Untersuchung eines toten Volkes

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Die Obduktion eines toten Volkes ist die systematische Untersuchung einer Beute, deren Volk den Winter oder die Saison nicht überlebt hat, um die Todesursache zu finden. Die Haltung der toten Bienen, die Lage des Honigs, das Brutnest und das Gemüll auf dem Boden zeigen die Ursache oft ganz deutlich. Dieses Wissen rettet das nächste Jahr; wer die Beute einfach ausräumt und weitermacht, wiederholt denselben Fehler.

Warum obduziert man ein totes Volk?

Die meisten Winterverluste entscheiden sich Monate vor dem Tod, im Spätsommer und Herbst: Milbenbelastung, Wintervorrat, Zustand der Königin, Feuchtigkeit in der Beute. Die Beute bewahrt diese Spuren eine Weile, doch mit der Zeit verwischen Wachsmotten, Mäuse und Räuberbienen das Bild. Deshalb sollte eine tote Beute noch an dem Tag untersucht werden, an dem man sie entdeckt, ohne etwas durcheinanderzubringen.

Das zweite Ziel der Obduktion ist, eine Ansteckung zu verhindern. Waben und Honig eines toten Volkes möchte man oft anderen Völkern geben. War die Todesursache eine Faulbrut, wird die Krankheit mit diesen Waben über den ganzen Bienenstand verschleppt. Solange die Ursache nicht geklärt ist, kommt keine Wabe in eine andere Beute.

Wie untersucht man eine tote Beute? (Schritt für Schritt)

  1. Zuerst die Beute verschließen. Verschließen Sie sofort das Flugloch; eine offen stehende tote Beute wird innerhalb weniger Stunden ausgeraubt, und ein darin vorhandener Erreger gelangt in die Nachbarvölker.
  2. Das Äußere dokumentieren. Tote Bienen vor dem Flugloch, Kotflecken, Nagespuren, Neigung der Beute und Zustand des Deckels. Machen Sie Fotos.
  3. Deckel öffnen, auf Geruch und Feuchtigkeit achten. Nässe, Schimmel, tropfendes Wasser, stechender Mäusegeruch oder Fäulnisgeruch werden notiert.
  4. Die Lage der Wintertraube bestimmen. Auf welchen Waben liegen die toten Bienen, wie groß ist die Traube (eine Handvoll oder zwei Wabengassen), hat die Traube Kontakt zum Honig?
  5. Den Vorrat erfassen. Gibt es verdeckelten Honig und Pollen, und wenn ja, wie viele Waben von der Traube entfernt?
  6. Das Brutnest untersuchen. Tote Larven und Puppen, löchrige oder eingesunkene Zelldeckel, Drohnenbrut in Arbeiterinnenzellen, mehrere Eier pro Zelle.
  7. Den Boden ansehen. Milben, Haufen toter Bienen, Wachskrümel von Zelldeckeln, Wachsmottenlarven und Kot.
  8. Aufschreiben. Befunde und Datum werden zusammen mit den Pflege- und Behandlungsaufzeichnungen dieses Volkes aus dem Jahr ausgewertet.

Woran erkennt man ein verhungertes Volk?

Bild: Sehr viele tote Bienen stecken mit dem Kopf voran in den Zellen, der Hinterleib schaut heraus; die Traube ist auf der Wabe gestorben. Um und über der Traube gibt es keinen oder nur sehr wenig Honig. Auf dem Boden liegt ein großer Haufen toter Bienen.

Bedeutung: Der Wintervorrat war zu knapp, oder die Herbstfütterung kam zu spät und fiel zu gering aus. Das zeitige Frühjahr ist die gefährlichste Zeit für Hungertod: Die Bruttätigkeit nimmt zu, der Verbrauch steigt, und draußen gibt es noch keine Tracht.

Verhungerte Bienen mit dem Kopf in den Wabenzellen
Das typische Bild des Hungertods: Die Bienen sind mit dem Kopf in den Zellen, auf der Suche nach dem letzten Tropfen Honig, gestorben, der Hinterleib ragt heraus. Auf der Wabe ist kein verdeckelter Honig zu sehen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Futterabriss (Isolationshunger)

Man sieht dasselbe Bild mit den Köpfen in den Zellen, doch zwei, drei Waben weiter stehen volle Honigwaben. Der Vorrat war da, doch die Traube konnte ihn in der Kälte nicht erreichen. Die Wintertraube wandert bei Kälte meist nicht seitwärts, sondern nach oben; liegt der Vorrat seitlich und verhindert eine lange Kälteperiode, dass die Traube umzieht, verhungert sie in einer vollen Beute. Bei kleinen Trauben ist dieses Risiko viel höher. Die Lösung ist, im Herbst den Wintersitz richtig einzurichten und den Kontakt der Traube zum Honig sicherzustellen.

Nach Hungertod im Winter auf dem Boden angesammelte tote Bienen
Nach dem Hungertod im Winter auf den Gitterboden gefallene tote Bienen. Die Größe des Haufens gibt auch einen Hinweis darauf, wie stark die Traube in den Winter gegangen ist. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Varroa-Zusammenbruch: wenige Bienen, viel Honig

Bild: In der Beute liegen sehr wenige tote Bienen, dafür ist oft reichlich Honig vorhanden. Manchmal findet man eine kleine Traube aus Königin und einer Handvoll Arbeiterinnen. Das Brutnest ist lückenhaft; man sieht löchrige Zelldeckel, tote Puppen in den Zellen und halb geschlüpfte Bienen. An den oberen Zellwänden der Brutzellen gibt es weiße, kristallartige Ablagerungen von Milbenkot, auf dem Boden tote Milben. Bienen mit verkrüppelten Flügeln weisen auf das Flügeldeformationsvirus hin.

Bedeutung: Das Volk ist nicht verhungert, sondern gestorben, weil ihm die Bienen ausgegangen sind. Die im Spätsommer und Herbst aufgezogenen Winterbienen kamen wegen hoher Milbenbelastung und Viren geschwächt zur Welt und gingen mitten im Winter vorzeitig verloren. Ursache ist meist eine im August–September nicht kontrollierte Milbenbelastung.

Das ist das trügerischste Bild: Man sieht viel Honig und sagt: „Verhungert ist es nicht, also muss es etwas anderes sein.“ Treten wenige tote Bienen und viel Honig zusammen auf, gilt der erste Verdacht der Varroa. Auch wenn es so aussieht, als hätten die Bienen die Beute verlassen, sind sie in Wirklichkeit einzeln draußen gestorben.
Biene mit verkrüppelten Flügeln und löchrige Brutdeckel
Treten Bienen mit verkrüppelten Flügeln und löchrige Zelldeckel zusammen auf, ist an einen schweren Varroabefall zu denken. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Tote Puppen und löchrige Zelldeckel bei schwerem Varroabefall
Die Spuren eines schweren Varroabefalls in der Brut: lückenhaftes Brutnest, tote Puppen und geöffnete Zelldeckel. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Spuren von Weisellosigkeit und Afterweiseln

Bild: Gewölbt verdeckelte Drohnenbrut (Buckelbrut) in Arbeiterinnenzellen, mehrere Eier pro Zelle, Eier nicht am Zellboden, sondern an den Zellwänden, ein unregelmäßiges, lückenhaftes Brutnest. Die Traube ist klein, die Bienen sind alt.

Bedeutung: Die Königin ging im Herbst verloren oder wurde nicht begattet; das Volk konnte nicht umweiseln, und Afterweisel (eierlegende Arbeiterinnen) traten auf. Ein Volk, das weisellos oder mit schwacher Königin in den Winter geht, erlebt selten das Frühjahr. Stehen nur in Arbeiterinnenzellen regelmäßig angeordnete Drohnenbrut und je Zelle nur ein Ei, liegt das Problem eher bei einer drohnenbrütigen (erschöpften oder unbegatteten) Königin.

Gewölbt verdeckelte Drohnenbrut in Arbeiterinnenzellen
Kuppelförmig gewölbte Drohnenbrutdeckel in Arbeiterinnenzellen: Die Königin ist drohnenbrütig geworden, oder das Volk hat nur noch Afterweisel. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)
Mehrere Eier pro Zelle als Zeichen von Afterweiseln
Mehrere Eier in derselben Zelle und an den Zellrand gelegte Eier sind typische Zeichen von Afterweiseln. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Was verraten Feuchtigkeit, Schimmel und Kotflecken?

Feuchtigkeit: Das Beuteninnere ist nass, am Deckel und an den Randwaben hängen Wassertropfen, auf dem Boden steht Wasser, das Holz zeigt schwarze Flecken. Die Belüftung ist unzureichend, der Deckel undicht, oder die Beute steht in einer Senke im Schatten. Kondenswasser, das auf die Traube tropft, durchnässt und unterkühlt die Bienen; im Winter ist Feuchtigkeit mindestens so gefährlich wie Kälte.

Achtung: Nach dem Tod bildet sich in der Beute rasch Schimmel. Schimmel auf den Waben darf nicht allein als Todesursache gelten; er muss zusammen mit dem Zustand der Traube und dem Vorrat bewertet werden.

Kotflecken (Ruhr): Auf den Oberträgern, auf den Waben und rund um das Flugloch sieht man braune Kotflecken. Die Bienen konnten lange keinen Reinigungsflug machen, die Kotblase war überlastet. Zu den Ursachen zählen eine Nosema-Infektion, eine lange Kälteperiode, Honigtauhonig im Winterfutter oder ungeeigneter Sirup. Das Bild der Ruhr ist kein Beweis für Nosema; für eine sichere Diagnose ist eine mikroskopische Untersuchung toter Bienen im Labor nötig.

Dunkelbraune Kotflecken auf den Oberträgern der Rähmchen
Dunkelbraune Kotflecken auf den Oberträgern. Dieses Bild weckt den Verdacht auf Nosema; die Diagnose stellt das Labor. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Maus, Wachsmotte und Räuberei: Ursache oder Folge?

Maus: Angenagte Waben, Späne und Blätterhaufen unter den Rähmchen, Nestreste und stechender Geruch. Es war kein Mäusegitter angebracht. Eine Maus kann ein Volk töten, indem sie die Waben nahe der Traube annagt und die Bienen stört; manchmal zieht sie aber auch erst ein, nachdem das Volk aus anderem Grund gestorben ist.

Unter der Beute nistende Maus und angenagtes Holz
Eine Maus, die sich in oder unter der Beute einnistet, nagt im Winter an den Waben, während die Traube reglos sitzt. Im Herbst sollte ein Mäusegitter vor das Flugloch. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Wachsmotte: Mit Gespinsten durchzogene Waben, Kokons und Larven. Ein starkes Volk lässt keine Wachsmotte zu; die Motte ist meist nicht die Ursache, sondern die Folge des Todes. Die eigentliche Ursache ist unter der Motte zu suchen.

Schwerer Wachsmottenschaden in einer leer gewordenen Beute
Schwerer Mottenschaden in der leer gewordenen Beute eines toten Volkes. Wäre die Beute rechtzeitig verschlossen und die Waben geschützt worden, hätte sich dieser Verlust vermeiden lassen. Foto: APHA (National Bee Unit), Crown Copyright · Open Government Licence v3.0 (Crown Copyright)

Ausgeraubte Beute: Zerkaute Zellränder, viele Wachskrümel auf dem Boden und vor dem Flugloch, geleerte Honigwaben. Das beraubte Volk war bereits schwach oder tot; die Räuberei ist zudem ein ernstes Ansteckungsrisiko.

Verdacht auf Faulbrut und Vergiftung

Bei jeder Obduktion sollten die Brutwaben auf Faulbrut untersucht werden: eingesunkene, dunkel verfärbte und löchrige Zelldeckel, am Zellboden festklebende trockene Schorfe, übler Geruch. Amerikanische und Europäische Faulbrut sind anzeigepflichtige Krankheiten. Halten Sie die Beute bei Verdacht verschlossen, berühren Sie mit Waben und Werkzeug keine anderen Beuten und melden Sie den Fall dem zuständigen Veterinäramt; die Diagnose wird im Labor gestellt.

Vergiftung: Plötzliches Massensterben vor dem Flugloch und in der Beute, Bienen mit ausgestrecktem Rüssel, zitternd oder krabbelnd. Das ist meist kein Winterbild, sondern ein Bild während der Saison, das mit der Spritzzeit zusammenfällt. Nehmen Sie bei Verdacht eine Probe toter Bienen und frieren Sie sie ein, notieren Sie Datum und Spritzungen in der Umgebung und melden Sie den Fall der zuständigen Behörde.

Zusammenfassende Tabelle der Obduktionsbefunde

BefundMögliche UrsacheVorbeugung im nächsten Jahr
Tote Bienen mit dem Kopf in den Zellen, kein HonigHungertodVorratskontrolle im Herbst und rechtzeitige Fütterung
Tote Bienen mit dem Kopf in den Zellen, daneben voller HonigFutterabrissWintersitz einrichten; kleine Trauben vereinigen
Wenige tote Bienen, viel Honig, löchrige Brut, MilbenkotVarroa und VirenMilbenkontrolle im Spätsommer und rechtzeitige Behandlung
Drohnenbrut in Arbeiterinnenzellen, mehrere EierWeisellosigkeit, AfterweiselKöniginnenkontrolle im Herbst, Schwache vereinigen
Nasse Beute, tropfendes WasserFeuchtigkeit und KondenswasserBelüftung, dichter Deckel, trockener Standort
Braune KotfleckenDarmprobleme, Verdacht auf NosemaLabordiagnose, geeignetes Winterfutter
Angenagte Waben, NestresteMausMäusegitter im Herbst

Was ist nach der Obduktion zu tun?

  • Waben aussondern: Bis die Ursache geklärt ist, werden weder Waben noch Honig an andere Völker gegeben. Waben mit Krankheitsverdacht werden nach Anweisung der zuständigen Behörde vernichtet.
  • Saubere Waben schützen: Intakte Waben ohne Krankheitsbefund werden gegen Wachsmotten geschützt (z. B. eine Zeit lang eingefroren) und verschlossen gelagert.
  • Die Beute reinigen: Der Boden wird abgekratzt, tote Bienen werden entfernt, der Holzkörper wird ausgekratzt und gereinigt; vor der Wiederverwendung wird die Beute getrocknet.
  • Die anderen Völker kontrollieren: Prüfen Sie, ob dieselbe Ursache (vor allem Varroa) auch am übrigen Bienenstand wirkt.
  • Die Aufzeichnung vervollständigen: Ursache, Datum und zu ergreifende Maßnahmen werden notiert. Im nächsten Jahr ist diese Notiz Ihre wertvollste Quelle.

Häufige Fragen

Darf ich den Honig eines im Winter gestorbenen Volkes einer anderen Beute geben?

Erst wenn die Todesursache geklärt und bestätigt ist, dass keine Anzeichen von Faulbrut vorliegen. Im Zweifel werden Honig und Waben keinem anderen Volk gegeben.

In der Beute ist Honig, aber die Bienen sind tot – warum?

Liegen nur wenige tote Bienen darin, gilt der stärkste Verdacht der Varroa. Sitzen die toten Bienen in der Traube mit dem Kopf in den Zellen, war der Honig möglicherweise zu weit von der Traube entfernt (Futterabriss).

Warum sind in der toten Beute fast keine Bienen?

Durch Varroa und Viren geschwächte Bienen sterben einzeln außerhalb der Beute. Deshalb wirkt die Beute leer; das bedeutet nicht, dass „die Bienen abgehauen sind“.

Ist Schimmel auf den Waben die Todesursache?

Meist nicht. Schimmel entsteht in der Regel erst nach dem Tod; stehen in der Beute aber Wasserpfützen und war die Traube nass, kann Feuchtigkeit die eigentliche Ursache sein.

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