Standortwahl

💬 WhatsApp

Die Standortwahl für den Bienenstand ist die Bewertung des Platzes, an dem die Beuten stehen sollen, nach Tracht, Sonne, Wind, Feuchtigkeit, Wasser, Zufahrt, Nachbarschaft und gesetzlichen Vorschriften. Ein Volk lässt sich führen, eine Königin austauschen, Ausrüstung erneuern – der Standort aber bleibt oft über Jahre derselbe. Deshalb ist der Standort die dauerhafteste Entscheidung des Imkers und diejenige, die den Ertrag am stärksten bestimmt.

Die erste Frage bei der Standortwahl: Was blüht in der Umgebung?

Eine Honigbiene kann bei Bedarf mehrere Kilometer weit fliegen, doch eine entfernte Tracht ist unwirtschaftlich: Der Energieaufwand pro Flug steigt, die Zahl der täglichen Sammelflüge sinkt. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht „Wie weit fliegt die Biene?“, sondern Was gibt es im Nahbereich der Beute während der ganzen Saison?

Wenn Sie einen Platz besichtigen, achten Sie auf Folgendes:

  • Lückenlose Blüte: Gibt es Pflanzen, die vom Frühjahr bis zum Herbst nacheinander blühen, oder nur eine einzige intensive Phase?
  • Pollen im zeitigen Frühjahr: Früh blühende Pflanzen wie Weide, Mandel, Pflaume und Kornelkirsche setzen die Frühjahrsentwicklung des Volkes in Gang.
  • Tracht im Spätsommer und Herbst: Pollen und Nektar in der Zeit, in der die Winterbienen aufgezogen werden, sorgen dafür, dass das Volk stark in den Winter geht.
  • Vielfalt der Landschaft: Monokulturen (etwa große Sonnenblumen- oder Rapsfelder) liefern eine kurze, intensive Tracht; eine gemischte Landschaft mit Feldrainen, Gebüsch, Weiden und Waldrändern ist ausgewogener.

Eine einzige kurze, intensive Tracht ist oft weniger wert als eine lange, ausgewogene Blüte; nach dem Ende der Tracht hungern die Völker, und die Räuberei beginnt.

Honigbiene sammelt Nektar an einer Rapsblüte
Honigbiene an einer Rapsblüte. Raps liefert im Frühjahr reichlich Nektar und Pollen, erfordert aber Aufmerksamkeit wegen Pflanzenschutzspritzungen. Foto: Ivar Leidus / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Robinienblüten, eine Tracht im Spätfrühjahr
Robinienblüte. Täler mit vielen Robinien liefern im Spätfrühjahr eine kurze, aber starke Honigtracht. Foto: 4028mdk09 / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Tracht nach Regionen in der Türkei

Die klimatische Vielfalt der Türkei verlangt, den Bienenstandort je nach Region unterschiedlich zu bewerten. An den Küsten und in den Ebenen stehen Zitrusfrüchte, Baumwolle und Sonnenblume im Vordergrund; im Landesinneren und im Osten Hochlandblumen, Tragant und Thymian; am Schwarzen Meer Edelkastanie, Linde und Waldpflanzen. Die Kalabrischen Kiefernwälder der Ägäis und des Mittelmeers liefern den Honigtau, aus dem Pinienhonig entsteht. Der Wert eines Platzes hängt nicht nur von ihm selbst ab, sondern in der Wanderimkerei auch von den nachfolgenden Trachten, die sich von dort erreichen lassen.

Kalabrische Kiefer im Taurusgebirge
Kalabrische Kiefer (Pinus brutia) im Taurusgebirge. Der Honigtau, den eine Rindenlaus auf dieser Kiefer hinterlässt, ist die Grundlage des türkischen Pinienhonigs. Foto: Rene MT from Hennigsdorf, Germany / Wikimedia Commons · CC BY 2.0

Sonne, Schatten und Wind

  • Morgensonne: Wärmt die Beuten früh, lässt die Bienen früh ausfliegen und verlängert die tägliche Sammelzeit.
  • Mittagsschatten: Verringert in heißen Regionen den Kühlaufwand des Volkes; in Beuten, die im Sommer ständig in der Sonne stehen, verbrauchen die Bienen ihre Energie für die Kühlung statt fürs Sammeln.
  • Windschutz: Ständiger Wind erschwert den Flug und erhöht im Winter den Wärmeverlust. Plätze, die im Rücken durch Hecke, Mauer, Hang oder dichten Baumbestand geschützt sind, sind vorzuziehen.

In kalten Regionen bewähren sich südexponierte, windgeschützte Hänge, in heißen Regionen Plätze unter laubabwerfenden Bäumen. Ein laubabwerfender Baum spendet im Sommer Schatten und lässt im Winter die Sonne durch.

Beuten auf Terrassen vor einer Steinmauer
Vor einer Steinmauer auf Terrassen aufgestellte Beuten. Die Mauer bricht den vorherrschenden Wind und speichert die Sonnenwärme. Foto: Alexkom000 / Wikimedia Commons · CC BY 4.0
Unter Bäumen verteilt aufgestellte Beuten
Locker unter lichten Bäumen verteilte Beuten. Die Bäume spenden im Sommer Mittagsschatten; ein sehr dunkler, feuchter Waldstandort ist dagegen ungeeignet. Foto: MOs810 / Wikimedia Commons · CC BY 4.0

Untergrund und Feuchtigkeit: Senken meiden

Ein trockener Untergrund ist unerlässlich. Ständig feuchte, schattige Plätze mit stehender Luft begünstigen Schimmel in der Beute, Pilzkrankheiten wie die Kalkbrut und die Fäulnis des Holzes.

  • Bachbett und Abflussrinne: Eine plötzliche Flut kann über Nacht den ganzen Bienenstand fortreißen.
  • Senken: Kaltluft und Nebel sammeln sich in Mulden; im Winter kann es dort einige Grad kälter sein als in der Umgebung.
  • Leicht geneigter, gut drainierter Boden ist ideal; die Beuten werden zusätzlich auf Unterlagen oder Ständern vom Boden abgehoben.

Wasserquelle

Das Volk braucht regelmäßig Wasser zum Kühlen, zur Zubereitung des Brutfutters und zum Lösen von kristallisiertem Honig. Ein sauberer Bach, ein Seeufer oder eine Quelle in der Nähe ist ein großer Vorteil. Fehlt so etwas, sollte der Imker eine flache, sichere Tränke einrichten. Bienen ohne eigene Wasserquelle fliegen zum Pool des Nachbarn, zur Viehtränke oder zum tropfenden Wasserhahn – einer der häufigsten Gründe für Beschwerden. Verschmutztes, gedüngtes oder mit Pflanzenschutzmitteln belastetes Wasser ist zu meiden.

Zufahrt und Arbeitserleichterung

Ein voller Honigraum ist schwer, und bei einer Ernte werden Dutzende davon getragen. Ein Bienenstand, an den man nicht mit dem Fahrzeug heranfahren kann, wird bei Ernte und Fütterung zur echten Last. Der Weg muss auch im Winter und in Regenzeiten befahrbar bleiben; wer mitten im Winter eine umgestürzte Beute oder eine Notfütterung nicht erreicht, verliert Völker. Auch die Entfernung zählt: Ein sehr weit entfernter Stand wird selten besucht, und Probleme werden spät bemerkt.

Zur Bestäubung an einen Feldrand gebrachte Beuten
Zur Bestäubung an einen Feldrand gebrachte Beuten. In Agrarflächen wird der Standort zusammen mit der Nähe zum Fahrweg und dem Spritzplan bewertet. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Nachbarschaft, Sicherheit und Pflanzenschutzmittel

  • Flugbahn: Die Fluglöcher sollten nicht auf Pfade, Straßen, Schulhöfe oder Nachbarhöfe zeigen.
  • Tiere: Abstand zu Ställen und Pferchen halten; weidende Tiere können Beuten umwerfen, und Bienen können Tiere belästigen.
  • Sichtbarkeit: Ein von der Straße aus sichtbarer Stand erhöht das Risiko von Diebstahl und Beschädigung; ein unauffälliger, aber mit dem Fahrzeug erreichbarer Platz ist vorzuziehen.
  • Spritzungen: Gibt es in der Umgebung intensive Landwirtschaft, finden Sie heraus, welche Kulturen wann gespritzt werden, und halten Sie Kontakt zu den Landwirten. Spritzungen in blühende Bestände sind die Hauptursache für Massensterben von Bienen.
  • Andere Bienenstände: Steht unmittelbar daneben ein großer Bienenstand, wird die Tracht geteilt und die Übertragung von Krankheiten nimmt zu.

Wie viele Völker und gesetzliche Vorschriften

Die Zahl der Völker an einem Platz ist durch die Tracht der Umgebung begrenzt. Eine zu hohe Dichte schwächt die Völker, fördert die Räuberei und verschärft die Konkurrenz mit Wildbienen. In trachtarmen Regionen schützt es sowohl den Ertrag als auch die Umwelt, die Völkerzahl zu begrenzen oder die Beuten auf mehrere Stände zu verteilen.

In der Türkei legt die Imkereiverordnung die Abstände des Bienenstandes zu Straßen, Siedlungen und öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Moscheen und Gesundheitseinrichtungen fest; kann der Abstand nicht eingehalten werden, können Maßnahmen wie ein hoher Zaun verlangt werden. Bienenstände werden dort im Imkerei-Registrierungssystem erfasst. Informieren Sie sich vor der Standortwahl beim zuständigen Veterinäramt bzw. der örtlichen Landwirtschaftsbehörde über die aktuellen Vorschriften.

Bewertungstabelle für den Bienenstandort

KriteriumGuter StandortZu meidender Standort
TrachtVielfältige Blüte über die ganze SaisonMonokultur, lange Trachtlücken
SonneMorgensonne, bei Hitze MittagsschattenGanztägig tiefer Schatten oder volle Sonne
WindIm Rücken durch Hecke, Mauer oder Hang geschütztOffener Kamm, Windschneise
UntergrundTrocken, leicht geneigtBachbett, Senke, Sumpf
WasserSauberes Wasser oder Tränke in der NäheOhne Wasser oder nur Wasser des Nachbarn
ZufahrtZu jeder Jahreszeit befahrbarIm Winter gesperrter Weg, Fußpfad
UmgebungAbseits von Straßen und Häusern, nicht einsehbarStraßenrand, Schule, intensiv gespritztes Feld

Häufige Fragen

Sollten Bienenbeuten in der Sonne oder im Schatten stehen?

Ideal ist ein Platz mit Morgensonne, der in heißen Regionen zur Mittagszeit im Schatten liegt. Ganztägig tiefer Schatten erhöht die Feuchtigkeit, ganztägige Sonne belastet das Volk im Sommer.

Kann ich meinen Bienenstand an einem Bach aufstellen?

Wassernähe ist gut, aber nicht im Bachbett selbst und nicht auf einer überschwemmungsgefährdeten Fläche. Wählen Sie einen trockenen, gut drainierten Platz einige Meter höher.

Woran erkenne ich, ob ein Standort gut ist?

Beobachten Sie ein Jahr lang, was in der Umgebung wann blüht; probieren Sie es wenn möglich zuerst mit wenigen Völkern. Auch die Erfahrung der Imker vor Ort ist sehr wertvoll.

Wie weit muss ein Bienenstand von der Straße entfernt sein?

Die Abstandsregeln sind in der Verordnung je nach Straßentyp und Siedlung festgelegt. Die aktuellen Abstände erfahren Sie beim zuständigen Veterinäramt bzw. der örtlichen Landwirtschaftsbehörde.

VERWANDTE VIDEOS
VERWANDTE PDF-DATEIEN
PDF Anlaşılabilir ArıcılıkSamsun İl Tarım ve Orman Müdürlüğühttps://samsun
PDF Haydi ArıcılığaDoğu Karadeniz Projesi Bölge Kalkınma İdaresi Başkanlığ
PDF Bal Arısı Arı Yetiştiriciliği (Koloni Yönetimi)OMÜ | Ondokuz Mayıs Üni
PDF HAYVAN YETĠġTĠRĠCĠLĠĞĠ VE SAĞLIĞI ARICILIK ...MEBhttp://www.megep.meb.

Beiträge von Imkern

Noch keine Beiträge.