Bienenbrot (Perga) gewinnen

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Bienenbrot (Perga) ist der von den Bienen gesammelte Pollen, der zusammen mit Honig und Sekreten in die Wabenzellen gestampft und eingelagert wurde; er ist der Eiweißvorrat des Volkes. Gewonnen wird er, indem man ihn als sechseckige Körner aus den Zellen löst; deshalb ist die Ernte weit mühsamer als beim Rohpollen. Die Erzeugung sollte unter Berücksichtigung des Eiweißbedarfs des Volkes und des Wabenerneuerungszyklus geplant werden.

Was ist Bienenbrot (Perga)?

Die heimkehrende Pollensammlerin streift ihre Höschen in einer Zelle nahe dem Brutnest ab. Junge Bienen stampfen den Pollen mit dem Kopf in die Zelle und geben etwas Honig und Sekret hinzu. Die Zelle füllt sich Schicht für Schicht; manchmal wird obenauf eine dünne Honigschicht gelegt. Diese verdichtete, leicht säuerliche Masse nennt man Bienenbrot (Perga, bee bread).

Perga ist die grundlegende Eiweißquelle, damit Ammenbienen Futtersaft absondern und Larven ernährt werden können. In der Beute bildet sie meist einen Kranz unmittelbar um das Brutnest; Honig wird weiter außen und oben eingelagert.

Schichtweise gestampfter Pollen im Wabenquerschnitt
Querschnitt durch Wabenzellen: Pollen verschiedener Pflanzen ist schichtweise eingestampft. So löst sich Perga als festes Korn aus der Zelle. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie entsteht Perga? Die Frage der Fermentation

In der Perga mischen sich mit dem Pollen, dem Honig und den Bienensekreten auch Milchsäurebakterien und Hefen aus der Beute; der Säuregehalt in der Zelle steigt. In der traditionellen Darstellung wird dieser Vorgang als „Fermentation“ beschrieben, und Perga gilt als umgewandeltes Nahrungsmittel mit verbesserter Verdaulichkeit.

Neuere Forschungen haben das Bild etwas verändert: Die Befunde deuten darauf hin, dass dieser Vorgang weniger den Nährwert des Pollens grundlegend umwandelt, sondern ihn vielmehr vor dem Verderb schützt. Zudem verbrauchen die Bienen eingelagerten Pollen oft innerhalb von Tagen oder Wochen. Kurz gesagt ist Perga richtig gelagerter und konservierter Pollen; Behauptungen wie „um ein Vielfaches besser als Rohpollen“ sind nicht belegt.

Pollengefüllte Zellen und Schichten im Wabenquerschnitt
Pollengefüllte Zellen im Querschnitt: Die Farbbänder zeigen Pollen, den die Bienen an verschiedenen Tagen von verschiedenen Pflanzen eingetragen haben. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Unterschiede zwischen Perga und Rohpollen

MerkmalBienenpollen (Höschen)Perga (Bienenbrot)
Woher stammt er?Aus der Pollenfalle am FluglochAus den Wabenzellen
FormRunde, bunte HöschenFeste Körner mit sechseckigem Querschnitt
GeschmackMild, je nach Pflanze unterschiedlichSäuerlich, intensiver
VerderbFrisch sehr schnellDank Säure haltbarer
ErnteaufwandGeringHoch; die Wabe wird verarbeitet
Belastung für das VolkMittel bei zeitweiser ErnteDirekter Abzug aus dem Vorrat

Wie wird Perga geerntet?

Perga sitzt in den Wabenzellen, und um sie zu gewinnen, muss die Wabe verarbeitet werden. Das allgemeine Verfahren sieht so aus:

  1. Wabenauswahl: Man wählt brutfreie Waben, die größtenteils mit Pollen gefüllt sind. Das sind meist die Waben am Rand des Brutnests.
  2. Der Anteil des Volkes: Man vergewissert sich, dass in der Beute genug Pollenvorrat ist und weiterhin Pollen eingetragen wird; das Volk darf nie ohne Perga dastehen.
  3. Aus der Wabe lösen: Die Wabe wird aus dem Rähmchen geschnitten. Sie wird eingefroren, damit sie spröde wird, dann zerkleinert, und Wachs und Perga werden mit Sieben oder speziellen Trennern voneinander getrennt.
  4. Trocknen: Bei Bedarf werden die Körner bei niedriger Temperatur in belüfteter Umgebung getrocknet; hohe Hitze mindert die Qualität.
  5. Reinigen: Wachskrümel, Kokonreste und Fremdstoffe werden ausgelesen.

Durch dieses Verfahren wird die Wabe unbrauchbar; das verbleibende Wachs wird eingeschmolzen und verwertet. Wirtschaftlich ist die Perga-Ernte deshalb, wenn sie mit dem Wabenerneuerungszyklus geplant wird: Man wählt Waben, die ohnehin ausgetauscht werden sollen.

Größtenteils mit Pollen gefüllte Wabe mit Bienen
Eine Wabe, die größtenteils mit Pollen gefüllt ist. Für die Perga-Ernte werden brutfreie, pollenreiche Waben ausgewählt. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Zellen mit verschiedenfarbigem Pollen neben dem Brutnest
Mit verschiedenfarbigem Pollen gefüllte Zellen; auf derselben Wabe wird Pollen vieler Pflanzen zusammen eingelagert. Foto: Waugsberg / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Was es das Volk kostet

Perga ist der Eiweißvorrat des Volkes für Winter und zeitiges Frühjahr. Dieser Vorrat ermöglicht es, im zeitigen Frühjahr mit der Brutaufzucht zu beginnen, wenn draußen noch kaum Pollen zu finden ist. Eine zu starke Ernte begrenzt unmittelbar die Brut und verzögert die Frühjahrsentwicklung.

  • Zeitpunkt: Geerntet wird in Zeiten reicher Pollentracht, in denen das Volk seinen Vorrat schnell auffüllen kann.
  • Vor dem Winter: Im Herbst wird der Pollenvorrat für den Winter nicht entnommen.
  • Schwaches Volk: Von schwachen oder frisch geteilten Völkern wird keine Perga geerntet.
Wabe mit buntem Pollenkranz um das Brutnest
Der Pollenkranz rund um das Brutnest. Das ist der Eiweißvorrat des Volkes; eine Ernte darf diesen Kranz niemals aufbrauchen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wie lagert man Perga?

  • Trocken und kühl: In trockener, kühler und dunkler Umgebung lagern.
  • Gefäß: Luftdichtes, lebensmitteltaugliches Glas oder geeigneten Kunststoff verwenden.
  • Langfristig: Einfrieren verbessert Qualität und Sicherheit vor Schädlingen.
  • Feuchtigkeit: Perga, die Feuchtigkeit zieht, schimmelt; verschimmelte Ware wird nicht verwendet.

Mit Perga gefüllte Waben, aus denen sie noch nicht herausgelöst wurde, ziehen im Lager Wachsmotten an; sollen sie aufbewahrt werden, müssen sie durch Einfrieren geschützt werden.

Häufige Fehler

  • Waben mit Brut verarbeiten: Man verliert Brut, und Larven- und Kokonreste gelangen ins Produkt.
  • Im Herbst Perga ernten: Das Volk geht ohne Eiweißvorrat in den Winter; die Frühjahrsentwicklung verzögert sich.
  • Bei hoher Temperatur trocknen: Farbe, Aroma und Nährstoffe leiden.
  • Waben aus Behandlungszeiträumen verwenden: In Wachs und Pollen angereicherte Rückstände gehen ins Produkt über.
  • Pergawaben offen im Lager liegen lassen: Eine Einladung für Wachsmotten und Schimmel.

Perga und Gesundheit

Perga ist reich an Nährstoffen und hat eine traditionelle Verwendung. Studien, die bestimmte gesundheitliche Wirkungen beim Menschen belegen, sind jedoch begrenzt; das Produkt darf nicht mit Heilversprechen verkauft werden. Da es aus Pollen besteht, birgt es ein Allergierisiko; Menschen mit Pollenallergie oder Asthma sollten vor dem Verzehr ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Sind Perga und Pollen dasselbe?

Nein. Pollen sind die frischen, mit der Falle gesammelten Höschen; Perga ist eingelagerter Pollen, den die Bienen in die Wabenzellen gestampft und mit Honig und Sekreten konserviert haben.

Wie gewinnt man Perga?

Eine mit Pollen gefüllte Wabe wird herausgeschnitten, eingefroren und zerkleinert, und die Pergakörner werden mit Sieben oder speziellen Trennern vom Wachs getrennt. Die Wabe ist danach nicht mehr verwendbar.

Kann man aus jeder Beute Perga ernten?

Nein. Nur von starken Völkern mit laufender Pollentracht und ausreichendem Vorrat, möglichst aus Waben, die ohnehin erneuert werden sollen.

Wie lagert man Perga?

Trocken, kühl und dunkel in einem luftdichten Gefäß; für längere Zeit in der Tiefkühltruhe. Zieht sie Feuchtigkeit, schimmelt sie.

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