden: gleicher Stand, gleicher Beutentyp, ähnliche Ausgangsstärke und gleiche Betreuung. Wenn Sie mehrere Stände haben, vergleichen Sie nicht die Kilogramm, sondern die Abweichung vom Standdurchschnitt.

VolkStandErnte (kg)Standdurchschnitt (kg)Im Verhältnis zum Durchschnitt
ATiefland3225128 %
BHochland2015133 %

In Kilogramm hat A mehr Honig gebracht; im Verhältnis zu seinem eigenen Stand ist aber B überlegen. Bei der Auswahl der Zuchtmutter weist dieser relative Wert den richtigeren Weg. Völker, die geschwärmt haben, weisellos geworden oder erkrankt sind, nehmen nicht am Leistungsvergleich teil und werden gesondert notiert.

Warum gehören Überwinterung und Sparsamkeit zur Leistung?

Ein Volk, das den Winter mit wenig Vorrat und stark übersteht, ist im Frühjahr früh für die Tracht bereit und senkt die Fütterungskosten. Manche örtlichen Rassen und Ökotypen schränken bei Trachtende die Brutaufzucht ein und sparen so Vorräte; diese Sparsamkeit ist besonders in Regionen mit langen Wintern oder trockenen Sommern wertvoll. In der Zucht sollten Winterverbrauch und Frühjahrsstärke ebenso ernst genommen werden wie der Honigertrag.

Im Winter verhungerte Bienen, mit dem Kopf in den Zellen
Ein im Winter verhungertes Volk: Bienen, die mit dem Kopf in den Zellen gestorben sind, zeigen, dass der Vorrat aufgebraucht war. Linien mit hohem Winterverbrauch erhöhen dieses Risiko. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Risiken einer Selektion nur nach Leistung

Wird die Leistung zum einzigen Kriterium, verschlechtern sich andere Merkmale unbemerkt:

  • Die Stechlust kann zunehmen: Sehr fleißige, aber stechlustige Linien können in den Vordergrund treten.
  • Die Schwarmneigung kann steigen: Sehr stark werdende Völker können auch zum Schwärmen neigen.
  • Der Winterverbrauch kann steigen: Linien, die ständig Brut aufziehen, verbrauchen im Winter viel Vorrat.
  • Die Krankheitsresistenz kann nachlassen: Fehlen Hygiene und Milbenresistenz in der Selektion, gehen sie mit der Zeit zurück.

Zucht auf Pollen-, Propolis- und Gelée-royale-Ertrag

Auch bei anderen Produkten als Honig gibt es deutliche erbliche Unterschiede zwischen Völkern:

  • Pollen: Die Neigung zum Pollensammeln ist erblich; in Studien wurden durch Selektion Linien mit hohem und niedrigem Polleneintrag getrennt. Gemessen wird durch Wiegen des an bestimmten Tagen mit der Pollenfalle gesammelten Pollens.
  • Propolis: Das Sammeln von Propolis unterscheidet sich zwischen Linien und Rassen. Die mit dem Propolisgitter gewonnene Menge wird aufgezeichnet.
  • Gelée royale: Die Annahme der Weiselnäpfchen und die pro Zelle gewonnene Menge sind erblich. In China haben Linien, die über viele Jahre für die Gelée-royale-Erzeugung selektiert wurden, den Ertrag deutlich gesteigert.
Honigbiene mit gelber Pollenladung auf einer Weißklee-Blüte
Eine Arbeiterin mit Pollenladung. Die Neigung zum Pollensammeln unterscheidet sich zwischen Linien und lässt sich mit der Pollenfalle messen. Foto: Ivar Leidus / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Larven in Gelée royale in Weiselnäpfchen und Ammenbienen
In den Näpfchen angesammeltes Gelée royale: Annahme der Näpfchen und Menge des Futtersafts sind Selektionskriterien für den Gelée-royale-Erzeuger. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Auf welche Merkmale selektiert man für die Produktqualität?

Leistung ist nicht nur Menge. Manche Unterschiede zwischen Linien wirken sich unmittelbar auf die Ernte- und Verarbeitungszeit aus:

  • Art der Verdeckelung: Trockene, weiße oder nasse, dunkle Verdeckelung hängt von Rasse und Linie ab; für den Erzeuger von Wabenhonig sehr wichtig.
  • Brut im Honigraum: Die Neigung der Königin, in den Honigraum zu gehen, ist von Linie zu Linie verschieden.
  • Propolis und Wildbau: Völker, die wenig Propolis verwenden und wenig Brücken zwischen den Rähmchen bauen, erleichtern die Ernte.
  • Baufreudigkeit: Völker, die Mittelwände schnell ausbauen, sind für Wabenhonig und Ablegerbildung wertvoll.
Vollständig weiß verdeckelte Honigwabe
Eine gleichmäßig und weiß verdeckelte Honigwabe. Die Art der Verdeckelung ist erblich und ein Selektionskriterium für Wabenhonig. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie selektiert man ausgewogen?

Der praktische Weg besteht darin, eine einfache Gesamtpunktzahl zu bilden, die mehrere Merkmale gemeinsam bewertet. Die Gewichte richten sich nach dem Ziel des Imkers; zum Beispiel:

MerkmalBeispielgewichtung
Honigertrag (im Verhältnis zum Standdurchschnitt)30 %
Sanftmut und Wabensitz25 %
Hygieneverhalten und Milbenzuwachs25 %
Überwinterung und Schwarmneigung20 %

Die Rangfolge ist von Imker zu Imker verschieden, doch Sanftmut, Überwinterung und Gesundheit kommen meist vor der Leistung: In einem kranken und stechlustigen Volk hält eine hohe Leistung nicht lange an.

Der häufigste Fehler bei der Leistungszucht: sofort Königinnen aus der Beute mit dem höchsten Honigertrag des Jahres nachziehen. Prüfen Sie zuerst Standort, Schwarmgeschichte und Winterverbrauch der Beute; beobachten Sie sie nach Möglichkeit ein weiteres Jahr.

Häufige Fragen

Sollte ich Königinnen aus der Beute mit dem meisten Honig nachziehen?

Nur wenn sie mehrere Jahre beständige Ergebnisse gebracht hat und auch in Sanftmut, Überwinterung und Gesundheit gut ist. Der Ertrag eines einzelnen Jahres geht oft auf den Standort oder darauf zurück, dass das Volk nicht geschwärmt hat.

Wie lange dauert Leistungszucht?

Da die Leistung stark von der Umwelt beeinflusst wird, geht der Fortschritt langsam voran; nötig sind mehrere Generationen und mehrjährige Aufzeichnungen.

Ist eine Stockwaage notwendig?

Nicht zwingend, aber sehr nützlich. Nettogewichtszunahme und Winterverbrauch liefern verlässlichere Informationen als die Erntemenge.

Braucht man für Pollen oder Gelée royale eine eigene Linie?

Im gewerblichen Maßstab ja; bei diesen Produkten ist die Sammelneigung erblich. Im Hobbymaßstab genügt die Selektion auf allgemeine Leistung und Gesundheit.

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